Umweltjournal.de | Buchrezensionen  | Artikel Nr.: 643

Buchrezension: Gesunde Ernährung - Dreimal gegen den Strich gekämmt...

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An Büchern, die sich kritisch mit unserer Ernährung und der Landwirtschaft auseinandersetzen, mangelt es seit der Agrarkrise um BSE und MKS nicht.
Fast wöchentlich erscheinen neue Publikationen zu diesem weiten Themenfeld. Aus der reichlichen Auswahl möchten wir Ihnen drei beachtenswerte Werke ans Herz legen und vorstellen.

{b1l ALT="Cover des Buches"}“Futter fürs Volk” räumt auf mit unseren Vorstellungen über die heutige Landwirtschaft und die Nahrungsmittelverarbeitung. Das Buch schickt uns auf die Reise in die Welt moderner kulinarischer “Highlights”. Das beginnt in unseren allseits sehr beliebten Restaurants. In immer mehr Restaurants werden heute keine frischen Lebensmittel mehr verarbeitet, sondern von der Lebensmittelindustrie vorgefertigte und verpackte Gerichte, die nur noch erwärmt werden müssen und mit ein paar “frischen” Zutaten für das Auge bereichert werden. Das Motto dieser Fresstempel sollte daher heißen: “Hier macht der Chef die Tüte auf!”

Fast alle Trendthemen der Ernährung und Landwirtschaft werden von den drei Autoren aufgegriffen. Vom Functional Food und Gentechnik über Käfighaltung und Milcherzeugung bis hin zu den zahlreichen Lebensmittelskandalen. Das Buch gewährt einen umfassenden Einblick in die Niederungen unseres heutigen Ernährungssystems. Das Resümee des Buches lässt sich leider nur auf eine Formel zusammenfassen: “Öko ist gut – Konventionell ist schlecht!” Wir meinen, dass dies etwas zu kurz greift und zu undifferenziert ist , da auch von konventionellen Landwirten, Verarbeitern und Händlern durchaus qualitativ hochwertige Produkte angeboten werden können.

Beachtenswert ist das umfangreiche Adressverzeichnis mit 700 Einträgen, wobei aber Internetadressen als erste Informationsquelle fehlen.
Während “Futter fürs Volk” die Empfehlungen der “Deutschen Gesellschaft für Ernährung” (DGE) zur Grundlage für eine gesunde Ernährungsweise macht, distanzieren sich die Autoren der anderen beiden Bücher in vielen Aussagen deutlich von den DGE-Ratschlägen.

Das “Lexikon der populären Ernährungsirrtümer” von Udo Pollmer räumt mit Fehlinterpretationen, Halbwahrheiten und Fehlern der gängigen “Ernährungsweisheiten” auf. Die ausgewählten Themen reichen von Antioxidantien, Ballaststoffen, über “böse und gute Fette”, Eisbein, Light-Produkte bis hin zu Zusatzstoffen und deren Bewertung. Pollmer kritisiert massiv die aktuellen Ratschläge der “Ernährungspäpste” und die Empfehlungen der DGE, die nach 40 Jahren Ernährungsberatung und Tipps zu keiner spürbaren Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland geführt haben. Statt dessen wächst die Zahl der Diät-geschädigten Dicken und der Essgestörten. Die Ursache für die falschen Empfehlungen der Ernährungswissenschaft und Medizin sieht Pollmer v.a. darin, dass die Ratschläge nur auf den Ergebnissen von Korrelationen aus ernährungsbezogenen Studien basieren. Da aber kaum ein allgemein gültiges Ernährungsmuster existiert, kann eine Korrelation fast mit jeder ernährungsbedingten Krankheit hergestellt werden. Pollmer wirft der Ernährungswissenschaft insbesondere das Festhalten an alten, aber fehlerhaften Ergebnissen ihrer Studien vor. So stellt Pollmer beispielsweise die Schuld des Cholesterins an Arteriosklerose und Herzinfarkt in Frage. Dies hätte weitreichende Folgen für die Medizin, Ernährungswissenschaft und die Lebensmittelindustrie, die allesamt Fette mit ungesättigten Fettsäuren propagieren. Pollmer zitiert Ergebnisse von Studien, nach denen es für den individuellen Cholesteringehalt im Blut nicht von Bedeutung ist, ob eine cholesterinreiche oder –arme Kost verzehrt wird. Pollmer zeigt wie Fakten, Daten und Ergebnisse aus Studien manipuliert wurden, um Cholesterin als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich zu machen.
Die Begriffe sind alphabetisch sortiert und haben jeweils ein bis zwei Seiten erläuternden Text, der sowohl unterhaltsam und spannend als auch für den Laien in Ernährungsfragen geeignet ist.

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Autor: KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung
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Stand: 10. Oktober 2002
Erstellt: 25. Oktober 2001
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