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Umweltjournal.de | Artikel Nr.: 730

Die Latex-Allergie, eine Problematik der Normalbevölkerung?

Allergien nehmen in den letzten Jahrzehnten deutlich zu, vornehmlich in den entwickelten und technisierten Ländern. Erbliche Ursachen spielen dafür eine bedeutende Rolle, aber auch Zivilisationsfaktoren wie Wohn-, Arbeits- und Ernährungsgewohnheiten sowie ein geändertes Berufs- und Freizeitverhalten. Schließlich trägt leider auch der medizinische Fortschritt zur Verbreitung von Allergien bei. Dies gilt insbesondere für die sogenannte Latex-Allergie.

Naturlatex ist der Name für den Milchsaft vieler Pflanzen, von denen der für die industrielle Gummiproduktion bedeutendste Lieferant dieses Naturproduktes der Gummibaum (Hevea brasiliensis, ein Wolfsmilchgewächs) ist. Der aus Hevea brasiliensis gezapfte Naturlatex ist als Naturprodukt in seiner Zusammensetzung nicht konstant, sondern besteht (abhängig von Umwelt- und Standortfaktoren) zu ca. 50-60 % aus einem wässrigen Anteil (Serum), zu ca. 30-40 % aus dem Kautschuk und zu ca. 5-8 % aus Nichtkautschukbestandteilen (Fette, Eiweiße, Mineralien und Harze).
Das Wort "Kautschuk" ist übrigens ursprünglich aus einer Indianersprache entlehnt ("caa-o-chu" = weinender Baum) und bezeichnet die Eigenschaft der Pflanze, nach dem Anschneiden der Rinde bis in die Bastschicht, den Milchsaft abzugeben.

Es gibt vier Allergie-Typen, von denen die Typ-I-Allergie (Soforttyp) und die Typ-IV-Allergie (Spättyp) hier als wichtigste genannt werden, da diese beiden Formen gegen Gummiprodukte auftreten.
Die Typ-I-Allergie betrifft vor allem sogenannte Atopiker, Menschen mit der familiär meist gehäuft auftretenden, angeborenen Neigung zu Ekzemerkrankungen; Heuschnupfen und Asthma gehören zu dieser Gruppe. Aber auch Beschäftigte im Gesundheitswesen und Menschen, die in der Kindheit häufig operiert wurden und dabei mit naturlatexhaltigem Material in engen Kontakt kamen (selbst ohne nachweisbare familiäre Belastung), können im Laufe ihres Lebens gegen Naturgummiprodukte eine Allergie entwickeln, und bei wiederholtem Kontakt Krankheitssymptome an Haut und Schleimhäuten des Körpers zeigen. Davon abgegrenzt wird das Kontaktekzem der Haut, die Ausprägung der Typ-IV-Allergie gegen die dem Kautschuk bei der Produktion zugesetzten Chemikalien und Hilfsstoffe.
Seit etwa 60 Jahren sind in der Medizin solche allergischen Reaktionen auf Gummiprodukte bekannt, in den letzten 10 Jahren wird jedoch allgemein vor allem von einer massiven Zunahme der Typ-I-Allergie in der medizinischen Fachpresse berichtet. Diese Form ist auch die einzige potenziell lebensbedrohliche. Patienten, die von dieser Erkrankung betroffen sind, haben häufig auch schlechte Erfahrungen mit Ärzten und Zahnärzten gemacht, die dieses Problem nicht erkannten oder in seiner Bedeutung unterschätzten. So wurden, wie in vielen anderen Ländern, auch in Deutschland Selbsthilfegruppen gegründet, die als Ziele haben, die Information von Fachleuten und Laien zu verbessern und konkrete Hilfestellungen für den Umgang mit der Krankheit und zur Vermeidung des Kontaktes mit dem inzwischen in unserer Umwelt praktisch allgegenwärtigen Naturlatex zu geben.
Die Typ-I-Allergie gegen Latex richtet sich gegen eine Vielzahl von Eiweißen, die natürlicherweise im Naturlatex vorkommen. In den letzten 5 Jahren sind diese Eiweiße in ihrer Struktur praktisch vollständig von der Wissenschaft bestimmt worden. Damit wurde die Grundlage für die Diagnostik auf der einen und für die Vermeidung der Allergene in Naturgummiprodukten auf der anderen Seite gelegt.

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Autor: KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung

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Stand: 4. Dezember 2001
Erstellt: 16. Februar 2001