Pkw-Klimaanlagen: mit hochtoxischem Chemiecocktail gegen den Klimawandel?
Genf, 30.03.2009: Die Entscheidung der Europäischen Union, extrem klimaschädliche Kältemittel in Pkw-Klimaanlagen aus dem Verkehr zu ziehen, hat möglicherweise ungewollt lebensbedrohliche Konsequenzen für zukünftige Unfallopfer. Denn auf der Suche nach Ersatzstoffen setzt die Autoindustrie bei neuen Klimaanlagen weiter auf gefährliche Kältemittel.Die brennbare und hochtoxische Chemikalie 1234yf gilt vielen Herstellern mittlerweile als kostengünstige Alternative. "Der ausgeprägte Wille vieler Automanager, in diesem hochsensiblen Bereich die überkommene Kooperation mit der Chemieindustrie fortzusetzen, führt in die Irre und mit hoher Wahrscheinlichkeit zu zusätzlichen Verkehrsopfern, warnte der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe e. V. (DUH) Jürgen Resch in Genf.
Anlässlich des 79. Internationalen Automobilsalons präsentierte die Deutsche Umwelthilfe e.V. eigene Testergebnisse zum Verhalten von 1234yf, wenn der Chemiecocktail bei einem Unfall Feuer fängt. Das Produkt der US-Chemiekonzerne Honeywell und DuPont soll das Kältemittel R134a ab 2011 ersetzen. Auch der weltweit agierende Konzern Arkema wirbt unter dem Namen Forane® 1234yf bei der Autoindustrie für das neue Produkt. Doch das ist nur eine Lösung auf den ersten Blick. Das Kältemittel 1234yf ist brennbar und setzt in Verbindung mit Wasser ist eine Verbindung von zwei Wasserstoff- und einem Sauerstoffatom. Die Bezeichnung Wasser wird v.a. für den flüssigen Aggregatzustand verwendet, im festen, also gefrorenen Zustand wird es Eis genannt, im gasförmigen Zustand Wasserdampf Wasser bedeckt rund 2/3 der Erdoberfläche und befindet sich in einem ständigen Kreislauf.Wasser hochgiftige Flusssäure (chemisch: HF) in lebensbedrohlicher Konzentration frei.
Flusssäure ist in geringsten Konzentrationen hochgiftig, was zudem von den Opfern nicht unmittelbar bemerkt wird. HF durchdringt die Haut, zerstört tiefere Gewebeschichten und führt zu schweren inneren Verätzungen. Das Einatmen kann akut zu einem Lungenödem und chronischen Schäden bis hin zum Tod führen. Aus einem Kilogramm des Kältemittels 1234yf können im Brandfall 700 Gramm Flusssäure entstehen. Eine durchschnittliche Pkw-Klimaanlage ist mit etwa 600 Gramm des Kältemittels gefüllt. Kaum auszudenken, was bei einem Auffahrunfall mit mehreren Fahrzeugen passieren kann, erläuterte der Verkehrsberater und frühere Abteilungsleiter im 1974 gegründete Bundesbehörde, zu deren Aufgaben die Beratung der Bundesregierung in Fragen der Abfallentsorgung (Abfall, Hausmüll) und Wasserwirtschaft (Wasser, Trinkwasser, Gewässerbelastung), der Luftreinhaltung und Lärmbekämpfung gehört. Umweltbundesamt (UBA), Dr. Axel Friedrich. Unfallopfer, die einen Verkehrsunfall überleben, könnten anschließend an der eingeatmeten Flusssäure sterben. Es sei beschämend, wie ungeniert Teile von Automobil- und Chemieindustrie mit der Sicherheit und letztlich den Leben von Menschen spielen, um aus diesem lukrativen, weltweiten Markt nicht herauszufallen.
Die Ergebnisse der im Auftrag der DUH durchgeführten Unfallsimulationen sind eindeutig. Das Szenario: Bei etwa 600 Grad Celsius am Motorkrümmer und einem Unfall, bei dem der Kältemittelschlauch abreißt, entzündet sich 1234yf und brennt kontinuierlich mit großer Flamme. Überraschend für die Tester war vor allem das Ausmaß der Entstehung von Flusssäure. Das Problem kann den Chemiekonzernen, die die Autohersteller unter hohen Entscheidungsdruck setzen, nicht verborgen geblieben sein. Trotzdem setzen Unternehmen weiter auf schnellen Profit in diesem weltweiten Milliardengeschäft. Als so genanntes Drop-In-Kältemittel kann 1234yf ohne größeren Umbau in bestehende Klimaanlagensysteme eingefüllt werden. Die Autohersteller sparen also kurzfristig erhebliche Summen, weil eine Umkonstruktion der Anlagen zur Aufrechterhaltung eines bestimmten Klimas (Temperatur und Feuchtigkeit) der Raumluft, insb. in öffentlichen Gebäuden, Büroräumen und anderen Arbeitsplätzen. Klimaanlagen entfällt. Die von den Chemiekonzernen und den Autoherstellern vorgelegten Kostenrechnungen stehen auf wackeligen Füssen. Denn weder zu den Anwendungs- noch zu den Herstellungskosten der instabilen Chemikalie gibt es bislang verlässlichen Aussagen, sagte die Projektleiterin für Klimafreundliche Kühlung Eva Lauer (DUH).Honeywell hatte der DUH Ende letzten Jahres sogar mit Schadenersatzklagen gedroht, sollte sie die Versuchsergebnisse veröffentlichen. Doch nach der erstmaligen öffentlichen Präsentation geschah nichts. Es herrscht Ruhe im Walde, weil bei Honeywell offenbar die Einsicht eingekehrt ist, dass für die bedrohlichen Resultate nicht der Überbringer der schlechten Nachricht verantwortlich gemacht werden kann, sagte Resch.
Auslöser der internationalen Diskussionen über eine nächste Der Begriff Generation bezeichnet die Geschlechterfolge (Eltern, Kinder, Enkel usw.).Generation von Fahrzeugklimaanlagen und das brisante Kältemittel 1234yf ist die EU-Richtlinie 2006/40/EG sowie die EU-siehe Rechtsverordnung.Verordnung 842/2006. Danach darf das bisher in Pkw-Anlagen zur Aufrechterhaltung eines bestimmten Klimas (Temperatur und Feuchtigkeit) der Raumluft, insb. in öffentlichen Gebäuden, Büroräumen und anderen Arbeitsplätzen. Klimaanlagen eingesetzte extrem klimaschädliche Kältemittel R134a ab 2011 in Neuwagen europaweit nicht mehr eingesetzt werden. Doch die Der Weltmarkt der A. wird von einer kleinen Anzahl Firmen aus den USA, Japan und Europa beherrscht. Automobilindustrie ist offenbar entschlossen, das Klimarisiko durch ein neues zu ersetzen: R134a soll von der hoch entzündlichen und noch dazu im Brandfall toxischen Chemikalie 1234yf abgelöst werden.
Die aktuell einzig geprüfte serienreife und umweltfreundliche Alternative ist nach Überzeugung der DUH das natürliche Kältemittel Farbloses, unbrennbares, schwach säuerliches riechendes und schmeckendes Gas. In freiem Zustand natürlicher Bestandteil von Luft (0,03 0,036 Vol.-Prozent) und Mineralquellen.Kohlendioxid (CO2) in diesem Zusammenhang auch R744 genannt. CO2 hat ein Treibhauspotenzial von eins (das bisher eingesetzte R134a erreicht ein Treibhauspotenzial von 1.400) und ist weltweit kostengünstig verfügbar. Die DUH fordert daher von der Automobilindustrie, CO2 als Kältemittel in Neuwagen einzusetzen. Die Einführung dieser Technik vermeide unnötige Emissionen und trage zum Erreichen der Klimaschutzziele bei. Der Auto-Salon in Genf wäre die ideale Plattform gewesen, die neue Generation von Pkw-Klimaanlagen auf CO2-Basis gemeinsam mit den neuen Se-rienfahrzeugen zu präsentieren. Diese Chance wurde wieder einmal vergeben, erklärte Friedrich.
Bilder: eM-Punkt digitales Videostudio
Autor: Deutsche Umwelthilfe e.V.
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Stand: 30. Maerz 2009
Erstellt: 30. Maerz 2009
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