Umweltjournal.de | Artikel Nr.: 621

Die 3-Klassen-Gesellschaft: Mehr Durchblick im Öko-Kennzeichen-Dschungel

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Deutschland hat im Vergleich zu seinen Nachbarländern Schweiz und Österreich, zumindest was die Quantität des Angebotes an Bio- oder Öko-Lebensmitteln angeht, noch immer starken Aufholbedarf. Die Nachfrage nach Öko-Produkten steigt stetig an, sodass auch größere Supermarktketten immer häufiger Öko-Alternativen zu dem herkömmlichen konventionellen Lebensmittelangebot anbieten, die sonst nur in spezialisierten Naturkostläden erhältlich waren.

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Dies ist erfreulich - jedoch resultiert dadurch der reinste „Öko-Kennzeichen-Dschungel“ auf Lebensmitteln jeglicher Art. Schätzungen gehen heute von über 120 verschiedenen Öko-Kennzeichnungen aus. So läßt sich unter den gekennzeichneten Produkten oft die „Spreu vom Weizen nicht trennen“, weil Informationen und Fachberatungen, zumindest in Supermärkten, gänzlich fehlen. Der Kunde steht mit der Verpackung allein gelassen vor einer Art „Glaubensfrage“, wenn es darum geht, ob auch wirklich „Öko“ drin steckt, nur weil „Öko“, „Bio“ oder „Natur“ drauf steht.

Anteil der Öko-Landbaubetriebe im Vergleich zu konventionellen Bauernhöfen
Der Anteil der nach ökologischen Prinzipien wirtschaftenden Betriebe liegt heute in der Schweiz bei rund 10 Prozent. 2/3 aller Ökobetriebe liegen davon in Bergregionen, sodass z.B. im Kanton Graubünden die Ökobetriebe sogar fast 43 Prozent ausmachen (Toralf Richter: „Schweizer Biomarkt 2000“ im Internet unter www.soel.de). In Österreich beläuft sich der Anteil der Ökobetriebe auf 8,5 Prozent (in einigen Regionen 12 Prozent). Auch hierzulande hat sich nach der BSE- und MKS-Krise einiges bewegt. Ende 1999 wirtschafteten in Deutschland 2,4 Prozent der Betriebe ökologisch. Schon Ende 2000 lag der Anteil der deutschen Ökohöfe bei 3,2 Prozent, was einem Zuwachs um 22 Prozent in einem Jahr entspricht – Tendenz weiter steigend. Aktuell werden in Deutschland ca. 550.000 Hektar (ha) nach EU-Maßstäben des ökologischen Landbaus bewirtschaftet. Erklärtes Ziel des Bundesverbraucherministeriums ist es, bis 2010 den Anteil des ökologischen Landbaus auf 20 Prozent zu steigern (Quelle: Bundesverbraucherministerium, Pressemitteilung vom 5. September 2001).

Zum Hintergrund
Über 90 Prozent der Biohöfe sind in einem der ökologischen Anbauverbände organisiert. Diese Anbauverbände sind unter dem Dach der 1988 gegründeten „Arbeitsgemeinschaft ökologischer Landbau“ (AGÖL e.V.) verbandsübergreifend zusammengeschlossen. Die AGÖL vertritt einerseits die politischen Interessen der Bio-Betriebe in Deutschland. Anderseits leistet sie in Zusammenarbeit mit den angeschlossenen Verbänden und deren qualifiziertem Beratungspersonal wichtige Hilfestellung und Unterstützung bei Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung. Jeder einzelne Verband sorgt darüber hinaus mit seinen Richtlinien dafür, dass der Qualitäts-Standard für Öko-Produkte hochgehalten wird und kennzeichnet seine Produkte mit eigenen Markenzeichen. Die Verbände lassen ihre Mitgliedsbetriebe von unabhängigen Kontrollstellen regelmäßig überprüfen und deren Produkte aus „kontrolliert biologischem Anbau“ mit einer entsprechenden EU-Kontrollnummer auszeichnen. Nur wer die Richtlinien einhält, darf seine Produkte mit den entsprechenden Markenzeichen der Verbände und der EU-Kontrollnummer kennzeichnen.

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Autor: KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung
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Stand: 10. Oktober 2002
Erstellt: 22. Oktober 2001
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