Umweltjournal.de | Technik und Wissenschaft  | Artikel Nr.: 9890

Spurensuche im Internet





Darmstadt, 05.02.2006: Fälschungen richten enorme Schäden an: Durch Urheberrechtsverletzungen und Markenpiraterie erleiden Unternehmen Jahr für Jahr Milliardenverluste. Fraunhofer-Forscher präsentieren auf der CeBIT, Halle 9, Stand B 36, eine neue Software, mit der sich die Verletzung von Schutzrechten im Internet aufspüren lässt. Ein Bild ist schnell kopiert, ein Text im Handumdrehen neu formatiert, ein Musikstück ruck, zuck herunter geladen. Und die Geschädigten haben kaum eine Chance sich zu wehren:


Welcher Autor weiß genau, wo seine Texte wieder auftauchen? Welcher Fotograf hat die Zeit, seine Bilder aufzuspüren? Welcher Hersteller kann schon das gesamte Internet nach unlauteren Angeboten seiner Produkte durchstöbern? Das macht es Produktfälschern leicht, ihre Plagiate in Auktionshäusern, mit Herstellerlogos und Produktbeschreibungen versehen, als vermeintliche Originale anzubieten. Der Kunde sieht nur eine Internetseite und merkt den Betrug bestenfalls beim Auspacken der Ware. »Durch Verletzungen des Urheberrechts und durch Marken- und Produktpiraterie entstehen enorme Schäden«, weiß Ulrich Pinsdorf, Projektleiter am Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD. »Nach Schätzungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) liegt der volkswirtschaftliche Schaden durch Markenpiraterie allein in Deutschland bei 30 Milliarden Euro jährlich.« Kein Wunder, dass Unternehmen nach Mitteln und Wegen suchen, die Diebe dingfest zu machen.

Bisher gleicht das Aufspüren von gestohlenen Logos, Bildern und Texten im World Wide Web der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Professionelle Internet-Detektive, die im Auftrag von Unternehmen das Web durchforsten, brauchen neben einem guten Riecher auch jede Menge Sitzfleisch und Geduld: »Die Suche ist aufwändig, personalintensiv und langwierig«, erklärt Pinsdorf. Zusammen mit seinem Team hat der Fraunhofer-Forscher eine Software entwickelt, die auf der CeBIT erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wird. »Mit iDetective können wir die Recherche im Internet automatisieren, ausweiten und beschleunigen.« Anders als herkömmliche Suchmaschinen – die bekannteste unter ihnen ist Google – kann der Benutzer selbst festlegen, mit welchen Algorithmen das Internet durchforstet wird: iDetective kann nicht nur Begriffe suchen, sondern auch Bilder vergleichen, Produktpreise auswerten oder Audiodateien identifizieren. Diese Algorithmen sind das Herzstück der Suchmaschine. Die Berechnungsverfahren sind flexibel miteinander kombinierbar.

Zurzeit beherrscht iDetective die Suche nach Bildern, die Auswertung von Texten, den Vergleich von Musikdateien sowie die Suche nach digitalen Wasserzeichen. Das funktioniert so: Der Anwender wählt die gewünschten Algorithmen für seine Suche, legt fest, wie die Einzelergebnisse kombiniert werden sollen, und gibt eine Startseite für die Suche vor. Die iDetective-Software ruft dann diese Startseite – beispielsweise die eines Online-Shops – auf und folgt von dort allen Verweisen zu anderen Seiten. Jede abgerufene Seite wird in ihre Bestandteile zerlegt und von den Algorithmen analysiert. Die Ergebnisse werden in einer Datenbank gespeichert. Die Software vergleicht zeitgleich Bilder, Texte und Firmenlogos mit den vorgegebenen Daten des Rechteinhabers, also des Produktherstellers oder Autors. Innerhalb weniger Stunden können große Webportale nach bestimmten Bildern, Texten, Musikdateien oder Produkten durchsucht werden. Der Auftraggeber bekommt am Ende ein übersichtliches Protokoll mit der Angabe, auf welcher Internetseite welche Übereinstimmung gefunden wurde.

»Internet-Detektive, Künstler und Autoren können mit der neuen Software viel Zeit und Geld sparen«, erläutert Pinsdorf. iDetective übernimmt die Routinearbeit bei der Ermittlung von Verdachtsfällen. Der Mensch muss sich nicht mehr mit monotoner Suche befassen, sondern kann mit Kreativität und Spürsinn die Verdachtsfälle untersuchen: Ein geschulter Detektiv steuert gezielt Seiten an und prüft, ob der Verdacht auf Markenpiraterie oder die Verletzung von Urheberrechten begründet ist. Wenn ja, drohen dem Unternehmen, das die Schutzrechte missbraucht hat, Abmahnungen und Geldstrafen.

»Interessant ist die iDetektive-Software für alle Unternehmen, die durch Produktpiraterie und Urheberrechtsverletzungen Schaden erleiden. Allen voran sind das die Hersteller von Qualitätsprodukten, die sich vor billigen Plagiaten schützen wollen, die im Internet unter gefälschtem Markennamen angeboten werden, aber auch Fotografen, Bildagenturen, Künstler und Autoren«, erklärt Projektleiter Pinsdorf. »Sie bekommen mit iDetective die Möglichkeit, effizienter und zielgerichteter als bisher gegen Urheberrechtsverletzungen und Markenpiraterie vorzugehen.«
Autor: Fraunhofer- Gesellschaft
1420 Aufrufe
Stand: 5. Februar 2006
Erstellt: 5. Februar 2006

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