Umweltjournal.de | Buchrezensionen  | Artikel Nr.: 17093

Die Ernährungsdiktatur: Warum wir nicht länger essen dürfen, was uns die Industrie auftischt

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Köln, 07.09.2010: Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe die „Welt der Ernährung“ und ihre Fehlentwicklungen in einem Buch aufzeigen zu wollen. Ansatzweise gelingt das der Autorin sehr gut. Das Buch beschreibt die Vielfalt des Lebensmittelangebots der Discounter und Supermärkte.

Aber - viele Lebensmittel sind austauschbar, weil sie aus wenigen günstigen und eher minderwertigen Rohstoffen wie Mais, Soja, Weizen oder Reis bestehen. Damit diese Produkte überhaupt schmecken zeigt Busse mit anschaulichen Beispielen die Tricks der Nahrungsmittelkonzerne: Nahrungsmittel werden mit Aromen und Zusatzstoffen aufgemotzt und schmackhaft gemacht.

Busse geht auch der Frage nach "Sind die Dicken selbst schuld?". Die Antwort ist: die Zusammensetzung vieler Lebensmittel sei Schuld. Dabei verliert sie jedoch aus den Blick, dass eine Reihe gesellschaftlicher Trends maßgeblich an der Gewichtszunahme der Bevölkerung mitverantwortlich sind: Mangelnde Bewegung, eine vorherrschend sitzende Arbeittätigkeit, Zunahme der Nutzung von TV, Computer und Spielkonsolen.

Im Buch werden auch die Folgen einer fehlgeleiteten Agrarpolitik und deren Folgen für Entwicklungsländern beschrieben: gefrorene Hühnerbeine aus der EU sind so billig, dass die Bauern in Westafrika nicht mehr wettbewerbsfähig sind, Gärtner in Ghana werden ihre Tomaten nicht los, weil Tomatenmarkimporte aus Südeuropa den Markt zerstören und Milchpulverexporte aus der EU nach Sambia veranlassen die Milchbauern die Milchwirtschaft einzustellen.

Um all die Missstände zu beseitigen setzt Busse auf die Einsicht und selbst bestimmte Ernährung der Konsumenten, die mit ihren Kaufentscheidungen die beschriebenen Fehlentwicklungen ändern sollen. Kritische und politisch-interessierte Verbraucher sind absolut wichtig. Dass jedoch Politik, Ernährungsindustrie und Handel auch in die Pflicht genommen werden müssen, davon ist wenig zu lesen. Viele der angesprochenen Probleme lassen sich aber nicht allein mit Verbrauchermacht ändern, sondern bedürfen gerade neuer poli-tischer Perspektiven.

Insgesamt ist das Buch ist eine leicht verständliche und unterhaltsame Lektüre und eine erste gute Information zu den Trends und Strategien globaler Lebensmittelkon-zerne. Natürlich lassen sich in einem solchen Rahmen die komplexen Strukturen der Globalisierung nicht im Detail klären.

Tanja Busse: Die Ernährungsdiktatur: Warum wir nicht länger essen dürfen, was uns die Industrie auftischt; 336 Seiten, Karl Blessing Verlag München 2010; ISBN: 389667420X, Preis: 16,95 €

Autor: KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung
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Stand: 7. September 2010
Erstellt: 7. September 2010

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