Umweltjournal.de | Technik und Wissenschaft  | Artikel Nr.: 241

Die Erdölreserven: Ausblick





Die nächsten Jahre bis zum Erreichen des weltweiten Fördermaximums wird es wahrscheinlich noch eine Serie von heftigen Preisausschlägen nach oben und nach unten geben. Erst nach dem Überschreiten des Fördermaximums wird die Instabilität der Ölpreise wohl beendet sein.

Der Markt spiegelt dann die langfristigen Knappheiten wider. Das Ölpreis-Niveau wird deutlich höher sein als heute. Damit entsteht für Verbraucher und Investoren ein langfristiges Signal, und man wird versuchen, Öl systematisch durch andere Energieträger zu ersetzen. Wie schnell diese Anpassungsprozesse sein werden, und welchen Effekt sie auf das Preisniveau haben werden, ist im Detail nicht vorherzusagen. Wir glauben, daß die Einsparpotentiale sehr viel größer sind als man gemeinhin annimmt. Man denke nur an das Beispiel Auto. Es ist kaum mehr als eine Frage der Gewohnheit und der gesellschaftlichen Wertschätzung, ob man etwa große Autos durch kleine ersetzt. Der eigentliche Gebrauchsnutzen ist wenig beeinflußt.

Langfristig wird Öl als Energieträger immer weniger wichtig werden. Die Reichweite von Öl wird keine praktisch relevante Bedeutung mehr besitzen. Vermutlich wird man irgendwann aufhören, Öl in größerem Umfang zu fördern, so wie man auch in Deutschland dabei ist, mit der Kohleförderung aufzuhören, obwohl noch reichlich Kohle in der Erde liegt.

Es ist ganz wichtig, daß die Endlichkeit des Öls als ein aktuelles Problem wahrgenommen wird und nicht als eines, das man erst in einigen Jahrzehnten ernsthaft angehen muß. Erst dann kommt in die Köpfe, daß wir mit einem grundlegenden Umbau unserer Energieversorgung jetzt beginnen müssen, schnell beginnnen müssen, und daß es dazu keine Alternativen gibt.

Für uns erklären die geschilderten Zusammenhänge auch hinreichend, warum z.B. eine so große und mächtige Firma wie Shell eben nicht in Kernenergie, sondern zunehmend gleich in erneuerbare Energien investiert. Wir können gerade beobachten, wie einige der großen Öl- und Gaskonzerne dabei sind, die Weichen für eine regenerative Energiezukunft zu stellen. Man kann diesen Firmen nicht vorwerfen, daß sie die Öffentlichkeit nicht mit der Nase darauf stoßen, daß bald ein neues Spiel gespielt werden wird. Natürlich möchte man parallel dazu die zeitliche Lücke - bis die Erneuerbaren einen Großteil der Energieversorgung übernehmen können, das Ende der Verfügbarkeit von Erdöl aber bereits deutlich wird - durch einen kräftigen Beitrag des Erdgases nutzen. Die entsprechenden Investitionen sind schnell abgeschrieben, daher lohnt aus der Sicht der Firmen auch ein Engagement für relativ kurze Zeitspannen.

Die große gesellschaftliche Aufgabe, die gangbaren Alternativen zu finden und zu entwickeln, bedarf der Anstrengung aller. Wir brauchen möglichst viele Optionen im Bereich der Nutzung erneuerbarer Energieträger. Da wir ja wissen, daß dieser Weg unausweichlich ist, andererseits die Marktsignale uns noch einige Jahre in der Illusion wiegen, daß es nicht so sei, ist es eine Aufgabe der Politik, durch eine Besteuerung der fossilen Energien den Strukturwandel zu beschleunigen und weitere Investitionen in die Sackgassen zu verhindern. Doch auch den großen Umweltbewegungen kommt hier die wichtige Aufgabe zu, den Boden für die notwendige Politik zu bereiten.

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Autor: oekoserve GmbH
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Stand: 20. März 2003
Erstellt: 16. Dezember 2000
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