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Umweltjournal.de | Technik und Wissenschaft  | Artikel Nr.: 10691

Alles bricht, ein Reaktorkern nicht - oder doch?

Hamburg, 06.07.2006: Am Donnerstag wird Tony Blair wohl den Startschuss für den Bau neuer Atomkraftwerke geben. In den Regierungsschubladen lagern derweil brisante Dokumente. Sie belegen ausgedehnte Risse im Kern etlicher britischer Atommeiler. Für Stephen Tindale vom britischen Greepeace-Büro zeigen sie "auch die Inkompetenz der Regierung und des Betreibers. Die haben davon gewusst und nichts, rein gar nichts unternommen."


Die geheimen Papiere liegen Greenpeace vor. Verfasst wurden sie von Regierungsinspektoren der Fachabteilung für nukleare Sicherheit (NSD). Die Experten fanden Risse in den Graphitkernen von 14 britischen Atomreaktoren. Im Reaktorkern findet die nukleare Kettenreaktion statt, und dort wird sie auch kontrolliert.

Die Inspekteure fanden heraus, dass die Schäden nicht nur von erheblicher Größe, sondern auch unvorhersehbar waren. Ferner, dass die Betreiberfirma British Energy weder das Ausmaß des Schadens kannte noch sagen konnte, wie viele solcher Bruchstellen ein Reaktorkern verkraftet, ohne dass Sicherheitsbelange berührt sind. Der unabhängige Atomexperte John Large hat die Aussagen analysiert und die sofortige Abschaltung der Anlagen gefordert.

Dabei hat Großbritannien Beachtliches geleistet - es hat den umfangreichsten Energiereport seit 60 Jahren veranlasst. Das Ergebnis gab die britische Regierung vor drei Jahren bekannt. Es lautete: Der billigste, sicherste und einfachste Weg, um den Klimawandel zu bekämpfen, sei, den Verbrauch zu drosseln und verstärkt in Erneuerbare Energien zu investieren. Der Bau neuer AKWs würde Gelder binden und damit eine solche zukunftsfähige Entwicklung behindern.

Heute, drei Jahre später, hat Blair sich um 180 Grad gedreht. Gegen den Rat seiner eigenen Ministerien und führender Experten, gegen den Willen von Industrie und Öffentlichkeit propagiert er den Bau neuer Atomkraftwerke auf der Insel. Zu solchen Plänen passten die alarmierenden Untersuchungsergebnisse der behördlichen Inspektoren offensichtlich nicht.

"Atomkraftwerke gehören abgeschaltet. Die Risiken sind nicht überschaubar und offensichtlich nicht einmal für so genannte Fachleute erkennbar", warnt Thomas Breuer, Atomexperte von Greenpeace. "Der einstige Traum der Atomindustrie ist zu einem Alptraum der Gesellschaft geworden: rissige Atomkraftwerke mitten in Europa. Die Welt kann sich kein zweites Tschernobyl leisten, doch genau darauf lassen es Politiker wie Blair oder auch der CDU in Deutschland ankommen."

Autor: Greenpeace e.V.

Weiterführende Informationen:


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Stand: 6. Juli 2006
Erstellt: 6. Juli 2006