Umweltjournal.de | Artikel Nr.: 605

Verdrehtes Wasser - Was man mit Wasser alles machen kann

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Man kann es trinken, darin baden, es verschwenden, im Haushalt „verbessern“, verschmutzen und – verdrehen. Das jedenfalls verspricht ein Hersteller, ansässig in der Schweiz. So genannte Tachyonen, Teilchen, die schneller sind als das Licht, verwandeln „linksdrehendes“, schädliches Wasser in „rechtsdrehendes“, das für den Organismus gut sein soll.

Dass Wasser eine bestimmte Drehrichtung braucht, um optimal zu funktionieren, wäre eine ganz neue Erkenntnis, die das Gesundheitssystem revolutionieren könnte (und die Biochemie dazu). Andere Anbieter wollen das Wasser vitalisieren (heißt auf deutsch lebendig machen), weil es nach der Aufbereitung im Wasserwerk gestorben ist, oder levitieren (heißt auf deutsch etwa anheben), weil es etwas schlapp geworden ist.

Es ist schon kurios, wie manche Anbieter versuchen, mit Wasser Geld zu machen. Zuerst wird immer auf die Gesundheit abgezielt, so als wäre unser Trinkwasser ansich gesundheitsschädlich. Da werden einerseits schädliche Strahlen mit obskuren Geräten abgewehrt, andererseits Strahlen auf das Wasser losgelassen, die das Wasser wieder genießbar machen. Von nicht näher genannten Wissenschaftlern und deren bahnbrechenden Forschungsergebnissen ist die Rede, von großartigen Heilungserfolgen oder deutlich verbessertem Wohlbefinden nach – langem, versteht sich – Gebrauch dieses aufbereiteten Lebenselixiers. So genannte Energiescheiben (aus Kupfer) werten das Wasser energetisch auf, weil ein bestimmtes Motiv in die Scheibe eingeprägt wurde. Von Wasser-Veredelung ist die Rede, von „Wasseraktivatoren“, die „Schadstoffinformationen“ aus dem Wasser löschen.

Mit Sauerstoff angereichertes Wasser soll dem Wohlbefinden und der Gesundheitsverbesserung dienen („Sauerstoffwasser als Jungbrunnen“, „Sauerstoff ist Powerstoff“). Ein Biophotonen-Vitalisierungsbad wird hergestellt, indem man ein spezielles Badesalz mit vielen energetisierenden „Boviseinheiten“ (Rindvieheinheiten?) verwendet. Ein informiertes Quarzmehl mit wird in verschlossenen Behältnissen angewendet, um u.a. das Wasser zu reinigen. Das ist besonders preiswert, weil es sich nicht verbraucht; somit hat man ein ganzes Leben lang etwas davon und kann es sogar vererben.

In einem Prospekt steht ein Zitat von Louis Pasteur (er lebte von 1822 bis 1895): „Wir trinken 90% unserer Krankheiten“. Zu Zeiten von Pasteur war das wahrscheinlich richtig, denn die moderne Hygiene und erst recht die Erkenntnisse der Mikrobiologie waren noch weitgehend unbekannt. Große Epidemien wie Typhus und Cholera hingen mit verunreinigtem Wasser zusammen. Das ist in keiner Weise auf unsere heutigen Verhältnisse zu übertragen. Dennoch wird behauptet, unser Wasser macht uns krank.

Besonders interessante Varianten des verbesserten Wassers sind Süd- und Nordpolwasser. Südpolwasser wendet man an bei degenerativen Prozessen und Nordpolwasser bei Infektionen, entzündlichen Prozessen, psyochosomatischen Störungen, Allergien und Geschwulstbildung an. Auch Topfblumen gedeihen angeblich besser, wenn sie mit Südpolwasser gegossen werden. Das alles bewirkt ein Magnet. Es ist natürlich ein Spezialmagnet, der stärker ist als ein gewöhnlicher, und er kostet über 100 DM mit Schatulle.

Spätestens hier ist die Grenze des Erträglichen erreicht, wenn behauptet wird, speziell behandeltes Wasser kann Krankheiten heilen. Von den Preisen für solche Gerätschaften einmal ganz abgesehen.

Was man über Wasser wirklich weiß
Unzweifelhaft ist Wasser das wichtigste Lebensmittel, dieser viel strapazierte Slogan stimmt. Ohne Wasser funktioniert kein Lebewesen, da die Vorgänge im Organismus (Chemie und Physik) auf den Lösungseigenschaften des Wassers beruhen. Wasser ist physikalisch gesehen ein Dipol, was bedeutet, dass elektrische Ladungen bei den Lösungsvorgängen beteiligt sind. Ohne Lösungsvorgänge kann kein Stoffwechsel stattfinden. Fehlt Wasser in den Zellen und im gesamten Organismus, kommt der Stoffwechsel zum Erliegen, weil die aufgenommenen Nährstoffe nicht verarbeitet werden können. Das Gehirn bekommt keinen Sauerstoff mehr, Hormone können ihre Übermittlungsfunktion nicht mehr ausüben und die Organe werden nicht mehr mit Energie versorgt. Natürliches, normales Wasser enthält gelöste Salze, die in ihrer Zusammensetzung sehr unterschiedlich sind, weil die geologischen Voraussetzungen überall anders sind.

Es ist nicht leicht für den Laien, tatsächlich wirksame Geräte von unsinnigen und oft zudem teuren Utensilien zu unterscheiden. Die häufig auch im Fachhandel angebotenen Magneten und elektrischen Geräte, die im Prinzip auch auf magnetischer Basis arbeiten, sind hinsichtlich ihrer Wirksamkeit geprüft. Sie sind aber lediglich für die Hausleitungs-Wasserrohre bestimmt, wo sie bewirken, dass der im Wasser enthaltene Kalk sich weniger an den Rohrwandungen ablagert. Diese Verfahren werden üblicherweise physikalische Wasserbehandlung genannt*. Würde man diese Geräte am Körper tragen, könnte wohl kaum der gleiche Effekt erzielt werden.

Was möglicherweise sein kann
Vielleicht gibt es irgendwann neue Erkenntnisse zu Wirkungsmechanismen, die wir heute nicht verstehen, die aber in einigen Jahren oder Jahrzehnten verstanden werden können. Man weiß, dass Homöopathie funktioniert, auch wenn man die Wirkungsweise nicht genau erklären kann. Auch die magnetische Wirkung zur Verhinderung von Verkalkung ist lange als Scharlatanerie abgetan worden, inzwischen kennt man die Wirkung, auch wenn man sie nicht befriedigend erklären kann. Kürzlich wurde berichtet, dass zu viel Eisen für den Körper schädlich sein kann, weil die Infektionsanfälligkeit dadurch erhöht wird. Bisher ist man immer davon ausgegangen, dass nur Eisenmangel ein Problem sein kann.

Dass allerdings durch Magneten gedrehtes oder nord- und südgepoltes Wasser Gesundheitsprobleme löst, ist wenig wahrscheinlich. Man fragt sich unwillkürlich, wie denn unsere Vorfahren mit dem natürlichen Wasser überlebt haben. In den meisten Fällen kann man wohl sagen: Quacksalberei und der dazugehörige Glaube versetzen Berge, oder hebt das Wohlbefinden. Auch Weihwassser erfüllt seinen Zweck – individuell nach den Wünschen und Bedürfnissen des Anwenders. (IW)
Autor: KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung
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Stand: 10. Oktober 2002
Erstellt: 22. Oktober 2001
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