Umweltjournal.de | Artikel Nr.: 751

Vom Landwirt zum Energie- und Abfallwirt?

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Fazit:
In der Vergangenheit war die meist mangelhafte Wirtschaftlichkeit von Biogasanlagen das größte Hemmnis bei der Verbreitung der Biogastechnologie in der Landwirtschaft. Erst durch aktuelle Fördermaßnahmen der Bundesregierung (u.a. das seit dem am 1. April 2000 geltenden Erneuerbare-Energien-Gesetz) wurden die Rahmenbedingungen für den Betrieb bestehender Anlagen und die Planung und Realisierung neuer Anlagen grundlegend verbessert. Seit dem Start des Förderprogramms im September 1999 sind für Biogasanlagen beträchtliche Fördermittel zur Verfügung gestellt worden, die zu einer spürbaren Zunahme an Bau- und Planungsaktivitäten für landwirtschaftliche Biogasanlagen geführt haben. Allerdings hält in NRW der Anteil an neu errichteten Anlagen nicht Schritt mit vergleichbaren Bundesländern wie Baden-Württemberg oder Bayern.
Den Möglichkeiten der umweltschonenden Energiegewinnung aus erneuerbaren Ressourcen stehen Bedenken bezüglich der Umweltverträglichkeit gegenüber, vor allem bei der Verwertung von Kofermenten in landwirtschaftlichen Biogasanlagen. So werden seit einigen Jahren die Vor- und Nachteile der Nutzung und Eignung verschiedener organischer Rest- und Abfallstoffe als Kofermente diskutiert.

Neben der gesetzeskonformen und stofflichen Eignung stellt sich insbesondere die Frage, ob die Mitvergärung von organischen Abfällen unter ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten sinnvoll ist. So können durch die Kofermentation Stör- und Schadstoffe sowie Krankheitserreger in den Biogasprozess und anschließend auf die pflanzenbaulich genutzten Flächen gelangen. Dies gilt in besonderem Maße für Kofermentationsanlagen in tierhaltenden Betrieben, da hier hinsichtlich der Hygiene- und Seuchenproblematik besondere Sorgfalt geübt werden muss. Der Schutz von Mensch, Tier und Umwelt muss aber auch unter den veränderten Verwertungsmöglichkeiten organischer Abfälle gewahrt werden. Bis heute konnten jedoch bei Einhaltung der erforderlichen hygienischen Maßnahmen und der Verwendung von nachweislich unbedenklichen Kofermenten keine negativen Auswirkungen für die Umwelt und Gesundheit ermittelt werden.
Unbestritten hingegen sind die Vorteile auf Seiten der Energiebilanz und die positiven Effekte für den Klimaschutz: diffuse klimawirksame Methan- und Ammoniak-Emissionen aus tierischen Exkrementen werden deutlich reduziert, und durch die Verstromung und energetische Verwertung des Biogases können beträchtliche Mengen fossiler Brennstoffe ersetzt werden. Außerdem wird durch die Fermentation die Geruchsproblematik von frischer Gülle weitestgehend entschärft. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass die Nährstoffe der behandelten Gülle besser pflanzenverfügbar sind als die von Frischgülle, wodurch bei gleichen Erträgen Mineraldünger eingespart werden kann.

Bei genauer wirtschaftlicher Kalkulation, der Einhaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen und der Auswahl geeigneter und langfristig verfügbarer Kofermente trägt der Betrieb einer landwirtschaftlichen Biogasanlagen durch Nutzung einer erneuerbaren Energiequelle dazu bei, klimawirksame Gase zu reduzieren, fossile Brennstoffe zu ersetzen und die Umwelt zu schonen. Und den, in Zeiten von BSE arg gebeutelten, Landwirten erschließt sich eine bei genauer wirtschaftlicher Kalkulation attraktive neue Einnahmequelle - als Energiewirt. Die Nutzung von Biogas in der Landwirtschaft stellt somit einen kleinen aber wichtigen Baustein bei der Wende hin zu erneuerbaren Energiequellen dar. (FW, ME)

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Autor: KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung
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Stand: 11. Oktober 2002
Erstellt: 16. Februar 2001
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