Inserate
Top-News Recycling und Entsorgung
Wer nicht trennt, zahlt doppelt
Thema Wertstofftonne in Berlin: Absage an kommunale oder private Monopolstrukturen
Illegalen Export von E-Schrott verhindern
Kunststoffrecycling hat Bewährungsprobe bestanden
Der Abstieg des Mehrweg-Weltmeisters: Umweltministerium kapituliert vor der Einweg-Flut - Geschäft mit PET-Flaschen für Discounter eine Goldgrube
Die Altpapier-Marktlage in und um Japan
Start der elektronischen Überwachung gefährlicher Abfälle zum 1. April 2010
Stoffliche Verwertung von Altholz ist in Gefahr
Wie aus Fäkalien blühende Landschaften werden
Bundesbürger für die "Gelbe Tonne"
Wettbewerb „Recyclingpapier-Champions 2010“ geht in das olympische Finale
Duales System funktioniert: Deutschland ist Recyclingweltmeister
NABU deckt skandalösen Umgang mit Abfall auf
Das Wunder von Leipzig 1989 - Keine Gewalt
Inhaltsverzeichnis der Rubrik: Recycling und Entsorgung
Studie ermittelt Wege zur Verbesserung des Lizenzierungsgrades von Verkaufsverpackungen
Essen ist „Recyclingpapier-freundlichste Stadt Deutschlands“ 2009
Müllwirtschaft: Monopole schaden der Volkswirtschaft
Müll-Kämpfe, Rädelsführer, Preisdumping und ein geheimnisvoller Entsorgungskonzern
Wem gehört der Verpackungsabfall? Bizarrer Streit um Müll
Inserate
Umweltjournal.de | Recycling und Entsorgung  | Artikel Nr.: 14941

Kritik an PVC-Recyclingzahlen: Verbrennung ist keine Verwertung – Branche weist Vorwürfe zurück

Bonn, 20.11.2008: Der Europäische Verein für PVC-Recycling (EUPV) in Bonn fährt schwere Geschütze gegen die PVC-Industrie auf: So rechne angeblich die Branche ihre Recyclingmengen schön und führe Politiker, Umweltverbände und die Recyclingwirtschaft hinters Licht. Auslöser der Kritik ist ein Schreiben Arbeitsgemeinschaft PVC und Recycling (AGPU). Dort werde verkündet, dass bundesweit 70 Unternehmen im vergangenen Jahr mehr als 200.000 Tonnen PVC werkstofflich recycelt haben.


"Diese Verwertungszahlen sind eine Frechheit. Im Fortschrittsbericht von vinyl 2010 stehen für Deutschland im Jahr 2007 nur 35.000 Tonnen als werkstofflich verwertete PVC-Mengen“, empört sich Rechtsanwalt Sebastian Frings-Neß, Vorsitzender des EUPV. Die auf der AGPU-Homepage veröffentlichten Verwertungszahlen würden einen an das Ausschlussprinzip wie bei Günther Jauchs „Wer wird Millionär“ erinnern. „Zu Beginn wird eine Studie erstellt, die die jährliche PVC-Abfallmenge errechnet. Im Rahmen einer retrograden iterativen Annäherung werden dann die tatsächlich nachgewiesenen Verwertungsmengen abgezogen. Weil kein PVC mehr auf der Strasse liegt, es auf Deponien nicht mehr abgelagert werden kann, muss es logischerweise in Müllverbrennungsanlagen rohstofflich verwertet worden sein“, vermutet Frings-Neß.

Das sei nicht nur Schönfärberei, sondern ökologisch höchst fragwürdig. „PVC setzt bei der Verbrennung Chlor frei und greift die Öfen der Müllverbrennungsanlage an. Bei den normalen Verbrennungstemperaturen bildet sich Dioxin, das durch die Umweltskandale in Seveso und Bhopal noch in furchtbarer Erinnerung ist. So überrascht es nicht, wenn MVA-Betreiber PVC-Abfälle strikt ablehnen“, sagt Frings-Neß.

AGPU und Vinyl 2010 weisen entschieden die Vorwürfe des Bonner Vereins zurück, dass Statistiken zu PVC-Recyclingzahlen in Deutschland durch die Industrie in gewisser Weise irreführend manipuliert worden seien. Auf der Grundlage der von der Marktforschungsgesellschaft Consultic durchgeführten Erhebung war es eine Gesamtmenge von 221.000 Tonnen PVC, die in Deutschland im Jahr 2007 werkstofflich recycelt wurde, teilen die beiden Organisationen mit und erklären weiter: „Aufgrund des langen Lebenszyklus vieler PVC-Anwendungen wie zum Beispiel von Rohren und Fensterrahmen ist der Anteil von PVC, der in den allgemeinen Abfall gelangen kann, zur Zeit immer noch äußerst gering. Kommunale Müllverbrennungsanlagen werden strengstens kontrolliert und reguliert. PVC ist nur einer von verschiedenen Einträgen zu dem Chloranteil von städtischem Abfall und daher werden Müllverbrennungsanlagen so konzipiert, dass sie sauren Rauchgasen standhalten“.

Unabhängige und gut dokumentierte wissenschaftliche Studien hätten zudem bewiesen, dass Emissionen von Dioxinspuren Ergebnis von Verbrennung des normalen Mülls ist, „unabhängig davon, ob PVC in der Mischung vorhanden ist oder nicht, und dass Emissionen von Dioxinen in die Atmosphäre über die vergangenen Dekaden dramatisch gefallen sind, während die Menge an produziertem PVC stark angestiegen ist“, so die AGPU und Vinyl 2010. „Bemerkenswert ist, das AGPU und Vinyl 2010 sich gemeinsam auf die Daten einer selbst in Auftrag gegebenen Studie beziehen. Es liegen weder national noch international Erhebungen unabhängiger Institutionen zur werkstofflichen PVC-Verwertung vor, auf die sich die deutschen und europäischen Interessenverbände der PVC-Industrie stützen können“, kontert der EUPV-Vorsitzende Frings-Neß.

Die in Auftrag gegebenen Zahlen des Marktforschungsunternehmens Consultic würden auf Stichproben basieren und seien mit Hilfe statistischer Mittel berechnet worden. „Die im Verwertungsszenario dargestellten Säulen der PVC Verwertung brechen bei näherer Betrachtung weitgehend zusammen. Die PVC-Industrie ist die einzige Branche, die mit der Verwertung von 144.000 Tonnen Produktionsresten aus der Verwendung von Primärmaterialien, ihre Recyclingquote beweist. Keine einzige europäische Recyclingverordnung lässt zu, Verwertungsquoten mit der Aufbereitung von Produktionsresten darzustellen. Das ist genau das gleiche, wenn die Verwertungsquote für Kunststoffe im Rahmen der Verpackungsverordnung durch das Recycling von Stanzresten aus der Produktion von Joghurtbechern belegt wird. Damit wird die PVC-Industrie einer Recyclingquote nach europäischen Maßstäben nicht gerecht“, moniert Frings-Neß.

Auf Rückfrage hätte die Dachorganisation der europäischen Grüne Punkt Systeme Pro Europe in Brüssel bestätigt, dass in keinem ihrer Mitgliedssysteme PVC- Verpackungen im Rahmen einer nationalen Verpackungsverordnung recycelt werden, da dieser Kunststoff den gesamten werkstofflichen und rohstofflichen Verwertungsprozess störe. PVC werde bei Verwertungsbetrieben und Produktionsanlagen für Ersatzbrennstoff extra durch hoch technisierte automatische Erkennungssysteme ausgetragen, um den weiteren Verlauf des Produktionsprozesses nicht zu behindern. „Vergleichbare Sortierprozesse finden auch bei Elektronikschrottverwertung und der Automobilaufbereitung statt“, erklärt Frings-Neß. PVC werde in der Regel aus dem Verwertungsweg ausgeschlossen. „Wohin verschwindet das gesammelte und aussortierte PVC? Eine Sortieranalyse gemischter Hartkunststoffballen für den asiatischen Exportmarkt aus dem Jahr 2007 kann weiteren Aufschluss geben. Zwischen 16 und 23 Prozent der als PE, PP und PS verkauften Mengen bestanden aus PVC, welches als Abfall besonders in ostasiatische Staaten exportiert wird“, sagt Frings-Neß.

Am 26. November 2008 wird es in Bonn zu dieser Problematik eine Tagung geben.
Thema: PVC – Rohstoff und Sorgenkind der Entsorger?
Ort: Internationales Informationszentrum für Umwelt, Abfall und Recycling.
Margaretenstr. 1, 53175 Bonn. Beginn um 9,30 Uhr. Siehe auch: http://www.ascon-net.de.


Redaktion

NeueNachricht
Gunnar Sohn
Ettighoffer Straße 26 A
53123 Bonn
Tel: 0228 – 620 44 74
Fax: 0228 – 620 44 75
Mobil: 0177 620 44 74
medienbuero@sohn.de
www.ne-na.de

Autor: neue nachricht

Weiterführende Informationen:


Die letzten 10 Meldungen zum Thema "PVC":
ÖKO-TEST Schulranzen - Armutszeugnis für die HerstellerÖKO-TEST Schulranzen - Armutszeugnis für die Hersteller
Frankfurt a. M., 25.03.2010: Meistens bringt schon der Osterhase den lang ersehnten Ranzen für Abc-Schützen. Ob der mit Rennautos, den "Wilden Kerlen", dem FC-Bayern-Wappen, Monstern oder anderen Motiven verziert sein soll, dazu haben Kinder ganz klare Vorstellungen.
Rettungsschirm für Recyclingbetriebe?Rettungsschirm für Recyclingbetriebe?
Bonn, 11.02.2009: Die weltweite Rezession und der dramatische Nachfrageeinbruch bei Recyclaten und Mahlgütern wirken sich immer bedrohlicher auf die Recyclingwirtschaft aus: „Schon heute stehen tausende Tonnen PVC Mahlgüter und Regenerate bei deutschen und europäischen Verwertern auf dem Hof und warten auf ihren Absatz", ...
PVC-Industrie mit KreislaufproblemenPVC-Industrie mit Kreislaufproblemen
Bonn/Brüssel, 04.12.2008: www.ne-na.de - Die europäische PVC-Industrie steht in den nächsten zehn Jahren nach Prognosen des Bonner Abfallexperten Sascha Schuh vor einer ihrer größten Herausforderungen. "Spätestens bis 2020 muss sie ihren Beitrag zu einer werkstoffliche Recyclingquote von mindestens 70% leisten", sagte Schuh auf der Bonner Fachtagung "PVC – Rohstoff und Sorgenkind der Entsorger".
Kritik an PVC-Recyclingzahlen: Verbrennung ist keine Verwertung – Branche weist Vorwürfe zurückKritik an PVC-Recyclingzahlen: Verbrennung ist keine Verwertung – Branche weist Vorwürfe zurück
Bonn, 20.11.2008: Der Europäische Verein für PVC-Recycling (EUPV) in Bonn fährt schwere Geschütze gegen die PVC-Industrie auf: So rechne angeblich die Branche ihre Recyclingmengen schön und führe Politiker, Umweltverbände und die Recyclingwirtschaft hinters Licht. Auslöser der Kritik ist ein Schreiben Arbeitsgemeinschaft PVC und Recycling (AGPU). Dort werde verkündet, dass bundesweit 70 Unternehmen im vergangenen Jahr mehr als 200.000 ...
Wie grün wird das iPhone?Wie grün wird das iPhone?
Hamburg, 17.01.2007: Seit letzter Woche ist die Welt informiert: Der Elektronikproduzent mit dem Apfellogo wird nach Computer (iMac) und MP3-Player (iPod) nun auch das Handy iPhone auf den Markt bringen. Für Greenpeace ein Grund ganz genau hinzuschauen. Denn im jüngsten Greenpeace-Ranking für grüne, also umweltfreundliche Elektronik rangiert Apple auf dem letzten Platz. Wird sich das beim Handy mit angebissenem Apfel ändern?
Biologische Invasionen im Ozean: was bestimmt den Erfolg?Biologische Invasionen im Ozean: was bestimmt den Erfolg?
Kiel, 10.01.2007: Über 10 Monate lang haben Studenten des internationalen Programms GAME (Global Approach by Modular Experiments) am Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) an Untersuchungen zur Stabilität von marinen Lebensgemeinschaften gearbeitet. Einzigartig an dem Ansatz ist die zeitgleiche Ausführung der Experimente in mehreren Ländern. Von Australien bis Finnland spannt sich das weltweite Netz der Daten.
Grüne Elektronik: Hersteller reagieren auf RanglisteGrüne Elektronik: Hersteller reagieren auf Rangliste
Hamburg, 07.12.2006: Elektroartikel werden demnächst wohl umweltfreundlicher, wie der neue Greenpeace-Ratgeber für saubere Elektronik verrät. Am Mittwoch haben wir die neuen Testergebnisse veröffentlicht, die zeigen, welche der großen Elektrohersteller bereit sind, sich für den Schutz der Umwelt zu engagieren. Als Sieger des Wettbewerbs geht Nokia hervor.
Mode ohne Chemie?Mode ohne Chemie?
Hamburg, 25.10.2006: Im November soll sie endlich kommen. Die langersehnte Entscheidung des Europäischen Parlaments im Streit um die Chemikalienreform Reach (Registrierung, Evaluierung und Autorisierung von Chemikalien). Dass Alltagsprodukte wie Textilien schon längst ohne umstrittene Chemikalien produziert werden können, zeigten Greenpeace und die Modekette Hennes & Mauritz (H&M) am Dienstag in Hamburg.
EU-Chemikalienpolitik - REACh wird wahrscheinlich nur auf dem Papier funktionierenEU-Chemikalienpolitik - REACh wird wahrscheinlich nur auf dem Papier funktionieren
Bonn/Brüssel, 06.09.2006: Die umstrittene EU-Verordnung über die Registrierung, Bewertung und Zulassung von Stoffen wird wahrscheinlich schon im kommenden Frühjahr in Kraft treten. Aufgrund zahlreicher Ungereimtheiten sind Startschwierigkeiten und volkswirtschaftliche Verluste programmiert.
Firmen-Ranking: Grüne Elektronik fehlt auf dem MarktFirmen-Ranking: Grüne Elektronik fehlt auf dem Markt
Hamburg, 26.08.2006: Ein Leitfaden zur Grünen Elektronik ist am Freitag von Greenpeace in Amsterdam vorgestellt worden. Das Ergebnis: Keiner der untersuchten Handy- und PC-Hersteller des Rankings erreicht eine grüne Bewertung. In der Rangliste sind 14 Unternehmen berücksichtigt. Bewertet wurde, wie viele schädliche Chemikalien sie einsetzen und ob sie Elektromüll recyclen. Der Leitfaden soll die ....

Stand: 20. November 2008
Erstellt: 20. November 2008