Umweltjournal.de | Technik und Wissenschaft  | Artikel Nr.: 573

Erdgasgrundwissen: Erdgas und Energiewirtschaft





Energie ist ein Grundbedarfsmittel für private und wirtschaftliche Aktivitäten. Gleichzeitig muss eine zukunftsorientierte Energiepolitik den Klimaschutz verbessern und die Ausbreitung der Kohlendioxid-Emissionen verhindern.

Der Primärenergieverbrauch (Begriff s. Umweltlexikon bei "Energie") erreichte im Jahr 2000 knapp 484 Mio. Tonnen Steinkohleeinheiten (SKE). Tatsächlich ist der Primärenergieverbrauch im Vergleich zu 1991, dem ersten Jahr nach der Vereinigung, in Deutschland nicht gestiegen, obwohl das Bruttoinlandsprodukt, also die inländische Wirtschaft, um fast 19% zugelegt hat. Ein Lob an Verbraucher, Hersteller, Entwickler. Ein Blick auf die Energieträger:

Vergleiche 1950 1990 1991 2000
Mineralöl 5,2 160,6 188,3 186,9
Erdgas 0,1 68,6 82,1 102,1
Steingas 99,7 74,0 79,4 65,5
Braunkohle 20,7 32,1 84,5 52,6
Kernenergie - 47,2 44,5 63,1
Wasserkraft 6,2 4,8 4,4 2,7
Sonstige 3,6 4,9 5,4 10,7
Insgesamt 135,5 392,2 493,6 483,6

Gewinner Erdgas: Von 0,5 auf über 21% Marktanteil
Der Anteil der Energieträger am Primärenergieverbrauch

Vergleicht man die Entwicklung der einzelnen Energieträger, so haben Stein- und Braunkohle erheblich an Einfluss verloren. Ihr Marktanteil ging von 33,3% in 1991 auf heute 24,4% zurück. Erdöl ist mit 38,7% noch immer der wichtigste Energieträger, die Kurve zeigt in den letzten zwanzig Jahren jedoch deutlich nach unten. Erdgas ist der Gewinner und konnte seinen Anteil von 16,6% in 1991 auf über 21% ausbauen. Quelle: Arbeitsgemeinschaften Energiebilanzen.

Anteil % 1960 1990 1991 2000
Mineralöl 21,0 41,0 381 387
Erdgas 0,5 17,5 16,6 21,1
Steingas 60,7 18,8 16,1 13,5
Braunkohle 13,8 8,2 17,2 10,9
Kernenergie - 12,1 10,0 13,0
Wasserkraft 3,1 1,2 0,9 0,5
Sonstige 0,9 1,2 1,1 2,3
Insgesamt 100 100 100 100


Was spricht für den Energieträger Erdgas?
Es sind umweltpolitische und wirtschaftliche Gründe

Erdgas ist ein Naturprodukt und kommt als Primärenergie per Leitung zum Kunden – ohne Umwandlungsverluste, ohne Lieferzeiten (und auch ohne Belastung der öffentlichen Verkehrswege). Es verbrennt im Vergleich zu Kohle und Heizöl emissionsarm und schont damit die Umwelt (ein entscheidender Vorteil bei der Senkung der Klimabelastung).
Viele praktische Gründe haben zum Erfolg des Energieträgers beigetragen. Erdgas ist zu jeder Tages,- Nacht- und Jahreszeit in ausreichender Menge verfügbar. Bevorratung, Bestellung oder Liefertermine sind nicht notwendig Erdgas benötigt keinen Platz für Brennstofftanks. Bei einer Umstellung auf Erdgas gewinnt man meist an zusätzlichen Wohnraum (bei der Einbeziehung der hohen Grund- und Immobilienpreise ein wichtiger Vorteil).
Erdgas ist wirtschaftlich und rationell einsetzbar. Hoher Wirkungsgrad und gute Regelfähigkeit der Gasgeräte garantieren die optimale Ausnutzung der Energie. Erdgas ist die ideale Primärenergie für viele Verwendungsbereiche in Haushalt, Gewerbe, Industrie und öffentliche Einrichtungen. Die Automobilindustrie oder die Solarindustrie arbeiten aufgrund der vielen Vorteile mit Erdgas zusammen und bieten zukunftsweisende Lösungen an.


Die Entwicklung des Energiemarktes bis 2050
Steigender Bedarf, sinkende Vorräte, höhere Kosten

Deutschlandweit wird es – auch aufgrund der technischen (energiesparenden) Entwicklungen in den nächsten Jahren keine großen Steigerungen des Energieverbrauchs geben. Weltweit sieht es anders aus. Bis 2050 rechnet man mit einer Verdopplung bis Verdreifachung des Energieverbrauches. Damit steht die Energiepolitik vor einer großen Herausforderung.

Die „Reichweite“ der heutigen Primärenergieträger. Öl: Man geht davon aus, dass die abbaubaren Ölreserven noch rund 50 Jahre reichen werden, andere Schätzungen gehen allerdings von fast 100 Jahren aus. Gas: Auch wenn man von man einem weiter steigenden Erdgasanteil ausgeht, so sehen die Statistiker mindest eine Reichweite von 65 Jahren. Kohle: Die ausbaubaren Stein- und Braunkohlevorräte werden auf wenigstens zwei Jahrhunderte geschätzt.

Die Zukunft gehört sicherlich energiesparenden technischen Entwicklungen im Bereich der Anlagen- und Maschinentechnik und bei Geräten und Fahrzeugen. Denn nur so sind aufgrund der absehbaren Verknappung der Energieträger Erdgas und Erdöl steigende Energiekosten aufzufangen. Den regenerative Energien gehört die Zukunft, allerdings werden sie aus heutiger Sicht zu höheren Kosten führen.

Wie, wann und welche regenerativen Energien die herkömmlichen Energieträger ablösen oder sie zumindest zu einem größeren Teil ersetzen, ist umstritten. Die heutige Struktur der Energieversorgung dürfte bis 2020 weitgehend festgeschrieben sein. Auch wegen des sich langsam anbahnenden Wegfalls der Kernenergie werden dann entscheidende Veränderungen sichtbar werden. Eine Substitution der konventionellen Energieträger durch beispielsweise regenerative Energien ist in größerem Maße erst ab 2040, 2050 zu erwarten.
Autor: Erich Schmitt
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Stand: 20. März 2003
Erstellt: 4. Oktober 2001

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