Umweltjournal.de | Recycling und Entsorgung  | Artikel Nr.: 8754

Manager Magazin: Müllsammler mit Millionen-Mitgift





Hamburg/Köln/Düsseldorf, 22.07.2005: Der amerikanische Private-Equity-Fonds Kohlberg Kravis Roberts (KKR) hat für den Kauf der "Der Grüne Punkt - Duales System Deutschland AG" (DSD) deutlich weniger eigenes Kapital aufgewendet als bislang angenommen. Dies berichtet das Manager Magazin in seiner August-Ausgabe. KKR habe das DSD faktisch geschenkt bekommen.

"Von den 260 Millionen Euro Kaufpreis stammen nur rund 100 Millionen tatsächlich aus dem Geld von KKR-Investoren. Bei den übrigen 160 Millionen handelt es sich um Bankkredite, die KKR über eine Tochter namens Deutsche Umwelt Investment AG (DUI) aufgenommen hat. Rückwirkend zum 1. Januar 2005 hat KKR die Deutsche Umwelt Investment AG mit der DSD AG verschmolzen. Auf diese Weise erbt das DSD die 160 Millionen Euro Bankschulden und KKR entledigt sich eine Großteils seines Investitionsrisikos – ein beliebter Kniff in der Private-Equity-Branche", so das Hamburger Blatt.

Jetzt müsse der Fonds nur noch auf das eingesetzte Eigenkapital von 100 Millionen Euro eine angemessene Verzinsung erwirtschaften, die in der Regel bei über 20 Prozent liegt. Nach Einschätzung des Managers Magazin dürfte das nicht schwer fallen, denn KKR habe ein Unternehmen mit fürstlicher Mitgift übernommen. DSD-Vorstandschef Peter Zühlsdorff schätzt, "dass Ende 2005 noch gut 200 Millionen Euro an liquiden Mitteln in seiner Bilanz stehen werden" – trotz großzügiger Rückvergütungen und Treueprämien an die Lizenznehmer des Grünen Punktes aus der Konsumgüterwirtschaft.

Erich Greipl, DSD-Aufsichtsratschef und Geschäftsführer Metro Vermögensverwaltung, beauftragte im vergangenen Jahr Zühlsdorff mit der Suche des neuen Investors. Es gehöre zu den Merkwürdigkeiten der DSD-Übernahme, dass KKR wenige Tage nach Abschluss des Geschäfts den damaligen DSD-Vorstandschef Hans-Peter Repnik an die Luft setzt und durch Zühlsdorff ersetzt. "Eine ganze Reihe von Brancheninsidern hat für den Blitzverkauf des DSD eine logische Erklärung: Zühlsdorff und Greipl, womöglich sogar die Metro Vermögensverwaltung, seien insgeheim an dem KKR-Fonds beteiligt, der vom billigen DSD-Kauf profitiert", so das Manager Magazin.

Nach Auffassung des Kölner Journalisten Werner Rügemer brauche das radikale Vorgehen von KKR Verbündete innerhalb des übernommenen Unternehmens. "Und so werden - man könnte es zynisch 'Mitarbeiterbeteiligung' nennen - die bisherigen Geschäftsführer und Bereichsleiter in Kapitaleigner verwandelt. Wenn sie zum Kauf der Gesellschaftsanteile nicht genügend Geld haben, erhalten sie vom Finanzinvestor günstige Kredite", führt Rügemer aus. So wurden beim Tenovis-Engagement von KKR rund 70 Tenovis-Manager zu 'Unternehmern im Unternehmen'. Ein ehemaliger Vorstand eines großen Handelskonzern bestätigt die Praktiken von Investmentgesellschaften. "Firmenjäger belohnen Manager des übernommenen Unternehmens und auch Führungskräfte, die von außen in das gekaufte Unternehmen geholt werden".

Zühlsdorff weist diese Spekulationen zurück. Mit keinem Cent sei er bei KKR investiert. Gleiches gelte für Greipl. Wenn das Dementi stimmen sollte, müsste KKR doch deutlich von ihrem klassischen Übernahmemuster abgewichen sein. Das Wirtschaftsmagazin Criticón hat weitere Zusammenhänge beim Verkauf des DSD an KKR untersucht. "Als Beratungsfirma für die Übernahmeverhandlungen mit KKR wurde die Anwaltskanzlei Linklaters Oppenhoff & Rädler beauftragt. Die europäische Großkanzlei entstand 2001 aus einer Fusion von Oppenhoff & Rädler und Linklaters, einer der größten britischen Kanzleien. Der Kanzlei-Verbund ist nach Angaben des Informationsdienstes Thomson Financial der größte Rechtsberater für Fusionen und Unternehmenskäufe in Europa. Zu den Mandanten von Oppenhoff zählen unter anderem die Commerzbank, Ford und der Handelskonzern Metro", so Criticón. Interessant sei auch die Zusammensetzung des Aufsichtsrates der Deutschen Umwelt Investment AG. Im Handelsregister werde unter anderem Philipp Freise genannt.

"Neben dieser Funktion sitzt Freise zudem direkt im Aufsichtsrat der DSD AG. Auf der Internetseite des Grünen Punktes wird er als 'Fondsmanager' von KKR aufgeführt. Nur was hat der Fondsmanager vorher gemacht? "Freise studierte an der elitären wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung (WHU). Vorsitzender des Vorstands der Stiftung der WHU ist ein alter Bekannter: Prof. Dr. Dr. h.c. Erich Greipl. Stifter und Namensgeber der WHU – Otto Beisheim-Hochschule – ist Professor Dr. h. c. Otto Beisheim, der Metro-Gründer und Gesellschafter der Metro AG", führt Criticón weiter aus. Für Philipp Freise war die Privatuni immer schon Pionier in der Ausbildung von Unternehmern: "Ein bestimmter Kreis von Studenten und Professoren plante den Lehrstuhl schon 1996 in einer Vorlesung und bildete über die Jahre eine enge Community...", berichtet die Financial Times Deutschland.

In einem Jahresbericht der WHU wird eine Diskussionsveranstaltung zum Thema "Herausforderungen des Unternehmertums" mit interessanten Podiumsteilnehmern aufgeführt. Zu den Diskutanten zählten der damalige Metro-Manager Hans Dieter Cleven und Philipp Freise, der zu dieser Zeit Vorstandschef der New Econony-Firma Venturepark Incubator AG war. Zu den erfolgreichen Investitionen von Venturepark rechnete Freise das Geschenkeportal Geschenk24, das mit einer Metro-Tochter zu PrimusGeschenk24 fusionierte. Auch Sportgate, das kümmerlich gescheiterte Portal für den Massensport, an dem Boris Becker beteiligt war, ging aus dem Venturepark-Inkubator hervor. Hier taucht wieder der Schweizer Manager Hans-Dieter Cleven auf. Das ehemalige Aufsichtsratsmitglied der Metro-Holding AG sollte Beckers Partner bei allen geschäftlichen Projekten werden. Cleven galt als Vordenker des Metro-Konzerns, bei dem er lange Jahre Finanzchef war.

Wie passt das zusammen? Greipl, Zühlsdorff, Freise, Otto-Beisheim-Hochschule, Linklaters Oppenhoff & Rädler und KKR? KKR steht in den USA seit Jahren im Fokus investigativer Recherchen. Sarah Bartlett beschreibt in ihrem Buch "The Money Machine", wie KKR Macht und Profite organisiert. Wer Allianzen mit KKR schmiede, könne gut verdienen. Juristen hätten die Chance, durch KKR-Beteiligungen Multimillionär zu werden. Politiker könnten sich ihre Kampagnen-Kassen aufbessern lassen und mit Wall Street Prominenz verkehren. Auch Vorstandschefs werde es ermöglicht, durch Beteiligungsrechte an KKR-Firmen Millionen zu verdienen. Beim DSD kehren jedenfalls im Management härtere Methoden ein. Vor allen Dingen der Vertrieb solle auf Vordermann gebracht werden. "Vertrieb, das hieß beim DSD bislang: Standardverträge rausfaxen, Bestellungen entgegennehmen. Man war ja Monopolist", schreibt das Manager Magazin. 14 Jahre lang seien zudem alle Kunden gleichbehandelt worden. Damit sei seit Anfang Juli Schluss. "Jetzt gibt es A-, B- und C-Kunden. Die wenigen A-Kunden werden gehegt: Mitte Juni schloss DSD mit Unilever einen neuen langfristigen Entsorgungsvertrag und hielt den Konsumgüterkonzern mit günstigen Konditionen vom Wechsel zur Konkurrenz ab", berichtet das Manager Magazin. Ein Sachverhalt, der das Bundeskartellamt beschäftigt.

"Zur Zeit versucht der Grüne Punkt-Konzern mit Kampfpreisen seine marktbeherrschende Stellung genau dort zu verteidigen, wo die jungen Wettbewerber Kunden gewonnen haben", kritisiert ein Wettbewerbsrechtler gegenüber dem Onlinemagazin NeueNachricht. Das Preisverhalten der DSD AG sei kartellrechtlich höchst bedenklich und er fügt hinzu: "Es ist dem Marktbeherrscher verboten, Kunden gezielt Rabatte zu gewähren". Entweder werde der Rabatt allen eingeräumt oder keinem. "Die Konkurrenten von Unilever müssten eigentlich auf die Barrikaden steigen", sagt der Jurist. Die insgesamt 14.000 C-Kunden könnten nach Informationen des Manager Magazins jedenfalls nicht mit einem größeren Entgegenkommen rechnen. Um sie kümmere sich künftig ein zwölfköpfiges Call Center. Wie lange sich der Finanzinvestor KKR beim Müllkonzern DSD engagiert, steht noch in den Sternen. "KKR-intern hält man auch einen Verkauf an ein ausländische Entsorgungsunternehmen oder sogar ein Management-Buy-out für denkbar. Auf die geforderte Mindestrendite käme KKR bei jedem dieser Ausstiegsszenarien. Getreu der alten Händlerweisheit: Die Hälfte des Gewinns liegt im Einkauf", so das Manager Magazin.
Autor: Claudia Klemp
1806 Aufrufe
Stand: 1. März 2006
Erstellt: 22. Juli 2005

Weiterführende Informationen:

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