Umweltjournal.de | Technik und Wissenschaft  | Artikel Nr.: 10360

Neue Anti-Spam-Website





Berlin, 23.04.2006: Mit einer neuen Aufklärungs-Website führt der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) seinen Kampf gegen Spam fort. Unter www.verbraucher-gegen-spam.de können sich Verbraucher ab heute umfassend über das Thema Spam informieren, erhalten Anleitungen im Umgang mit Spam, Musterschreiben und rechtliche Grundlagen. "Nur aufgeklärte und im Umgang mit E-Mails umsichtige Internetnutzer werden weniger leicht zum Spamming-Opfer", so vzbv-Vorstand Prof. Dr. Edda Müller.


www.verbraucher-gegen-spam.de
Die in Zusammenarbeit mit den Verbraucherzentralen der Länder entwickelte Internetseite bietet unter anderem praktische Tipps zum Schutz vor lästigen Mails, etwa der richtige Umgang mit der eigenen E-Mail-Adresse. Erläutert werden die verschiedenen Arten von Spam (Phishing-Mails, Kettenbriefe etc.) und wie man diese erkennen kann. Zudem bietet die Website einen FAQ-Katalog "Spaminfos für Eilige", einen dreiminütigen Anti-Spam-Film zum kostenfreien Herunterladen, eine Übersicht der rechtlichen Grundlagen zur Spambekämpfung sowie eine Link- und Urteilssammlung.

Die neue Website ist Teil des am 1. Juli 2005 gestarteten und vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) geförderten Projekts "Spamkampagne - Verbraucheraufklärung und Aktion zur Bekämpfung von Spam". Neben der Aufklärung ist die Rechtsverfolgung von Spammern Ziel der Kampagne. In der im September 2005 eingerichteten Spam-Beschwerdestelle beschwerdestelle@spam.vzbv.de sind bereits über eine Million Beschwerden eingetroffen. Auch wenn bereits einige Verfahren gegen Spammer eingeleitet wurden, bleibt das Problem, dass der Großteil der Mails aus dem Ausland kommt und die Verantwortlichen schwer zu ermitteln sind.

Nach Ansicht des vzbv sind daher neben Maßnahmen zur Aufklärung und rechtlichen Verfolgung weitergehende gesetzliche Maßnahmen notwendig, um Spam in den Griff zu bekommen. Da trifft es sich gut, dass auch der Bundesverbraucherminister Horst Seehofer sich - jüngst zum Weltverbrauchertag - auf die Fahnen geschrieben hat, "die lästige Spam-Werbung weiter einzudämmen". "Die Bundesregierung ist gefordert, das durch die Neuwahlen ausgebremste Anti-Spam-Gesetz wieder aus der Schublade zu holen", so Edda Müller. Zur Eindämmung der unerwünschten Werbeflut fordert der vzbv:

  • Spamming mit kriminellem Hintergrund als Straftat einzustufen,
  • das Versenden unerwünschter Werbemails als Ordnungswidrigkeit verbunden mit empfindlichen Geldbußen zu verfolgen,
  • die Verschleierung der Absenderidentifikation oder den kommerziellen Charakter einer Nachricht zu verbieten und
  • die Bundesnetzagentur mit entsprechenden Kompetenzen und Sanktionsmöglichkeiten zur Bekämpfung von Spam auszustatten.


Spam - mehr als ein lästiges Übel
Die Zahl unverlangter elektronischer Werbemails, Spam genannt, hat in den vergangenen Jahren ein besorgniserregendes Ausmaß angenommen. Internetnutzer werden zunehmend von einer Flut unverlangter Werbung überrollt. Nach Statistiken von Softwareherstellern ist inzwischen mehr als die Hälfte bis drei Viertel aller Mails Werbemüll. Laut Bundesministerium des Innern werden täglich weltweit rund 30 Milliarden Spammails versandt, sind fünf Prozent dieser Mails virenverseucht. Der volkswirtschaftliche Schaden allein in Europa beläuft sich nach einer Mitteilung der EU-Kommission vom Januar 2004 auf 2,5 Milliarden Euro.

Nach einer Umfrage der im Trans Atlantic Consumer Dialogue (TACD) zusammengeschlossenen Verbraucherorganisationen Ende 2003 fühlen sich 96 Prozent der 21.000 befragten Webnutzer von Spam belästigt. 84 Prozent wünschten sich, dass alle unverlangten Werbemails verboten werden und 82 Prozent verlangen von ihrer Regierung eine Opt-In-Regelung, nach der Werbemails nur versandt werden dürfen, wenn der Nutzer sie ausdrücklich angefordert hat. 65 Prozent der Befragten gaben an, dass Spam sie selbst oder ihre Mitarbeiter Zeit und Geld kostet.

Ein Tag in der Spam-Beschwerdestelle des vzbv
Eine Stichprobenauswertung der Spam-Beschwerdestelle des vzbv führt zu folgenden Ergebnissen: 80 bis 90 Prozent der innerhalb Deutschlands empfangenen Spam werden aus dem Ausland versandt. Von den deutschsprachigen Spam sind etwa 50 Prozent so genannte Phishing-Mails, bei denen offiziell aussehende Mails oder Websiten den Nutzern Kundendaten und Passwörter entlocken sollen. Des Weiteren werden von allen eingegangenen Spam-Beschwerden bevorzugt Arzneimittel- (einschließlich solcher aus dem Erotikbereich) und Softwareprodukte beworben, gefolgt von Erotik-Werbung. Weitere Bereiche sind Glücks- und Gewinnspiele, Finanz- und Kreditangebote oder der Empfang nicht bestellter Newsletter. Bei den deutsprachigen Spams waren im März besonders Spam-Mails im Zusammenhang mit der Vogelgrippe vertreten. In vielen Spams beliebt ist die persönliche Ansprache, um sich damit das Vertrauen der Adressaten zu erschleichen.
Autor: Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.
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Stand: 23. April 2006
Erstellt: 23. April 2006

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