Rückblicke
Webvideothek
Quälen von Elefanten
Verbrannt, geschlagen und gedemütigt. Mit weit aufgerissenen Augen und an Pfähle gekettet ertragen verängstigte Jungelefanten die fürchterliche Tortur.
Video >>
DOLPHIN PRISON
Die von Hans Meiser moderierte Dokumentation „DOLPHIN PRISON - Das lächelnde Sterben der Delfine“ ist der erste Film der Reihe animal crimes story, die im gugra-Media-Verlag erscheint.
Video >>
Nahrungsmittel-Spekulation
Deutsche Bank will im Januar 2012 über Ausstieg aus Spekulation mit Nahrungsmitteln entscheiden - Banker als Hütchenspieler: foodwatch-Film "Hände weg vom Acker, Mann!" thematisiert die Verantwortung von Deutschlands größtem Investmenthaus.
Video >>

Zur Web-Videothek >>

Inserate
Tipp
Umweltlexikon
Pfeil Umweltjournal.de | PfeilArtikel Nr.: 3438

Geotopschutz, die neue Herausforderung in Natur- und Landschaftsschutz

$SpezialLogo$ $Webvideo$
Köln, 12.08.2002: Der jüngst eingeführte Begriff „Geotop“ besitzt im Vergleich zu dem Begriff „Biotop“ einen noch unzureichenden Bekanntheitsgrad, der über die Wirkungsbereiche einer relativ kleinen Gruppe von spezialisierten Geowissenschaftlern, geologischen Landesämtern und Landschaftsbehörden nicht hinaus reicht. Nachdem Alexander von Humboldt (1769-1859) im Jahr 1819 den Begriff „Monument de la nature“ prägte, nahm die Entwicklung des Begriffes Geotop seinen Lauf.

In Deutschland wurden in der Vergangenheit noch weit vor Biotopen gefährdete geologische Einzelbildungen oder ganze Landschaftsteile als Natur- oder Bodendenkmäler unter Schutz gestellt. Hier begann etwa um 1990 eine Gruppe von Geowissenschaftlern, sich der Erfassung, dem Schutz und der Pflege von geologischen Aufschlüssen mit hohem wissenschaftlichen Stellenwert zu widmen und dabei Naturschutzaspekte zu berücksichtigen. Als Pendant zum Biotopschutz, der sich dem Erhalt des biotischen Naturhaushaltes widmet, werden in Geotopen abiotische Naturobjekte betrachtet und geschützt.

Geotop und Geotopschutz – was ist das?

Der Begriff Geotop setzt sich aus griechisch gä für Erde und Topos für Ort zusammen. Geotope sind erdgeschichtliche Bildungen der abiotischen (unbelebten) Natur, die Kenntnisse über die Entwicklung der Erde oder des Lebens vermitteln. Sie umfassen Aufschlüsse von Gesteinen, Böden, Mineralen und Fossilien sowie einzelne Naturschöpfungen wie Quellen, Höhlen, Gletscherspuren und natürliche Landschaftsteile. Der Geotopschutz ist der Bereich des Naturschutzes, der sich mit Erhaltung und Pflege schutzwürdiger Geotope befasst. Schutzwürdig sind Geotope, die sich durch ihre besondere erdgeschichtliche Bedeutung, Seltenheit, Eigenart oder Schönheit auszeichnen. Für Wissenschaft, Forschung und Lehre sowie für Natur- und Heimatkunde sind diese geologischen Objekte von besonderem Wert.

Gefahren für Geotope gehen vor allem vom Abbau von Rohstoffen, von einer Bebauung oder der Verfüllung mit Abfällen aus. Nicht zuletzt können Geotope durch natürliche Verwitterungseinflüsse oder einer zu dichten Vegetationsdecke unwiederbringlich verloren gehen. Bekanntes Beispiel für eine einstmals geplante Nutzung als Deponie ist die Grube Messel bei Darmstadt. Die Grube Messel ist wegen ihrer ungewöhnlich gut erhaltenen fossilen Wirbeltierfunde aus dem Tertiär weltweit bekannt und kann deshalb als „fossiler Biotop“ bezeichnet werden. Dieses Geotop ist 1995 von der UNESCO als Weltnaturerbe ausgewiesen worden und konnte vor einer Verfüllung verschont bleiben (siehe auch den Beitrag über UNESCO Weltnaturerbe in diesen KATALYSE Nachrichten).

Wie sind Geotope entstanden?

Geotope können durch natürliche Prozesse oder genauer ausgedrückt endogen (durch Kräfte des Erdinneren, wie z.B. durch den Vulkanismus) oder exogen (durch Kräfte, die auf der Erdoberfläche einwirken, wie z.B. durch die Verwitterung) während der Erdgeschichte entstanden sein. Als aktive Geotope werden diejenigen bezeichnet, deren Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist (z.B. Tropfsteinhöhlenbildung).

Eine große Vielzahl von Geotopen wurde durch anthropogene Prozesse geschaffen. Seit der Antike und in ganz besonderem Maße seit dem Mittelalter wurden ganze Landschaftsteile flächenhaft, linear oder punktuell durch Menschen verändert. Der seit der Antike betriebene Erzbergbau florierte im Mittelalter auf Grund der Bevölkerungszunahme. Noch heute zeugen Pingen (kleinflächige Vertiefungen in der Landschaft, die häufig durch Schurfarbeiten von Bauern zum Abbau von Eisensteingeoden ausgehoben wurden), Gruben und Halden von diesen Bergbauaktivitäten. Sie stellen künstlich geschaffene, wertvolle Geotope dar. In Deutschland sind Bergbaufolgelandschaften durch den Erzbergbau im Harz oder die Basaltlava-Steinbrüche in der Eifel entstanden (Mayen, Mendig und Maria Laach). Bahntrassen-Einschnitte wurden besonders im 19. Jahrhundert dort angelegt, wo sich ein Tunnelbau als zu aufwendig erwies, und sie schneiden tiefgreifend linear in die Landschaft ein. Es gibt noch zahlreiche Beispiele für anthropogene Eingriffe in den geologischen Untergrund, aus denen wichtige Geotope hervorgegangen sind. Der Geotopschutz sieht seine Aufgabe neben der Pflege und dem Schutz natürlicher Geotope auch darin, die durch menschliche Handlungen entstandenen Geotope sowohl unter naturwissenschaftlichen als auch unter kultur- und montanhistorischen Gesichtspunkten zu bewerten und zu erhalten.

Geotopschutz anno 1842 und die Folgen für den Kölner Dom

Das erste überhaupt in Deutschland unter Naturschutz gestellte Objekt ist ein Geotop. Es handelt sich hierbei um den im Jahr 1836 von der preußischen Regierung amtlich geschützten, südlich von Bonn gelegenen Drachenfels am Rhein, einer vulkanischen Quellkuppe. Die Einstellung der Abbauaktivitäten am Drachenfels erfolgte nach einer einstweiligen Anordnung bereits 1828, weil Teile des Felsens eingestürzt waren, und die Burgruine keine weiteren Schäden davontragen sollte. Schon die Römer nutzten den hellgrauen bis grünlichen Trachyt mit seinen einige Zentimeter großen Sanidin-Einsprenglingen (eine Feldspatvariante) als Baustein. Der Drachenfels?Trachyt fand von 1248 bis 1560 in der ersten Bauphase des Kölner Doms als Baustein Verwendung. Auch die bis zu 17 m tief in die Rheinkiese hinabreichenden Fundamente der Kathedrale bestehen zum größten Teil aus diesem Gestein. Der Trachyt war bei den mittelalterlichen Steinmetzen wegen seiner guten Bearbeitungseigenschaften äußerst beliebt. Außerdem lag der Drachenfels verkehrsgünstig für den Transport nach Köln.

Bei der späteren Wiederaufnahme der Bauarbeiten (1842) zur Vollendung des Doms stand der Drachenfels-Trachyt, weil unter Schutz gestellt, nicht mehr zur Verfügung. Die Dombauherren wichen auf andere Vulkanit-Gesteine wie die vom Stenzelberg und der Wolkenburg im Siebengebirge aus, die sich jedoch schon nach kurzer Zeit mit Ausnahme der Niedermendiger-Basaltlava aus der Eifel als nicht so verwitterungsbeständig wie der Drachenfels-Trachyt erwiesen. Der zunehmende Bekanntheitsgrad des Drachenfelses samt Burgruine brachte neue Belastungen mit sich. Das älteste Naturschutzgebiet Deutschlands wurde zum beliebten Ausflugsziel vieler „Rheinromantiker“. Das 4200 Hektar umfassende Naturschutzgebiet wird heute von jährlich 750.000 Ausflüglern aufgesucht. An manchen sonnigen Wochenenden werden bis zu 35.000 Tagesbesucher registriert. Die letzte große Felssanierung fand zwischen 1971 bis 1973 statt. Ein Restaurantneubau mit 800 Sitzplätzen wurde 1976 fertiggestellt und ist eingebunden im Konzept dieser jüngsten Felssicherungsmaßnahme.

Für Viele schon lange kein geologischer Geheimtipp mehr: Die Vulkaneifel

Als bisher einziger deutscher Partner kooperiert der Vulkaneifel Geopark im EU- Projekt “Entwicklung des Geotourismus in Europa” mit Partnern in Frankreich (Reserve Geologique de Haute-Provence), Spanien (Maestrazgo Cultural Park) und Griechenland (Lesvos Petrified Forest). Auf der Grundlage ihrer Förderung durch die EU haben die vier Parks beschlossen, zunächst als Vierernetz zusammenzuarbeiten – mit dem Ziel, dieses Netz zu erweitern. Ziel der Parks ist darüber hinaus ihre Qualifizierung als “UNESCO-Geopark”. (TW)

Informationen über die Fachsektion Geotop der Deutschen Geologischen Gesellschaft (DGG) finden Sie unter www.geo-top.de

Infos und Termine über den Vulkaneifel European Geopark erhalten Sie bei:
Eifel Tourismus, Kalvarienbergstr. 1, 54595 Prüm, Fon: (0 65 51) 96 56-0, Fax: (06551) 96 56-96, E-Mail: info@eifel-portal.de und unter www.vulkaneifel-european-geopark.de

Und wenn es mal regnet:
Maarmuseum Manderscheid
Wittlicher Strasse 11
54 531 Manderscheid
Fon: (0 65 72) 92 03 10
Fax: (0 65 72) 92 03 15
E-Mail: maarmuseum@t-online.de
Infos unter: www.maarmuseum.de

Eine Liste mit der zitierten Quellen und weiterführenden Literatur kann gerne beim KATALYSE Institut angefordert werden


Als besonderen Ausflugstipp möchten wir Ihnen den Geopfad Wuppertal im Bergischen Land vorstellen. Auf 12 km Länge (siehe Karte) können Sie hier die Geologie des Rheinischen Schiefergebirges erleben und vieles Wissenswertes auf dem beschilderten Lehrpfad erfahren. Informationen über Führungen und den Geopfad erhalten Sie bei:
Hans Joachim Hybel
Agnes-Miegel-Str. 74
42279 Wuppertal
Fon: (0202) 52 27 58
oder
Naturwissenschaftlicher Verein Wuppertal
(Sektion Geologie)
Martin Lücke
Landheim 30
42279 Wuppertal
Fon: (0202) 52 79 37

Der passende Geopfad-Wanderführer ist im Buchhandel für EUR 4,- erhältlich ISBN 3-00-007388-4


Weitere Literaturempfehlungen rund um das Thema Geotope:

Geologischer Dienst NRW (1998): Geologie erleben - Museen, Schauhöhlen, Besucherbergwerke, Lehr- und Wanderpfade in NRW, ISBN 3-86029-965-4, EUR 8,70

Geologischer Dienst NRW (2001): Geotope in Nordrhein-Westfalen – Zeugnisse der Erdgeschichte, ISBN 3-86029-966-2, EUR 5,-

Nur für Fachleute geeignet:
Bayerisches Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen (1998): Lebensraumtyp Geotope mit besonderer Bedeutung für Artenschutz und Landschaftsbild, Landschaftspflegekonzepte Bayern Bd. II.15, ISBN 3-931175-25-1, EUR 19,50
Autor: KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung
3098 Aufrufe
Stand: 22. August 2002
Erstellt: 12. August 2002
$Zusatzinfos1$