Umweltjournal.de | Artikel Nr.: 3564

Serie Innenraumschadstoffe Teil V.II Polychlorierte Biphenyle - PCB

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Im ersten Teil zum Thema “Polychlorierte Biphenyle – PCB” berichteten wir in den -KATALYSE Nachrichten 35 über das Vorkommen und die Eigenschaften sowie über die Verwendungszeiträume von PCB. Im jetzt vorliegenden zweiten Teil informieren wir über gesundheitliche Auswirkungen, Symptome und Grenzwerte.-


Zum Hintergrund
Ein nach wie vor aktuelles Umweltproblem stellen die Polychlorierten Biphenyle (PCB) dar. Das Kürzel PCB steht nicht für eine einzelne Verbindung, sondern für eine ganze Substanzgruppe mit insgesamt 209 theoretisch möglichen Verbindungen. Die einzelnen Verbindungen unterscheiden sich durch die Anzahl und Lage der Chloratome im Molekül und werden auch als Kongenere bezeichnet. Wegen ihrer weltweiten Verbreitung kommt der Mensch täglich mit PCB in Berührung, insbesondere werden PCB oral über Lebensmittel und Muttermilch, aber auch inhalativ durch PCB-belastete Raumluft oder dermal durch direkten Kontakt mit PCB-haltigen Produkten aufgenommen. Seit letztem Jahr ist die Diskussion um Grenz- und Richtwerte wieder neu aufgekommen. PCB sind Altlasten, d.h. diese Stoffe werden schon seit Jahren in Deutschland nicht mehr produziert oder in Gebäude eingebaut.

Gesundheitliche Auswirkungen und Symptome
Bei mehreren akuten Vergiftungsfällen, wie z.B. der Yusho-Krankheit, fiel die hohe Toxizität der PCB auf. So wurden 1968 in der japanischen Stadt Yusho Bürger mit PCB-kontaminiertem Reisöl vergiftet. Die Folgen einer akuten PCB-Vergiftung sind Chlorakne, Lidödeme, Überpigmentierung einzelner Hautpartien, Verfärbung von Finger- und Zehnägeln, chronische Bronchitis, Lungenfunktionsstörungen, Stoffwechselstörungen, Schädigungen am Immun- und Nervensystem, Haarausfall und als Langzeitfolge eine erhöhte Krebsrate. Bei einer chronischen PCB-Belastung stehen Schädigungen am Nerven- und Immunsystem, Unfruchtbarkeit und Krebs im Vordergrund. PCB allgemein hemmen die Bildung von Hirnbotenstoffen. Die Folge sind Konzentrationsschwäche, Müdigkeit, Schweißausbrüche, Herzjagen, aber auch psychische Auffälligkeiten wie Panikreaktionen.

Gesundheitliche Risiken treten hauptsächlich aufgrund der chronischen Toxizität von PCB auf. Infolge ihrer extrem langsamen biologischen Abbaubarkeit und Fettlöslichkeit reichern sich die PCB im Fettgewebe von Menschen und Tieren an. Dabei unterscheiden sich die einzelnen Kongenere (Moleküle gleicher Grundstruktur aber unterschiedlicher Substitution) erheblich in ihrer Toxizität. Koplanare PCB (Koplanarität bezeichnet bei bestimmten Kongeneren der polychlorierten Biphenyle die räumliche Ausrichtung der beiden miteinander verbundenen Phenylringe in derselben Ebene. Koplanare PCB sind die Kongenere mit den Nr. 77, 126 und 169, haben eine Dioxin-ähnliche Wirkung und höherchlorierte PCB-Gemische sind toxischer als niederchlorierte. PCB sind in der MAK-Liste in Abschnitt III B eingestuft. Dies bedeutet, PCB stehen im begründeten Verdacht krebserzeugendes Potential zu besitzen. Nachgewiesen wurde die verstärkende Wirkung von PCB auf das krebserzeugenden Potential anderer Stoffe. Außerdem wirken PCB fruchtschädigend (Kategorie 2 nach Anhang 2 GefStoffV) und sind immuntoxisch. Schließlich besteht der Verdacht auf hormonähnliche Wirkung von PCB. PCB können über die Nahrung, die Luft und über die Haut aufgenommen werden.

Das Gesundheitsrisiko, das von PCB-belasteten Baustoffen und Bauteilen ausgeht, steigt mit der PCB-Konzentration in der Raumluft und der Aufenthaltsdauer im Raum.

Grenzwerte
In Nordrhein-Westfalen werden die Bewertung und Sanierung PCB-belasteter Gebäude durch die am 09.08.1996 veröffentlichte “Richtlinie für die Bewertung und Sanierung PCB-belasteter Baustoffe und Bauteile in Gebäuden (PCB-Richtlinie NRW) geregelt. Sie ist zugleich nach §3 Abs. 3 der Landesbauordnung (BauO NW) als Technische Baubestimmung bauaufsichtlich eingeführt.
Die Bewertung von PCB-Belastungen in der PCB-Richtlinie NRW erfolgt über die Höhe der Raumluftbelastung. Sie geht auf einen Beschluß des Ausschusses für Umwelthygiene der Arbeitsgemeinschaft der Leitenden Medizinalbeamten der Länder (AGLMB) vom 14./15.06.1993 zurück, der in einer Richtlinie der ARGEBAU (Arbeitsgemeinschaft der für das Bau-, Wohnungs- und Siedlungswesen zuständigen Minister der Länder) umgesetzt worden ist.
Danach werden folgende Empfehlungen für sachgerecht angesehen:
  • Raumluftkonzentrationen unter 300 ng/m3 Luft ist als langfristig tolerabel anzusehen (Vorsorgewert).
  • Bei Raumluftkonzentrationen zwischen 300 und 3.000 ng/m3 ist die Quelle der Raumluftverunreinigung aufzuspüren und unter Beachtung der Verhältnismäßigkeit mittelfristig zu beseitigen.
    Zwischenzeitlich ist durch regelmäßiges Lüften sowie gründliche Reinigung und Entstaubung der Räume eine Verminderung der PCB-Konzentration anzustreben.
    Der Zielwert liegt bei weniger als 300 ng/m3 Luft (Sanierungsleitwert).
  • Bei Raumluftkonzentrationen oberhalb von 3.000 ng/m3 Luft sind akute Gesundheitsgefahren nicht auszuschließen (Interventionswert für Sofortmaßnahmen).
    Bei entsprechenden Befunden sollen unverzüglich Kontrollanalysen durchgeführt werden. Bei Bestätigung des Wertes sind in Abhängigkeit von der Belastung zur Vermeidung gesundheitlicher Risiken in diesen Räumen unverzüglich Maßnahmen zur Verringerung der Raumluftkonzentration von PCB zu ergreifen. Der Zielwert liegt auch hier bei weniger als 300 ng/m3.


Die in der PCB-Richtlinie vorgenommene Bewertung der Raumluftkonzentration bzgl. PCBliegt eine vom Umweltbundesamt/Bundesgesundheitsamt vorgeschlagene tolerable tägliche Aufnahmemenge (TDI-Wert) von 1 µg PCB/kg Körpergewicht zugrunde. Dieser Wert basiert auf den Befunden einer Studie von Chen und Dubois (1973) an Ratten mit hepatotoxischen Effekten mit einem NOAEL (“No Observed Adverse Effect Level”: Schadstoffkonzentration, bei der keine gesundheitlichen negativen Wirkungen auftreten) von 100µg/kg x d. Es hat sich jedoch gezeigt, dass dieser Parameter nicht den empfindlichsten Endpunkt bei längerfristiger PCB-Intoxikation darstellt. Zudem erscheint der gewählte Sicherheitsfaktor von < 100 auf den NOAEL einer subchronischen Studie angesichts der langen Persistenz der PCB im Organismus gering. Aus chronischen Studien an Rhesusaffen (Tryphonas et al., 1989, 1991) lassen sich Effektdosen für immuntoxische Effekte von 5 µg/kg x d Aroclor 1254 (LOAEL, “Lowest Observed Adverse Effect Level”: geringste Konzentration, bei der noch Wirkungen auftreten) ableiten. Auf dieser Basis wird von der DFG (Gefährdungsabschätzung von Umweltschadstoffen: ergänzendes Handbuch toxikologischer Basisdaten und ihre Bewertung, 1999) für langfristige orale Exposition ein TDI-Wert von 15 ng PCB/kg x d vorgeschlagen. Dieser Wert liegt erheblich unter der Konzentration, die den Eingreif- und Sanierungszielwerten der PCB-Richtlinie zugrunde liegen. Demzufolge müßten die Eingreif- und Sanierungszielwerte herabgesetzt werden. Wegen der insgesamt unsicheren Datenbasis zur inhalativen Exposition wurden bislang noch keine neuen TDI-Werte für diesen Pfad abgeleitet.

PCBs werden von der WHO und der US-EPA als wahrscheinliches Humankanzerogen eingestuft. Auch in Deutschland besteht ein begründeter Verdacht auf krebserzeugendes Potential (MAK-Liste III B). Bei krebserzeugenden Stoffen sind generell keine Schwellenwerte, unterhalb derer keine Gefährdung ausgeht, zu bestimmen.
Langzeitziel sollte das Erreichen der Außenluftwerte auch im Innenraum sein.
(AS)
  • Die Serie wird in den KATALYSE Nachrichten 37 fortgesetzt. Themen der nächsten Ausgabe: Risikogruppen, PCB-Raumluftkonzentration.
  • Für weitere Fragen steht Ihnen die Verbraucherberatung des KATALYSE Institutes (Dienstags von 14 – 17 Uhr, Fon: (0221) 94 40 48-88) gerne zur Verfügung. Fordern Sie unser Informationen zum Thema PCB an!

Autor: KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung
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Stand: 17. Jänner 2003
Erstellt: 13. September 2002
  • Inhaltsverzeichnis KATALYSE-Nachrichten 36
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