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Köln, 06.06.2002: Seit Januar 2002 stehen die für die BSE-Tests beauftragten privaten Labors in Bayern, Baden- Württemberg und Rheinland- Pfalz in der Kritik. Unzureichende Kontrolle, nachlässige Sorgfalt und eigenmächtige Änderung der Testmethoden sowie Untersuchungen in Labors, die keine Genehmigung für BSE-Tests besitzen, so lauteten die Schlagzeilen.Obwohl die Labors ihr Know-how, die notwendige Ausstattung und qualifiziertes Personal im jeweiligen Bundesland nachweisen müssen, reichen diese Anforderungen offensichtlich nicht aus. Fast 60.000 Tests sind beanstandet worden, mit der Folge, dass 26.000 Rinder zurückgerufen und bisher 9.000 Tonnen bayerisches Rindfleisch vernichtet wurden.
Der Ruf wird laut nach einer Standardisierung und effektiven Kontrolle der
Am 17.Oktober 2001 wurde in Deutschland der 125 BSE-Fall gezählt. Bitte lesen Sie unter dem Stichwort "Bovine Spongioforme Enzephalopathie" weiter.BSE-Tests. In Bundesländern wie Berlin, Brandenburg oder Nordrhein-Westfalen werden die BSE-Tests fast ausschließlich in staatlichen Labors durchgeführt. Ob dort die Sorgfalt und die Ergebnisse besser sind, ist allerdings nicht bekannt, doch stehen die staatlichen Labors nicht unter wirtschaftlichen Erfolgszwängen und gerade hier kann eine Ursache für den erneuten Skandal lokalisiert werden.
Dem privaten Testlabor Milan in Passau (Bayern) droht jetzt sogar die Schließung. Von den etwa 700.000 Tests im Jahr 2001 in Bayern führte allein Milan rund 300.000 durch, fast 40.000 Tests wurden in der nicht zugelassenen Zweigstelle in Westheim analysiert. In Wertheim sollen beispielsweise 30 zuerst positiv und anschließend negativ getestete Proben nicht den Behörden gemeldet worden sein. Mehr als 131 Proben seien trotz mangelhafter Tests als negativ deklariert worden. 90 BSE-Proben seien überhaupt nicht untersucht worden. Die illegalen BSE-Tests des Westheimer Labors waren zwar schon am 10. Dezember 2001 bekannt, aber bis Ende Januar 2002 reagierte weder die Bezirks- noch die Staatsregierung. Der Betrieb des Westheimer Labors wurde inzwischen von der Bezirksregierung in Mittelfranken untersagt. Man rechnet damit, dass etwa 270 nicht ordnungsgemäß auf BSE getestete Rinder allein aus Bayern in den Handel gekommen sind. Jedes Rind, das älter als 24 Monate ist, muss getestet werden. So kommen schnell rund drei Millionen BSE-Tests bundesweit zusammen.
Bei einem durchschnittlichen Preis von 30 Euro je BSE-Test bedeutet das bundesweit einen jährlichen Umsatz von rund 90 Millionen Euro, den sich inzwischen unzählige Labors teilen. Die Europäische Union hat insgesamt drei Verfahren als BSE-Schnelltest zugelassen. Zwei werden in Deutschland eingesetzt. Die Test-Verfahren reagieren auf Antikörper, die im Körper der Rinder durch den Erreger gebildet werden. Beide Tests können BSE frühestens sechs Monate vor Auftreten von Krankheitssymptomen beim Rind nachweisen. Aufgrund der langen Inkubationszeit (vier bis sechs Jahre) sind BSE-Tests an jungen Tieren wenig sinnvoll. Die lange Inkubationszeit bedeutet, dass die meisten Rinder getötet werden, bevor man BSE nachweisen kann. Da junge Rinder nicht getestet werden, kommt ca. 60 bis 70 Prozent des Rindfleisches ohne BSE-Test in den Handel. BSE-Tests können daher, auch wenn sie sach- und fachgerecht durchgeführt werden, keine 100prozentige Sicherheit bieten.
Auch Bundesministerin Künast hat erkannt, dass es Lücken im System gibt, dort wo die BSE-Labors unter Zeit- und Preisdruck stehen, denn die Hälfte der 30 Euro pro BSE-Test muss schon für die Beschaffung der notwendigen Analysematerialien investiert werden. So lohnt sich das Geschäft nur, wenn die privaten Labors möglichst viele Untersuchungen durchführen.
Ernährung und
Oberbegriff für gewerblichen Pflanzenanbau und Tierhaltung. Landwirtschaft Das Bundesverbarucherministerium (BMVEL) will nun die Arbeit der Labors verbessern und kontrollieren, eine Task Force- Arbeitsgruppe wurde eingerichtet und allgemein gültige Leitlinien vorgelegt. Nach Angaben des BMVEL wurden im vergangenen Jahr über 2.856.000 Rinder getestet, davon waren 125 positiv. Am Ende bleibt eines jedoch sicher: die Auszeichnung BSE-getestet heißt noch lange nicht BSE-frei!
Zu guter Letzt berichtete Der Spiegel über die Unregelmäßigkeiten bei der zentralen Tierdatenbank HIT, die im September 1999 auf EU-Beschluss eingeführt worden war. Mit der Datenbank sollen zur Vorbeugung gegen BSE die Daten aller Rinder in Deutschland an die HIT in München gemeldet werden, um den Lebensweg jedes Tieres von der Geburt bis zur Schlachtung verfolgen zu können. Bisher jedoch funktionieren weder Erfassung und Auswertung noch die Kontrolle der Betriebe und die Datenbank weist gravierende Löcher auf. So tauchten in Thüringen allein bei einem einzigen Viehhändler innerhalb von 30 Monaten über 8.000 Tiere auf, die nicht ordnungsgemäß mit Ohrmarken versehen worden waren. In Bayern waren Tiere auf anderen Höfen gemeldet als angegeben; manche Rinder waren laut Computerauskunft bereits geschlachtet worden, obwohl sie noch lebten. Bei einem Kontrollbesuch stellten EU-Prüfer zudem fest, dass mehr als 50 Tiere des Stalls überhaupt keine Marken hatten.
(FW)
Nach Schätzungen hat BSE bisher die deutsche
Die Gesamtheit aller ökonomischen Austauschbeziehungen und Verflechtungen zwischen den verschiedenen Einzelwirtschaften (private Haushalte, Unternehmen, Staat), die innerhalb eines politisch, demographisch und geographisch abgegrenztes Gebiets meist in einheitlicher Währung integriert werden.Volkswirtschaft rund 1,5 Milliarden Euro gekostet. Viel Geld fließt jetzt in BSEForschung: die Bundesregierung gibt 13,8 Mio. Euro aus, die Europäische Union steuert noch einmal 12,8 Mio. Euro bei. Hinzu kommen die Forschungsgelder der Länder, der Deutschen Forschungsgemeinschaft und anderer Einrichtungen. Meldungen, dass Göttinger Forscher einen BSE-Test für lebende Rinder entwickelt haben, der einen sicheren Nachweis der Erkrankung erlaubt, haben sich als vorschnelle Ankündigung herausgestellt. Zusammen mit dem Kalifornischen Unternehmen Chronix Biomedical ist es gelungen, die veränderten Nukleinsäuren im Blutserum infizierter Tiere nachzuweisen. Web-Tipp: Das Bundesforschungsministerium hat ein Forum zu TSE-Krankheiten wie Scrapie, BSE und Creutzfeld-Jakob-Krankheit eingerichtet und ist im Internet unter www.tse-forum.de erreichbar.
Für weitere Fragen zum Thema BSE steht Ihnen die Verbraucherberatung des
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