Umweltjournal.de | Artikel Nr.: 3253

Acrylamid in Lebensmittel - Nicht nur diskutieren, sondern handeln!

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{b1l}Köln, 21.06.2002: Zu den Konsultation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in der kommenden Woche (25. bis 27. Juni 2002) bezüglich der gesundheitlichen Risiken von Acrylamid in Lebensmitteln erklärt das KATALYSE Institut:

Ende April 2002 hat die schwedische Lebensmittelbehörde Untersuchungsergebnisse zu hohen Konzentrationen der im Tierversuch krebserregenden und erbgutschädigenden Substanz Acrylamid in Lebensmitteln veröffentlicht. Bereits vor über zwei Jahren hatten schwedische Wissenschaftler auf das Krebsrisiko von Acrylamid in Lebensmitteln in einer anerkannten Fachzeitschrift hingewiesen.

Aktuell wurden z.B. Acrylamid-Konzentrationen von 2.300 µg/kg in Kartoffelchips, 1900 µg/kg in Knäckebrot und 1.100 µg/kg im Pommes frites. Betroffen sind Lebensmitteln, die in „trocknen“ Erhitzungsmethoden mit über 100 °C, wie beim Backen, Grillen, Braten, Fritieren zubereitet werden. Wenig oder kein Acrylamid findet in Lebensmitteln, die in Wasser gekocht wurden.

Acrylamid ruft im Tierversuch Mutationen und genotoxische Effekte hervor. Tierversuche haben auch gezeigt, dass Acrylamid krebserzeugend wirkt und die Häufigkeit von Tumoren in verschiedenen Organen erhöht. Die WHO empfiehlt daher eine tägliche Höchstmenge von 1 µg Arcylamid nicht zu überschreiten. Hinsichtlich der Ernährungsgewohnheiten von Kindern als Pommes- und Chipskonsumenten wird diese Empfehlung leicht um das Zehnfache überschritten.

Das KATALYSE Institut kritisiert
  • dass die Datenlage für Deutschland unbefriedigend ist, da keine systematischen Untersuchungsergebnisse zu Acrylamid vorliegen, obwohl die Ergebnisse aus Schweden seit langem bekannt sind. In der Schweiz und Großbritannien wurden inzwischen eigene Daten vorgelegt.
  • während wegen der Nitrofen-Rückstände Tausende von Tieren getötet und viele Höfe geschlossen wurden, sind Maßnahmen zu Acrylamid Fehlanzeige: Deutsche Behören haben nicht ein einziges Lebensmittel auf Acrylamid untersucht, da kein staatliches Labor bisher entsprechende Messmethoden etabliert hat.
  • die Konstruktion von Fallbeispielen (extreme und geringe Aufnahme von Acrylamid), wie sie das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) veröffentlicht. Diese Darstellung ist für die Verbraucher nicht nachvollziehbar und im Sinne einer aufklärenden Risikokommunikation wenig geeignet, sach- und fachgerecht zu informieren. Die Fallbeispiele tragen vielmehr zur ohnehin herrschenden Verunsicherung im Lebensmittelbereich bei.
Das KATALYSE Institut fordert
  • dringend ein Montoring des gesamten Lebensmittelsortiments auf Acrylamid-Belastungen vorzunehmen sowie die Mechanismen der Acrylamid-Bildung aufzuklären. Hierzu ist dringend ein Forschungsprogramm in Gang zu setzen.
  • Kurzfristig, technologische Maßnahmen in der Lebensmittelwirtschaft, Gastronomie, Gemeinschaftsverpflegung und privaten Haushalten zu treffen, um die Bildung von Acrylamid zu verhindern oder zumindest deutlich zu reduzieren.
  • Schnellstmöglich konkrete spezifische Verzehrsempfehlungen auf der Grundlage deutscher Lebensmitteldaten zu Acrylamid-Belastungen zu entwickeln. Dies gilt in ganz besonderer Weise für die Risikogruppen Kinder, ältere Menschen und Kranke.

Weitere Informationen:
KATALYSE Institut
Dr. Thomas Wardenbach - Pressereferent
Dipl. oec. troph. Frank Waskow - Ernährungswissenschaftler
Fon 0221-9440480
Fax 0221-9440489
info@katalyse.de
Autor: KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung
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Stand: 19. März 2003
Erstellt: 21. Juni 2002

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