Umweltjournal.de | Artikel Nr.: 627

Agrarwende - für mehr Verbraucherschutz, bessere Ernährung und nachhaltigere Landwirtschaft

$SpezialLogo$

$Webvideo$

Grundlegende Veränderungen, wie sie die Agrarwende vorsieht, erfordern einen langen Atem. Was über lange Jahre gewachsen ist, lässt sich weder von heute auf morgen neu formen, noch sind die Veränderungen im Alleingang zu bewerkstelligen.
Der ständige Kontakt mit verschiedenen Organisationen und Verbänden ist daher unverzichtbar. Von Anfang an habe ich daher alle wichtigen Akteure der gesamten Lebensmittelkette an einen Tisch geholt: Verbraucherinnen und Verbraucher, Futtermittelwirtschaft, Landwirte, Ernährungsgewerbe, Lebensmittelhandel und die politisch Verantwortlichen. Diese Akteure schießen auch die Umweltverbände sowie die Landfrauen und Jugendverbände ein. Von diesen Seiten kommen wichtige Hinweise, die die Agrarwende unterstützen und bei der Umsetzung helfen. Letztlich hängt es von der Bereitschaft und dem Willen aller Beteiligten ab, eine Linie zu finden, mit der die neue Verbraucherschutz- und Agrarpolitik erfolgreich und dauerhaft umgesetzt werden kann.

Fundamente für Agrarwende sind gelegt
Wichtige Entscheidungen, mit denen Fundamente der neuen Agrarpolitik gelegt wurden, sind schon gefallen. Beispiele dafür sind:
  • Auf meine Initiative hin wurden beim wichtigsten nationalen Förderinstrument, der „Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“, die Förderkriterien geändert. Folgende Kriterien haben an Bedeutung gewonnen: ökologische Wirtschaftsweise, artgerechte Tierhaltung, Bindung der Tierhaltung an die Fläche, Entlastung der Umwelt.
  • Ab 2003 wird in Deutschland die Modulation eingeführt. Das heißt, dass die EU-Direktzahlungen an die Landwirte gekürzt, mit nationalen Mitteln aufgestockt und in die Unterstützung vornehmlich von Umweltprogrammen fließen werden. Dies kommt dem ländlichen Raum insgesamt zugute.
  • Unverzichtbarer Bestandteil der Agrarwende ist die Schaffung von Orientierungshilfen für die Verbraucher beim Einkauf. Eine klare und leicht verständliche Kennzeichnung ist das A und O, um Wahlfreiheit der Verbraucherinnen und Verbraucher zu ermöglichen. Eine Irreführung, wie beispielsweise bei Eierpackungen, auf denen glückliche Hühner im Gras scharren, die aber nur Eier aus Käfighaltung enthalten, darf nicht sein. Deshalb haben wir uns in Brüssel für eine eindeutige Kennzeichnung stark gemacht. Diese neuen Vorschriften zur Kennzeichnung der Eier mit Haltungsformen gelten in der EU ab 2004. Die Bundesregierung will die Kennzeichnung der Haltungsform und der Herkunft der Eier auf freiwilliger Basis früher in Deutschland einführen. Weitere Verbesserungen bei der Lebensmittelkennzeichnung, z.B. von loser Ware, werden folgen.
  • Eine bessere Orientierungshilfe beim Einkauf wird auch das Ökosiegel bringen, das wir auf den Weg gebracht haben. Es wird bald auf allen Ökoprodukten zu finden sein. Wer Öko kaufen will, soll diese Ware schnell und einfach erkennen können. Der Lebensmittelhandel ist eingebunden, so dass mit dem Ökosiegel zugleich der Weg für Ökoprodukte in die Supermärkte geebnet ist. Dies ist ein entscheidender Schritt zu höherem Ökoabsatz.
    Auch bei konventionellen Produkten ist ein Qualitätssiegel in Vorbereitung.
  • Die Verordnung zum Ausstieg aus der Käfighaltung ist ein weiterer Baustein der Agrarwende. Wenn die Länder mitmachen, wird es keine neuen Käfighaltungen in Deutschland mehr geben und für bestehende Anlagen werden die Restlaufzeiten drastisch verkürzt.

Einkaufsverhalten der Verbraucher entscheidend für Angebot
Die Verbraucherinnen und Verbraucher tragen Mitverantwortung für das Gelingen der Agrarwende. Sie können mit dem Einkaufskorb ein entscheidendes Wort mitreden, welche Methoden in der Herstellung unserer Lebensmittel angewandt werden und inwieweit die Erzeugnisse aus artgerechter Tierhaltung bzw. nachhaltiger Landbewirtschaftung stammen. Die gestiegene Nachfrage nach Ökoprodukten zeigt bereits Wirkung. Große Lebensmittelketten und Supermärkte nehmen Ökoware in ihr Sortiment. Dies ist ein großer Erfolg. Die Landwirte werden sich auf die steigende Nachfrage einstellen. Eine wachsende Zahl von Betrieben zeigt Interesse an der Umstellung von konventioneller auf ökologische Landwirtschaft. Auch dies ist ein großer Erfolg. Mein Ziel ist: 20 Prozent Ökoproduktion in 10 Jahren.

Natürlich müssen die Verbraucherinnen und Verbraucher bereit sein, über ihr Ernährungsverhalten nachzudenken. Ein wichtiges Anliegen ist mir die umfassende Information und Aufklärung über Ernährung, angefangen vom Kindergarten über Kinder und Jugendliche in der Schule, bis hin zu den Erwachsenen. Ich habe deshalb eine Wanderausstellung „Vollwertig Essen und Trinken“, einen Malwettbewerb „Wie sehen Kinder gesunde Ernährung?“ auf den Weg gebracht und werde die wichtige Obst- und Gemüsekampagne „5 am Tag“ nochmals finanziell unterstützen. Wichtig ist mir auch die Weiterführung des europäischen Schülerwettbewerbs „Food for Youngsters“.
Ein Sprichwort sagt: Der Mensch ist, was er isst. Ziel sollte eine gesunde, mit Genuss verbundene Ernährung sein, die auf Produkte einer umweltverträglichen und artgerechten Landwirtschaft zurückgreift. Wir sind dabei, mit der Agrarwende die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen. Die Verbraucherinnen und Verbraucher können mit bewusstem Einkauf diesen Weg unterstützen.

Renate Künast, Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft

Weitere Informationen:
www.verbraucherministerium.de

}<<Zurück
Autor: KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung
1059 Aufrufe
Stand: 10. Oktober 2002
Erstellt: 22. Oktober 2001
Inhaltsverzeichnis KATALYSE-Nachrichten 34: