Umweltjournal.de | Technik und Wissenschaft  | Artikel Nr.: 9869

Unfallträchtiges Nadelöhr





Bremen, 02.02.2006: Angesichts des im viel befahrenen Ärmelkanal gesunkenen Chemie-Tankers "Ece" fordert der WWF stärkere Kontrollen für Schiffe mit gefährlichen Ladungen. "Diesmal ist die Meeresumwelt offenbar mit einem blauen Auge davon gekommen. Nicht auszumalen, was passiert wäre, wenn das Schiff Pestizide oder andere Umweltgifte geladen hätte", so der WWF-Experte Stephan Lutter. Die "Ece" hat 10.000 Tonnen Phosphorsäure geladen.



Nach Angaben britischer Behörden ist noch keine Phosphorsäure ins Meer gelangt. „Die Chemikalie löst und neutralisiert sich zwar in Meerwasser, aber diese Schiffsladung ist eine Nährstoffbombe und enthält etwa so viel schädliches Phosphat wie in drei Monaten in die gesamte Nordsee eingeleitet wird“, so Lutter.

„Der Ärmelkanal ist ein Nadelöhr der internationalen Schifffahrt, in dem sich immer wieder Unfälle ereignen. Wir brauchen bessere Sicherheitsvorkehrungen, um Mensch und Natur zu schützen“, fordert der WWF. Der Chemie-Tanker „Ece“ sank am Mittwochmorgen 90 Kilometer westlich der Landzunge von La Hague. Er liegt in 70 Meter Tiefe am Meeresgrund und konnte bislang nicht geborgen werden. Das Schiff war am Dienstag mit dem Frachter „General Grot Rowecki“ zusammen gestoßen.

Der Unfall zeige, dass der Schutz vor Schiffshavarien im Ärmelkanal deutlich verbessert werden müsse. Zwar erhalte das Meeresgebiet zwischen Schottland und Portugal den von der Internationalen Schifffahrtsorganisation IMO verliehenen Status eines „Besonders Empfindlichen Meeresgebietes“ (PSSA). „Eine Meldepflicht tritt ab 2008 aber nur für Schweröl-Transporte in Kraft - nicht aber für Schiffe, die Chemikalien an Bord haben“, kritisiert der WWF. Darüber hinaus fordert der WWF angesichts der neuerlichen Kollision eine Lotsenpflicht für Schiffe, die den Ärmelkanal mit gefährlichen Ladungen queren. Für alte Tanker mit Schweröl an Bord hatten die Anrainerstaaten nach den Havarien der „Erika“ und „Prestige“ vor der IMO sogar ein generelles Fahrverbot im Kanal und an der Atlantikküste gefordert. Sie konnten sich damit allerdings nicht durchsetzen.

Von 1975 bis 2003 kam es nach Angaben des WWF bei 14 Schiffsunglücken im Ärmelkanal und seinen westlichen Zugängen zur Freisetzung von Öl oder Chemikalien. 1993 verlor der Tanker „Sherbro“ 188.000 Päckchen hochgiftiger Substanzen, die bis an die deutsche Küste gespült wurden. Im Jahr 2000 traten aus der „Ievoli Sun“ nach dem Bruch der Tankerhülle 6.000 Tonnen giftiger Chemikalien aus.
Autor: WWF Deutschland
1372 Aufrufe
Stand: 5. Februar 2006
Erstellt: 2. Februar 2006

Weiterführende Informationen:

Weitere Meldungen zum Thema "Pestizide":

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