Umweltjournal.de | Buchrezensionen  | Artikel Nr.: 648

Buchrezension: Das Mephisto-Prinzip - Warum es besser ist, nicht gut zu sein

$SpezialLogo$

$Webvideo$

– das versuchen die Autoren in diesem sehr kurzweiligen Buch zu belegen.
Dabei berufen sie sich auf den “Teil der Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft, wie Mephisto sich dem Dr. Faust vorstellt. Und irgendwie ist es auch umgekehrt im Weltbild der beiden Autoren. Mit viel Humor, Boshaftigkeit und lockerer Sprache zeigen sie Beispiele auf, in denen ihrer Meinung nach moralisch schlechte Motive (dem deutschen Kulturdenken zufolge) Gutes bewirken. So wird etwa behauptet, die viel geschmähte Globalisierung rette die Umwelt. Wie? Ganz einfach: bei steigendem Jahreseinkommen wird Umweltschutz betrieben, indem für sauberes Wasser und saubere Luft gesorgt wird. Dass bei wachsendem Wohlstand mehr Ressourcen verbraucht werden und mehr Umwelt konsumiert wird, vernachlässigen die beiden großzügig. “Wer den Aufstieg der 3. Welt wirklich beschleunigen will, sollte lieber gegen Handelsschranken kämpfen, als in Seattle, Melbourne oder sonst wo Barrikaden zu errichten und gegen Globalisierung zu demonstrieren.” Zur Untermauerung werden noch Korea und Kuba angeführt: “Die Armenhäuser der Welt sind Staaten, die auf Autarkie und Abschottung pochen.” Nur zwei Armenhäuser auf dieser Welt? Das wäre schön, dann brauchten wir keine Globalisierung. Überhaupt sind wir Deutschen auf dem falschen Gleis, wenn wir gegen McDonalds sind, aber Dönerbuden und schwedische Möbelketten gut finden. Das ist immerhin überdenkenswert.
Die “grüne” Revolution (gemeint ist die industrielle Landwirtschaft) ist gut, Solarenergie schlecht, und durch “Greenpeace und Co” scheinen die Autoren ein nachhaltiges Trauma erlebt zu haben. Private Naturparkbesitzer in den USA retten Tier- und Pflanzenarten besser als es die vom Staat subventionierten deutschen und europäischen Gebiete können. Mag sein, aber die Verhältnisse sind nicht vergleichbar. Kulturimperialismus wird in Afrika angeblich verlangt. Kein Wort davon, dass (nicht angepasste) Technologie verrottet und die Oberlehrermentalität der westlichen Welt vielfach auf Ablehnung stößt. Trotzdem ist das Buch lesenswert, denn mit vielen Aspekten treffen sie den Nagel auf den Kopf. Besonders da, wo sie die Fehler des Sozialstaates beleuchten. Ein bisschen Wahrheit, charmant versteckt hinter viel Unsinn. So einfach, wie die Welt hier beschrieben wird, ist sie leider nicht, und Mephisto als die böse Kraft hat ja am Ende auch nicht das Heil gebracht. (IW)

Dirk Maxeiner & Michael Miersch: Das Mephisto-Prinzip: warum es besser ist, nicht gut zu sein
Eichborn Verlag, Frankfurt a.Main 2001, 183 Seiten, 34,- DM
ISBN 3-8218-1636-8
Autor: KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung
1598 Aufrufe
Stand: 4. Dezember 2002
Erstellt: 25. Oktober 2001
Die letzten 5 Buchrezensionen: