Umweltjournal.de | Technik und Wissenschaft  | Artikel Nr.: 12525

Pestizide testen - so geht es richtig!





Hamburg, 25.06.2007: Ganz Deutschland will plötzlich Obst und Gemüse testen. Rund um das Thema haben uns in den vergangenen Tagen eine Menge Fragen erreicht. Der Tenor lautete: "Wie wird eigentlich auf Pestizide getestet? Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit die Tests auch aussagekräftig sind?" Unser Experte dafür ist Manfred Krautter.



Er hat zwischen 2005 und 2007 über tausend Pestiziduntersuchungen in Auftrag gegeben und erklärt kurz, was zu beachten ist, wenn man den heimischen Supermärkten auf die Finger schauen will.


Der Einkauf (Probenahme)

Die Probennahme der einzelnen Früchte und der verschiedenen Gemüse muss eine ausreichende Menge erbringen und für das Labor nachvollziehbar sein. Wenn nach dem Test bspw. die Trauben oder die Äpfel nicht mehr einem bestimmten Markt zugeordent werden können, stochert man im Nebel. Um dies zu verhindern, lässt Manfred Krautter durch geschultes und qualifiziertes Fachpersonal prüfen. Die Fachleute sorgen für eine fachkundige Protokollierung, Verpackung und Etikettierung der Proben. Sie sorgen ebenfalls für eine optimale Probemenge und Stückzahl der Frucht- oder Gemüseproben.

Ein aussagekräftiger Pestizidtest untersucht nicht nur ein Produkt. Wer ein Haus bewertet, schaut sich ja auch nicht nur das Erdgeschoss an. Zwei oder drei Produktarten pro Supermarkt-/Discounterkette reichen aus, um die Ketten untereinander zu vergleichen. Greenpeace hat acht Produktarten pro Kette überprüft.

"Ausreichende Probenzahl?"

Grundsätzlich gilt: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, eine Probe macht noch keinen aussagekräftigen Pestizidtest. Wer wirklich Unterschiede feststellen will, muss viele unterschiedliche Proben testen. Ab 70 Proben pro Supermarktkette lassen sich gute Rückschlüsse auf die Qualität des jeweiligen Anbieters ziehen. Wenn es weniger Proben sind, leidet die Qualität der Untersuchung.


Die Tests (Untersuchung)

Wer Pestizide zuverlässig aufspüren will, braucht die richtige Ausrüstung. Europaweit werden über 800 verschiedene Pestizid-Wirkstoffe versprüht. Gute Labore müssen deshalb mindestens 300 unterschiedliche Pestizide nachweisen können - sonst haben die Tests keine Aussagekraft.

Wer auf Nummer Sicher gehen will, wählt ein zertifiziertes Fachlabor, das beispielsweise den Mindestanforderungen des QS-Systems entspricht (siehe www.q-s.info). Zudem sollte es Erfahrung mit sogenannten Ringversuchen haben und dabei durch positive Arbeit aufgefallen sein. QS steht für Qualitätssicherung und die von QS definierten Anforderungen und Maßgaben bilden die Grundlage für sichere und vergleichbare Ergebnisse.

Anders ausgedrückt für Chemiker und Statistiker: Die Untersuchungen werden mit gas- und flüssigkeitschromatographischen Multimethoden gemacht. Sie entsprechen mindestens den Anforderungen der ""Amtlichen Sammlung von Untersuchungsverfahren nach §64 des Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände und Futtermittelgesetzbuch (LFGB)"". Das bedeutet, dass eine Lebensmittelprobe mindestens auf 300 Pestizide untersucht wird.

Wenn man dem allen gerecht geworden ist, muss noch ein Statistiker die Signifikanz der Unterschiede feststellen. Dabei soll die Irrtumswahrscheinlichkeit unter fünf Prozent liegen. Nur solche statistisch abgesicherten Differenzen sind wirkliche Differenzen! So, und nun: Viel Spaß beim Testen!
Autor: Greenpeace e.V.
3122 Aufrufe
Stand: 8. August 2007
Erstellt: 25. Juni 2007

Weiterführende Informationen:

Weitere Meldungen zum Thema "Pestizide":

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