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Patente: "Finger weg von meinen Genen!"





Hamburg/München, 23.02.2002: Kunst der Renaissance gegen Patente auf Leben. Aus Protest gegen ein Patent auf ein menschliches Gen hat Greenpeace am Freitag vor dem Europäischen Patentamt (EPA) demonstriert.

{b1l}Auf einem zwölf mal sechs Meter großen Transparent forderte die Venus von Botticelli:

"Finger weg von meinen Genen!"

Botticellis Venus vor dem Europäischen Patentamt in München. Die Aktion richtete sich gegen die Erteilung des Patentes auf das so genannte Brustkrebs-Gen. Am Freitag lief die Einspruchsfrist gegen die Entscheidung des EPA ab. 20 Greenpeace-Aktivisten überbrachten einen Einspruch, den 1000 Personen unterstützen.

Bereits im Juni 2001 deckte Greenpeace auf, dass das EPA am 23. Mai der US-Firma Myriad Genetics Inc. das Patent mit der Nummer EP 0705903 erteilt hatte. Darin wird Rechtschutz für ein Gen erteilt, das im Zusammenhang mit Brustkrebs stehen soll. Mit Hilfe des Gens hätte man neue Diagnose- und Therapieformen entwickeln können. Allerdings sicherte sich Myriad mit dem Patent die alleinigen Nutzungsrechte an allen lukrativen Anwendungen des Gens. Folge: Die Firma behindert Forscher bei der Anwendung und Entwicklung besserer Verfahren zur Diagnose von Brustkrebs.

"Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Gene zum Spielball von Aktienhändlern und Patentanwälten werden", sagt Christoph Then, Greenpeace Gentechnik-Experte, in München. "Das Patentamt sichert dem Unternehmen sein Monopol, aber die Entwicklung einer verbesserten Krebs-Vorsorge für Frauen wird dadurch gebremst. Die Gesundheit der Menschen muss wichtiger sein als die Börsenkurse der Unternehmen." Greenpeace fordert, Patente auf Gene oder Lebewesen generell nicht zu ermöglichen.

"Die Gene von Pflanzen, Tieren und Menschen sind Allgemeingut", findet Then. "Der Zugang zu den gemeinsamen Lebensgrundlagen darf nicht durch Patente blockiert werden. Dies gilt für die Medizin, aber auch für die Landwirtschaft und die Nutzung der biologischen Vielfalt."

Protest gegen das Patent auf das Brustkrebsgen
Die Front der Gegner des umstrittenen EPA-Patents wächst. Für viele Verbände und Institutionen, unter anderen "Europa Donna" (ein europäischer Zusammenschluss von Brustkrebs-
patientinnen), die Deutsche Bundesärztekammer, das Europäische Parlament, europäische Gesellschaften für Humangenetik sowie die Präsidenten der Schweizerischen Krebsliga (SKL) und des Schweizerischen Institutes für angewandte Krebsforschung (SIAK), überwiegen die Nachteile des Rechtschutz auf das Gen.

Die nachteilige Wirkung von Patenten auf Gene war kürzlich Gegenstand einer wissenschaftlichen Untersuchung in den USA. Das Besorgnis erregende Resultat: Ein Viertel der Labors, die in den USA für die Studie befragt wurden, führt inzwischen viele diagnostische Gen-Tests nicht mehr durch, weil Firmen die Rechte an den eingesetzten Genen besitzen und überhöhte Lizenzgebühren dafür verlangen. Über die Hälfte der Labors stoppte zudem die Entwicklung von verbesserten Diagnoseverfahren.

In den nächsten Wochen wird der Bundestag eine wichtige Entscheidung zur Umsetzung der brisanten EU-Patentrichtlinie beraten, die Patente auf Gene und Lebewesen erstmals legitimieren würde. Greenpeace fordert die Abgeordneten auf, dem Beispiel des französischen Parlaments zu folgen, das im Januar Patente auf menschliche Gene ausdrücklich verbot.

Weitere Informationen zu Patenten auf Leben gibt es bei: www.greenpeace.de
Autor: Greenpeace e.V.
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Stand: 20. März 2003
Erstellt: 25. Februar 2002
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