Freisetzung gentechnisch veraenderter Erbsen in Gatersleben genehmigt
Berlin, 26.04.2007: Das Bundesamt fuer Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat heute der Firma Novoplant die Freisetzung gentechnisch veraenderter Erbsen auf rund 100 Quadratmetern in Gatersleben (Sachsen-Anhalt) genehmigt. Damit duerfen in der Vegetationsperiode 2007 insgesamt 600 gentechnisch veraenderte Erbsenpflanzen zu wissenschaftlichen Zwecken freigesetzt werden.Das BVL kommt in seiner Sicherheitsbewertung zu dem Schluss, dass von dem Freisetzungsversuch keine schaedlichen Einfluesse auf Menschen und Tiere sowie auf die Der Begriff der Umwelt ist geprägt durch die anthropogene Sichtweise des Menschens. Umwelt ist danach definiert, als dem Menschen umgebende Medien (Wasser, Boden, Luft usw.) und aller darin lebenden Organismen.Umwelt zu erwarten sind, verfuegt aber vorsorglich Sicherheitsmassnahmen.
Der Oeffentlichkeit wurde durch die Auslegung der Antragsunterlagen die Moeglichkeit zur Stellungnahme gegeben. Rund 75.000 Buerger sprachen sich, ueberwiegend durch die Unterzeichnung von Unterschriftenlisten, gegen die Freisetzung aus. Die Argumente der Einwendungen wurden bei der fachlichen und rechtlichen Bewertung des Antrags geprueft. Durch die oeffentliche Auslegung des Bescheids wird den Einwendern Gelegenheit gegeben, nachzuvollziehen, in welcher Form das BVL die Einwendungen in seiner Genehmigung bewertet und beruecksichtigt hat.
Das Leibniz-Institut fuer Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) wird waehrend der Freisetzung keine zum Sortiment der Genbank gehoerenden Erbsen im Freiland kultivieren, so dass Auskreuzungen in das Erbmaterial der Molekularbiologisch: Sammlung klonierter DNS-Fragmente, die dem Genom eines Organismus entstammen. Genbank vermieden werden. Zu Flaechen ausserhalb des Institutsgelaendes, auf denen konventionelle Erbsen angebaut werden, wird ein Abstand von mindestens 1000 Metern eingehalten. Da bei Erbsenpflanzen ueberwiegend Selbstbestaeubung stattfindet, ist die Wahrscheinlichkeit einer Auskreuzung ohnehin gering. Die Freisetzungsflaeche wird abgeschirmt, so dass die Pflanzen fuer Voegel und Kleinsaeuger nicht zu erreichen sind. Die Flaeche ist sorgfaeltig von Hand abzuernten; nicht benoetigtes Erntematerial ist zu vernichten. Im Jahr nach der Freisetzung muss auf der Flaeche nach nachwachsenden Erbsenpflanzen gesucht werden, die zu entfernen sind. Sollten im Jahr nach der Freisetzung gentechnisch veraenderte Erbsen auftreten, so ist die Nachkontrolle um ein Jahr zu verlaengern. Die im Freisetzungsversuch gewonnenen Erbsen duerfen nicht als Lebensmittel oder als Futtermittel ausserhalb eines vorgesehenen Tierversuchs verwendet werden.
In die gentechnisch veraenderten Erbsen wurde Erbgut aus der Ackerbohne, der Maus und dem Blumenkohlmosaikvirus eingebracht sowie synthetisch erzeugtes. In Tierversuchen soll ueberprueft werden, ob durch das Verfuettern der gentechnisch veraenderten Erbsen Schweine vor bestimmten Darminfektionen geschuetzt werden koennen.
Fuer die Entscheidung des BVL wurden Stellungnahmen des Bundesamts fuer Unter Naturschutz versteht man alle Maßnahmen zum Erhalt und zur Förderung von wildlebenden Arten (Pflanzen und Tiere), ihrer Lebensgemeinschaften und natürlicher Lebensgrundlagen sowie zur Sicherung von Landschaften unter natürlichen Bedingungen.Naturschutz, des Bundesinstituts fuer Risikobewertung und des Robert-Koch-Instituts eingeholt. Gleichzeitig wurden Stellungnahmen des unabhaengigen Wissenschaftler- und Sachverstaendigengremiums, der Zentralen Kommission fuer die Biologische Sicherheit, und der Biologischen Bundesanstalt fuer Land- und F. ist die planmäßige Bewirtschaftung von Wäldern zur Holzgewinnung. Forstwirtschaft in die Entscheidung einbezogen. Darueber hinaus wurde das BVL durch die fachliche Stellungnahme des Landes Sachsen-Anhalt unterstuetzt.
HINTERGRUNDINFORMATION
Das BVL ist zustaendig fuer den Vollzug wichtiger Teile des Gentechnikgesetzes. Es berät die Bundesregierung sowie die Laender und ihre Gremien in Fragen der biologischen Sicherheit in der Gentechnik. Gentechnisch veraenderte Organismen muessen zunaechst ein Zumeist förmliches Verwaltungsverfahren, in dem die Zulässigkeit von Projekten geprüft sowie Bedingungen und Auflagen festgelegt werden. Genehmigungsverfahren beim BVL positiv durchlaufen, ehe sie freigesetzt werden duerfen. Ferner fuehrt das BVL die Geschäftsstelle der Zentralen Kommission fuer die Biologische Sicherheit. Das BVL ist die national zuständige Behoerde für gemeinschaftliche Genehmigungsverfahren der EU zum Inverkehrbringen gentechnisch veraenderter Organismen und koordiniert für Deutschland die BIO-TRACK-Datenbank der OECD. Als nationale Kontaktstelle des Internationalen Uebereinkommens ueber die biologische Sicherheit managt das BVL fuer Deutschland den Informations-austausch ueber lebende gentechnisch veraenderte Organismen im so genannten Biosafety Clearing House.
Foto: Dixiland/Pixelio.de
Autor: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)
Weiterführende Informationen:
Die letzten 10 Meldungen zum Thema "Gentechnik":
Deutschland muss gentechnikfrei bleiben!Berlin, 15.10.2009: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat die künftigen Koalitionäre von Union und FDP aufgefordert, das Anbauverbot des Genmais MON 810 beizubehalten und sich von ihrem Pro-Gentechnikkurs zu verabschieden. Die Ankündigung, die Nulltoleranz für in der Europäischen Union nicht zugelassene gentechnisch veränderte Organismen zu kippen, wäre der Anfang vom Ende der Gentechnikfreiheit in Deutschland, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.
Schwarz-Gelb ist kein Votum pro Atomenergie und pro GentechnikBerlin, 30.09.2009: Auch die neue Regierung muss Bürgerwillen respektieren. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht in dem Wahlergebnis der Bundestagswahl vom 27. September 2009 kein Votum pro Atomkraft und pro Gentechnik. Sämtliche Umfragen im Umfeld der Wahlen hätten gezeigt, dass es stabile Mehrheiten gegen längere Laufzeiten für Atommeiler und gegen den Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft gebe.
"Ohne Gentechnik" ist MogelpackungFrankfurt, 12.09.2009: Die Möglichkeit, Lebensmittel mit dem Zusatz "Ohne Gentechnik" auszuzeichnen, gibt es bereits seit Mai 2008 umgesetzt wurde sie bislang jedoch nur von wenigen Herstellern. Nun soll ein einheitliches Label des Bundesverbraucherministeriums für neuen Schub sorgen. Auch das Marketing wurde aufgehübscht.
Genmais gefährdet SchmetterlingeBerlin, 13.07.2009: Der NABU kritisiert, dass die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) keine Bedenken gegen den Anbau der gentechnisch veränderten Maissorte MON 810 hat. Zu begrüßen sei jedoch, dass die EU-Behörde erstmals mögliche Risiken für Schmetterlinge und andere so genannte Nicht-Ziel-Organismen einräumt. Sie rät daher in ökologisch sensiblen ...
Teuflischer ZwirnDarmstadt, 05.06.2009: Wissenschaftler um Prof. Dr. Ralf Kaldenhoff von der TU Darmstadt haben ein gentechnisches Verfahren entwickelt, mit dem Nutzpflanzen gegen Angriffe des Teufelszwirns gewappnet werden können. Der Teufelszwirn (Cuscuta), ein pflanzlicher Parasit, verursacht vor allem in wärmeren Ländern immense ...
Gentechnik-Forschung geht am Markt vorbeiBUND und Bioland fordern mehr Transparenz bei der staatlichen Forschungsförderung. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Bioanbauverband BIOLAND forderten anlässlich des morgigen "Runden Tisches" der Bundesforschungsministerin Annette Schavan mehr Transparenz bei der Forschungsförderung im Bereich der Agro-Gentechnik.
Gentechnisch veränderte "Amflora"-Kartoffeln freigesetztBerlin, 05.05.2009: Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat am 30. April der BASF Plant Science GmbH die Freisetzung gentechnisch veränderter Kartoffeln unter Auflagen genehmigt. Gestattet wurde die Freisetzung der so genannten "Amflora"-Kartoffel auf einer Fläche in der Gemeinde Bütow (Mecklenburg-Vorpommern). Geplant ist, die gentechnisch veränderten Kartoffeln in den Jahren 2009 und 2010 auf einer Fläche von ...
Grüne Gentechnik – Koexistenz und HaftungKöln, 27.02.2009: Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner sagte der Berliner Zeitung: "Die grüne Gentechnik bringt dem Menschen hierzulande bisher keinen erkennbaren Nutzen." Die Ministerin kündigte an, die Zulassung der einzigen in Deutschland zugelassenen gentechnisch veränderten Maissorte "MON 810" des US-Herstellers Monsanto noch einmal zu überprüfen.
Umweltjournal-Buchtipp: Mit Gift und GenenKöln/Brühl, 08.02.2009: Die Machenschaften von Monsanto, einer schon unzählige Male verklagten amerikanischen Firma, erklärt uns die Autorin Marie-Monique Robin in ihrem neuesten Buch "Mit Gift und Genen". Der Chemie- und Biotech-Riese Monsanto spielt mit seinen Produkten wie Pestiziden und genmanipulierten Pflanzen eine umstrittene Rolle in der Weltnahrungsmittelproduktion. Durch den Vertrieb von gentechnisch verändertem Saatgut erzielt ...
Das Gen, das die Lebensuhr zurückdrehtMünchen, 07.02.2009: Früher war die Sache klar: Sobald ein Mensch geboren ist, gibt es kein Zurück. Ob Leber, Muskel oder Haut - keine Körperzelle, so schien es, kann je wieder etwas anderes werden als sie ist. Dieses Dogma freilich ist inzwischen widerlegt. Selbst ausgereifte Zellen, so weiß man heute, lassen sich in einen embryonalen Zustand zurückversetzen - wenn auch nur mithilfe krebsfördernder Gene und heikler ...
Stand: 30. April 2007
Erstellt: 26. April 2007
Erstellt: 26. April 2007




















Druckansicht