Umweltjournal.de | Artikel Nr.: 3187

Neue KATALYSE-Veröffentlichungen Elektrosmog

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Köln, 06.06.2002: Die überarbeitete und erweiterte Auflage des Katalyse-Klassikers “Elektrosmog” ist erschienen.
Man sieht, hört und riecht ihn nicht, jedenfalls nicht direkt: den Elektrosmog.


In den letzten paar Jahren ist in der Öffentlichkeit vornehmlich von Mobilfunk die Rede, wenn es um das Problem der gesundheitlichen Auswirkungen von Elektrosmog geht. Durch die direkt sichtbaren Strahlungsquellen (auf Gebäuden und neu errichteten Masten) wird der Mobilfunk deutlich wahrgenommen. Weniger Probleme scheint es mit Radio- und Fernsehsendern zu geben, obwohl diese wesentlich höhere Strahlungsintensitäten haben. In diesen Fällen spricht man von Hochfrequenz, abgekürzt HF. Das ist aber nur eine Seite der Medaille. Mindestens genauso viel Beachtung verdienen die Elektrosmog-Belastungen durch elektrische Geräte und Anlagen in Haushalten, im beruflichen Umfeld und in der Freizeit. Hier handelt es sich überwiegend um so genannte niederfrequente Felder (NF, 50 Hz). Die Trafo-Stationen der Stromversorgung sind wenig auffällig, aber deshalb nicht weniger vorhanden und belastend. Große imposante Umspannwerke sind noch seltener und meist fernab von Wohngebieten.

Gesundheitliche Gefährdungen sind im Niederfrequenzbereich besser untersucht und gesichert als im Hochfrequenzbereich. Nicht nur das immer wieder diskutierte Krebsrisiko spielt dabei eine wichtige Rolle. Auch eine anderes Problem verdient mehr Aufmerksamkeit: die Elektrosensibilität. Noch immer wird die Existenz dieser Gesundheitsbeeinträchtigung weitgehend bestritten, obwohl sie durch mehrere Doppelblindstudien bestätigt wurde. Nach Schätzungen liegt die Zahl der Personen, die bereits eine Elektrosensibilität entwickelt haben, bei 2–4 Prozent und sie wird weiter ansteigen. Meist sind die betroffenen Personen Allergiker.

Welche Feldstärken findet man im täglichen Umfeld?

Die Mikrowelle, Wasch- und Spülmaschine in der Küche, Fernseher, Stereoanlagen und Computer in Wohn- und Kinderzimmer sind nur einige Beispiele für ständige Feldquellen (NF und HF). Aus den beiden Tabellen sind einige Feldstärken ersichtlich. In vielen Fällen kann man selbst beeinflussen, ob man sich den Feldern aussetzen will; man muss sich keinen Mikrowellenherd oder elektrischen Dosenöffner kaufen. Manchmal kann aber auch durch die Elektroinstallation im Haus ein hohes Magnetfeldniveau erreicht werden, wenn z..B. eine Trafo-Station direkt im oder am Haus steht und man im Erdgeschoss wohnt. Werden viele Haushalte von diesem Trafo versorgt, können die Felder sehr hoch werden, denn das Magnetfeld ist umso größer, je mehr Geräte eingeschaltet sind, und es lässt sich kaum abschirmen. Magnetfeldstärken von 1–10 µT werden dabei durchaus erreicht. Zur Orientierung: Der Grenzwert liegt bei 100 µT (Mikro-Tesla). In der seriösen Wissenschaft ist heute allgemein akzeptiert, dass Werte oberhalb von 0,2 µT zu einem erhöhten Krebsrisiko führen. Wer ein Handy hat und damit telefoniert, ist einer stärkeren Strahlung ausgesetzt als durcheine Basisstation auf dem Dach des Nachbarn. Allerdings: Wer kein Handy möchte, ist der Strahlung der Basisstation trotzdem ausgesetzt. Die Strahlung von Radio- und Fernsehsendern ist auch immer da, außerhalb von Gebäuden wie innerhalb. Sie kommt nicht nur über die Antenne oder das Kabel ins Wohnzimmer, denn Gebäude können die Strahlung nicht völlig abschirmen. Wenn das Internet zukünftig über die Stromversorgung kommt, haben wir eine weitere Quelle frei Haus (30 MHz).

Um die Belastung mit diesen Hochfrequenzstrahlungen einschätzen zu können, muss man die Leistung der Strahlungsquelle und die Entfernung davon berücksichtigen. Ab welcher Leistungsflussdichte eine Gesundheitsgefährdung droht, ist derzeit nicht bestimmbar. Sicher ist, dass das Handy am Ohr Veränderungen im Gehirn auslöst. Eine akute Schädigung ist ausgeschlossen, über Langzeitwirkungen können uns erst künftige Generationen Auskunft geben. Nur eines ist sicher: Die Grenzwerte bieten keinen Schutz (je nach Frequenz zwischen 40 und 60 V/m bzw. 0,45 und 0,99 mW/cm2 = 450 – 990 µW/cm2). Nachdem im Frühjahr letzten Jahres von Umweltminister Trittin angekündigt worden war, dass die Elektrosmog-Verordnung (26. BImSchV) novelliert werden soll, konnte man auf eine Senkung der Grenzwerte hoffen. Aber Ende des Jahres verlautete aus dem Umkreis des Kanzlers Schröder, eine Verschärfung der Grenzwerte sei nicht geplant. Das hätte nämlich zur Folge, dass die Betreiber mehr Mobilfunkanlagen errichten müssten mit niedrigeren Emissionen. Das würde für die Betreiber von UMTS einen Mehraufwand von ca. 9 Milliarden EUR bedeuten. Allerdings soll mehr für die Forschung und die Information der Bevölkerung getan werden, das Thema Mobilfunkantennen in der Nähe von Schulen und Kindergärten soll “sensibler” behandelt werden und Abschirmung sowie Kennzeichnung der Handys soll verbessert werden. Ob und wann die Industrie reagieren wird, bleibt ihr überlassen. Sendungen wie “Quarks & Co” zum Thema Elektrosmog (29.01.2002 im WDR-Fernsehen) legen auch eher nahe, dass die Strahlung des Mobilfunks harmlos ist. Das ist bedauerlich und sollte nicht dazu führen, die potenzielle Gefährdung aus den Augen zu verlieren.

Eigeninitiative ist das Stichwort

Ob die Grenzwerte gesenkt werden oder nicht: der (so oft zitierte) mündige Bürger ist gefordert und für elektrosensible Menschen ist ohnehin kein Grenzwert maßgebend. Jeder ist selbst verantwortlich und muss eigenverantwortlich für seine Gesundheit sorgen. Minderungsmaßnahmen gibt es viele, z.B. durch Abstand halten oder Verzicht auf entbehrliche Geräte oder auch durch Installation eines Freischalters. So sollte man bei Neubau oder Sanierung von Wohnraum von vornherein Abschirmungsmaßnahmen einbeziehen. Möglichkeiten und Materialien dazu gibt es mittlerweile genug. Bei fachgerechter Ausführung von erfahrenen Handwerkern können die Felder erheblich reduziert werden. Dies muss allerdings immer nach Beendigung der Installation durch Messungen überprüft werden.
Manche technische Neuerung beschert uns auch durch ihre technischen Eigenschaften geringere Feldstärken: z.B. die neuen Flachbildschirme für Computer. Sie brauchen weniger Energie und emittieren geringere Strahlung – so gibt es finanzielle und gesundheitliche Vorteile. (IW)
KATALYSE Nachrichten Nr. 35 1/02
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Ob ein Warngerät, das optische und akustische Signale bei erhöhten Feldstärken abgibt (VDInachrichten 23.11.2001), vorübergehend die richtige Lösung ist? Vielleicht zumindest bis es genügend elektrosensible Menschen gibt, dass jeder einen kennt, der als Indikator fungieren kann. So wird das Thema Elektrosmog wohl zum Dauerbrenner.
Mehr Informationen und Hintergründe finden Sie in:

KATALYSE Institut (Hrsg.)
Elektrosmog – Grundlagen, Grenzwerte,
Verbraucherschutz

5., überarbeitete und erweiterte Auflage,
C. F. Müller Verlag, Heidelberg 2002,
255 Seiten, 27,80 EUR, ISBN 3-7880-7679-8
Aus dem KATALYSE Institut
Autor: oekoserve GmbH
3173 Aufrufe
Stand: 8. Oktober 2002
Erstellt: 6. Juni 2002
Inhaltsverzeichnis KATALYSE-Nachrichten 35: