Umweltjournal.de | Technik und Wissenschaft  | Artikel Nr.: 10974

Gen-Gras auf dem Golfplatz!





Hamburg, 01.09.2006: Die Meldung geistert seit einigen Tagen durch die Presse: In den USA breitet sich eine weitere neuartige, nie zugelassene Gen-Pflanze in der Gegend von Portland Oregan aus: Gen-Gras. Das für Golfplätze entwickelte Gras ist gegen das Herbizid Roundup Ready der Firma Monsanto resistent. Golfplatzbesitzer könnten spritzen, was das Zeug hält, ohne dass ihr grünes Gras darunter leiden würde.


Doch bevor die Golfer in diesen zweifelhaften Genuss kommen, hat sich das Gen-Gras bereits eigene Wege gesucht: Noch in vier Kilometern Enfernung fanden Wissenschaftler des US-amerikanischen Umweltschutzbüros EPA dieselbe Roundup-Resistenz des so genannten Creeping Bentgras auch in Wildgräsern. Wird die Eigenschaft auf Pflanzen übertragen, verliert das Herbizid Roundup seine Wirkung. Häufig werden dann zusätzlich andere Herbizide gespritzt. So landet noch mehr Gift auf dem Acker.

Neuartige Gen-Pflanzen werden schlampig überwacht
Gen-Gras und auch der jüngste Fall des genmanipulierten Reis LLRICE 601 zeigen: In den USA werden Freisetzungsexperimente mit neuartigen Gen-Pflanzen offensichtlich schlampig überwacht. Und anstatt sich um rasche Dekontamination beim Reis zu kümmern, wiegelt die USDA nur ab: Alles nicht so schlimm. Andere Gen-Reissorten seien auf dieselbe Weise gegen das Herbizid Liberty Link resistent gemacht worden wie LLRICE 601. Deswegen könne man davon ausgehen, dass wohl keine Gefahr drohe. Der Gen-Reis LL 601 wurde nie für die Nahrungskette zugelassen und Bayer CropScience hatte den Versuchsanbau bereits 2001 gestoppt.

Legalisierung durch die Hintertür
Kümmert sich die USDA nicht um die Dekontamination, würde dies bedeuten, dass eine nie für die Nahrungskette geprüfte Gen-Pflanze durch die Hintertür legalisiert würde. Zurzeit müssen in den USA wie auch in Europa alle gentechnisch veränderten Pflanzen einzeln zugelassen werden. Auch wenn in verschiedenen Pflanzen jeweils dasselbe Gen verändert wurde. Gentechnik-Firmen wie Monsanto, Bayer, Syngenta und Co. möchten dies gern ändern. Ein Gen, das in einer Pflanzenlinie als sicher eingestuft wurde, sei es auch in einer anderen Linie, so die Logik der Gentechnik-Lobby.

Bereits jetzt wurden in den USA zahlreiche Schadensersatzklagen von US-Reisbauern eingereicht. Wird der Gen-Reis legalisiert, kann auch Bayer hoffen, die Schäden durch Kontaminationen nicht oder nur teilweise bezahlen zu müssen. Und so prüft der Konzern auch, ob eine Marktzulassung für die Nahrungskette beantragt werden soll - als Freibrief für weitere Kontaminationen.
Autor: Greenpeace e.V.
2286 Aufrufe
Stand: 1. September 2006
Erstellt: 1. September 2006

Weiterführende Informationen:

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