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Zur Kontinuität völkisch-nationalistischer Tradition in der Massenkultur der Gegenwart
Von Wahid Ben Alaya
H. G. Konsalik: Die "Einmann-Traumfabrik"1)
Einer der erfolgreichsten "Unterhaltungsautoren" der Gegenwart, der sich gleich nach dem Zweiten Weltkrieg rassistischer Mythen, Stereotypen und Feindbilder annahm und sie zunächst auf die neue Situation des Kalten Krieges übertrug, ist Konsalik. Besonders in den (Anti-)Afrikaromanen dieses Autors wird der Rassismus wieder literaturfähig. Und gerade dieser Autor blieb von der Literaturkritik nahezu verschont.
Der Durchbruch vom Kriegsberichterstatter(2) zum erfolgreichen Autor gelang Heinz Günther Konsalik Mitte der 50er Jahre. Nach dem Beitritt der Bundesrepublik zur NATO und der Remilitarisierungswelle begann in den Massenmedien, wie auch in der massenhaft verbreiteten Literatur ein Propagandafeldzug gegen die Sowjetunion. Nach der Liquidierung der Juden und anderer ethnischer Minderheiten verblieb dieser Feind des Dritten Reiches als Feind der Bundesrepublik.
In dieser Stimmung gehörte Konsaliks Roman Der Arzt von Stalingrad zu den Hauptwerken dieser militant antikommunistischen Strömung. Bis in die jüngste Gegenwart wurde der 1958 erschienene Roman als "Propagandabuch gegen den Kommunismus" gefeiert. Das von Haß gegen alles Sowjetische geladene Machwerk erlebte eine Gesamtauflage von mehr als zwei Millionen Exemplaren, wurde verfilmt, im Fernsehen gesendet und gehört heute noch zu den Bestsellern des Bertelsmann-Leserings. Seitdem schrieb Konsalik Romane dieser Art. Sie fielen vom Himmel (1958), Die Rollbahn (1958), Strafbataillon 999 (1959), Russische Synfonie (1962), der Himmel über Kasakstan (1962), Liebesnächte in der Taiga (1966), Der letzte Gefangene (1970) und anderes mehr: "Die Gefahr des Bolschewismus ist heute da; sie mag heruntergespielt werden, aber sie ist da.", so Konsalik, "Das Grundprinzip des Bolschewismus ist die Weltrevolution, und das haben die nie aufgegeben...verhindern kann ich sie nicht,...ich kann nur warnen..."(3).
Konsalik ist aber auch ein Autor, dessen aufgeregter Antikommunismus oft in eine kaum verhüllte Rechtfertigung des Faschismus umkippt. Analog diesen Kriegsromanen verbindet der Autor seine antikommunistische Hetze mit der bewußten Propagierung neuer Expansionsziele Deutschlands: "Wir haben nicht regional, sondern geopolitisch zu denken! Völker sind nur Auswirkungen geopolitisch bedingter Kräfte", so einer seiner Helden, "Und so wie alle Ausdehnung von der Mitte ihren Ausgang nimmt..., so haben wir Deutsche das geopolitische Recht, uns nach allen Grenzen hin auszudehnen, wenn es die Lage erfordert."(4).
Dabei wird der zu Imperialismus- Rassen- und Völkerhetze schürende Autor nicht nur von den Medien verharmlosend mit dem Titel des größten Kriegs- bzw. "Vollblutschriftsellers" versehen. Wenn auch die "Germanistik" von Konsalik bislang nicht viel hielt, so wußte man ihn in Regierungskreisen durchaus zu schätzen: "Als einer der erfolgreichsten deutschen Romanschriftsteller haben Sie ein reichhaltiges Lebenswerk vorzuweisen. Sie haben Millionen von Lesern ein lebendiges und spannendes Bild schicksalhafter Erlebnisse und Geschehnisse zeichnen können. Die großen Opfer, die Krieg und Zerstörung einer ganzen
Der Begriff Generation bezeichnet die Geschlechterfolge (Eltern, Kinder, Enkel usw.).Generation, der auch sie angehören, abverlangten, haben ebenso wie die Tatkraft, der Mut und der Leistungswille beim Wiederaufbau nach dem Zusammenbruch viele Ihrer Romane geprägt."(5)
Aus Heinz Günther, dem Mann mit dem unbändigen Fremdenhaß und mit dem Kopf voller Vorurteile, Kriegs- und Verfolgungswahn, wurde der Bestsellerautor Deutschlands. Seine unzähligen Bücher variieren einen einzigen Roman mit dem Bestseller-Titel: "Am deutschen Wesen..." und mit der Signatur: "Was wäre das auserwählte Volk Gottes auf Erden ohne rassistisch-sexistische Alltagsmythen?".
Seit der zweiten Hälfte der 60er Jahre ist eine neue "Qualität" in der literarischen Fließbandproduktion des "Star-Autors" deutlicher hervorgetreten. Es handelt sich dabei um einen Romantyp, der vorwiegend aktuelle politische Ereignisse oder Stoffe aufgreift und seine "begeisterten" Leser an Brennpunkte des Weltgeschehens in viele Ländern der Erde führt. Themen, die er sich heute sucht, machen nicht mehr an der russischen Grenze halt. Flugzeugentführung und Geiselnahme, kalter Krieg und verblassendes Wirtschaftswunder, Exotisch-Abenteuerliches: Konsalik hat die Gedanken immer im Wind, wenn er in
Lebewesen stehen in einem K.-Verhältnis zueinander, wenn sie die gleichen für sie wesentlichen Umweltfaktoren eines Biotops nutzen, diese aber nicht für alle sie beanspruchenden Lebewesen ausreichen. Konkurrenz mit der Aktualität, umgeben von allerlei Nachschlagewerken und Büchern, die ihm Ortsbeschreibungen liefern, auf die Tasten seiner mechanischen Schreibmaschine schlägt. Es ist mit Recht "eine massenhaft verbreitete politische Literatur", wie Langenbucher bezüglich der "Trivialliteratur" generell bemerkte: "...während es bei der "Hochliteratur" in der Tat einigermaßen schwer ist, wenigstens ein paar Beispiele für den politischen Roman zu finden, fällt es bei dieser Literatur umgekehrt schwer, Themen auszudenken, die noch nicht verarbeitet wurden. Diese Unterhaltungsromane von den Kriegsgeschichten in Heftchenform über die Illustriertenromane bis hin zu den Spannungsreißern in Buchform, die einige Autoren wie Kirst und Simmel regelmäßig schreiben, sind die eigentliche politische Literatur der Gegenwart in der Bundesrepublik...Romanciers und Reporter dieser Art benutzen die Darstellungsform >Roman< nicht zuletzt, um direkt auf die Leser publizistisch einzuwirken...Sie sind Leitartikler, die politische Meinungsbildung treiben. Sie wissen, daß der Romanleser bei der >Stange< bleibt, wenn nur gut erzählt wird. Die erzählerischen Kunstmittel dienen ihnen als Vehikel für ihre außerliterarischen Zwecke."(7)
Daß Konsaliks literarische Massenproduktion auf Grund ihres propagandistischen Charakters, sowohl in ihren inhaltlichen Aussagen als auch im Gebrauch von Gestaltungsmitteln den Interessen und Manipulationspraktiken der Institutionen der Kulturindustrie in vielem entgegenkommt, daran besteht kein Zweifel. Doch wie läßt sich die außergewöhnliche Popularität dieses Autors bei einem Massenpublikum nach dem Wahnsinn des Dritten Reiches erklären?
"Der große Bucherfolg", schreibt Kracauer, "ist das Zeichen eines geglückten soziologischen Experimentes, der Beweis dafür, daß wieder einmal eine Mischung von Elementen gelungen ist, die dem Geschmack der anonymen Leserschaft entspricht."
Und hier komme ich auf meine eingangs formulierte These zurück und damit auf die Fragestellung: Was bewirkt denn, daß Konsaliks Erfolgsbücher geglückte Experimente im Kracauerschen Sinn darstellen?