Umweltjournal.de | Technik und Wissenschaft  | Artikel Nr.: 3098

Nachhaltigkeit in der Chemieindustrie - Oekom research analysiert 16 internationale Chemieunternehmen.

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München, 19.05.2002: Zahnpasta, Gummistiefel, Waschmittel, Autolack – die Erzeugnisse der chemischen Industrie begegnen uns ständig und überall.Doch die Produkte von BASF & Co. beschwören immer wieder Stürme des Protests von Seiten der Öffentlichkeit und von Organisationen wie Greenpeace herauf.

Mangelnde Sicherheit und Gesundheitsverträglichkeit, folgenschwere Umweltauswirkungen – Was hinter dem negativen Image der Branche steckt, hat die Münchener Ratingagentur oekom research untersucht. 16 internationale Chemieunternehmen wurden im Rahmen eines Corporate Responsibility Rating analysiert. 200 ökologische und soziale Kriterien bestimmten über das Ergebnis und zeigten die deutschen Unternehmen an der Spitze.

Acht der analysierten Unternehmen haben ihren Sitz in Deutschland. Dass die hiesigen Konzerne nicht nur zahlenmäßig überlegen sind, zeigt das Ergebnis der Untersuchung sehr deutlich: die ersten vier Plätze werden von deutschen Unternehmen belegt. Henkel geht vor BASF in Führung, beide mit der Bewertung B auf einer Skala von A+ bis D-. Bayer und Merck folgen auf den Rängen drei und vier, je mit einem B-. Das Schlusslicht der Branche bildet das japanische Unternehmen Mitsubishi Chemical mit einem D+.

Die führenden Unternehmen werden ihrer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft gerecht und fahren auf Kurs Zukunft. Dr. Andreas Stefferl, der zuständige Analyst bei oekom research, erläutert die Herausforderungen der Branche: "Die Produktionsprozesse der Chemieindustrie verschlingen ungeheure Mengen an Ressourcen. Prozessoptimierung und Kreislaufwirtschaft werden deshalb in Zukunft oberste Priorität haben. Hier erweisen sich besonders die Branchenbesten als richtungsweisend. Sie konnten Energieeinsatz, Abfall und Abwasser in den letzten Jahren deutlich reduzieren. So erreicht beispielsweise Bayer in diesem Bereich die sehr gute Bewertung von A". Aber nicht nur die Produktion, auch die Produktpalette wird sich verändern: Bereits heute zeichnet sich ab, dass die Branche sich zum Anbieter ganzer Dienstleistungspakete entwickeln wird. Diese Pakete umfassen die Leistungen Produktion, Beratung und Unterstützung der Kunden, sowie Wiederverwertung oder Entsorgung der Produkte. Manche Unternehmen zeigen hier schon erste Ansätze. So etwa Merck mit seinem Konzept "Total Chemical Management". Weniger überzeugend zeigt sich die Branche wenn es um die Umweltauswirkungen ihrer Produkte geht. Zwar erstellen Unternehmen wie Henkel oder BASF Ökobilanzen für manche ihrer Erzeugnisse, doch handelt es sich hierbei nur um einzelne Initiativen. Zu einer umweltfreundlichen Umgestaltung der gesamten Produktpalette ist es noch ein weiter Weg. Als positive Ausnahme kann erneut Henkel angeführt werden. Das Unternehmen integriert glaubwürdig Umweltaspekte in einen großen Teil seiner Produkte, und erhält für dieses Engagement ein B.

Bei der Bewertung sozialer Aspekte schneidet die Branche unterschiedlich ab. Die Sozialstandards für Mitarbeiter im Stammland sind durchweg als gut zu beurteilen. Anders als im Umweltbereich – wo konzernweit einheitliche Standards die Regel sind – haben diese hohen Standards aber meist nicht konzernweite Gültigkeit. Die Verantwortung für Sozialstandards obliegt im allgemeinen den jeweiligen Tochtergesellschaften. Dieser Umstand ist besonders bei Aktivitäten in Ländern außerhalb der OECD als kritisch zu bewerten. Die fortschrittlichsten Unternehmen der Branche fordern auch von ihren Lieferanten gewisse Mindeststandards. BASF etwa hat in seine Verträge mit wichtigen Zulieferern die Richtlinien der International Labor Organization aufgenommen. Überraschend gut fällt das Resultat im Bereich Gesundheit & Sicherheit aus: Im Vergleich zu anderen Branchen ereignen sich in der Chemieindustrie relativ wenige Arbeitsunfälle mit Personenschäden.

Die Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern hat die Branche scheinbar erkannt. Doch wie sieht es mit den Kunden aus? Alles andere als verantwortungsvoll zeigten sich BASF, Degussa und Merck, die im November 2001 mit fünf weiteren Unternehmen von der EU-Kommission mit Rekordbußgeldern belegt wurden. Die acht Unternehmen hatten über Jahre hinweg im Vitamingeschäft illegale Preisabsprachen getroffen. Die EU sprach damals von dem schlimmsten Kartell, gegen das die Brüsseler jemals ermittelt hätten. Das Ergebnis des Corporate Responsibility Ratings zeichnet ein ambivalentes Bild der Chemiebranche. Die führenden Unternehmen sind auf dem rechten Weg, Umweltschäden von vornherein zu vermeiden und Risiken für Konsumenten und Öffentlichkeit zu minimieren. Die Schlusslichter der Branche haben noch einen weiten Weg zu integriertem Umweltschutz und Verantwortung.
Autor: oekom research AG
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Stand: 19. Mai 2002
Erstellt: 19. Mai 2002
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