Umweltjournal.de | Politik und Wirtschaft  | Artikel Nr.: 84

Nächste Stufen der Ökologischen Steuerreform im Bundestag verabschiedet





Trotz heftigen Streits zwischen SPD und Grünen im Vorfeld hat der Deutsche Bundestag am späten Nachmittag des 11. November das Gesetz zur Fortführung der Ökologischen Steuerreform mit den Stimmen der Koalition verabschiedet.
Mehrere SPD Abgeordnete aus Nordrhein-Westfalen gaben eine persönliche Erklärung ab, in der sie ankündigten, einer evtl. Verlängerung der Steuerbefreiung für Gas- und Dampfturbinen(GuD)-Kraftwerke über den jetzt beschlossenen 10-Jahreszeitraum nicht zuzustimmen.

In einer Pressemeldung hatte die BUND-Vorsitzende Dr. Angelika Zahrnt am Tag der Abstimmung Teile der SPD scharf kritisiert: "Das Hickhack um die nächsten Stufen der Ökosteuerreform muss ein Ende haben. Wenn die Regierung ihre Ökosteuer-Chaos-Tage fortsetzt, redet sie sich selbst um Kopf und Koalition. Es ist ein haarsträubendes Beispiel für den anmaßenden Einfluss der Kohle-Lobby, dass die Zustimmung zu dem Gesetz bis zur letzten Minute auf der Kippe steht. Der Streit um die Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerke ist der Versuch, die gesamte Ökosteuerreform zum Scheitern zu bringen."

Aus Sicht des BUND ist die beschlossene Befreiung von GuD-Kraftwerken mit einem Wirkungsgrad über 57,5 Prozent von der Erdgassteuer differenziert zu beurteilen. Zunächst ist gegenüber einigen Medienberichten klarzustellen, dass es dabei nicht um eine Begünstigung des Erdgases gegenüber Kohle- und Atomstrom geht. Jeder in Großkraftwerken erzeugte Strom wird gleichmäßig mit der Stromsteuer in Höhe von derzeit 2Pf./kWh besteuert. Lediglich bei GuD-Kraftwerken wurde bisher zusätzlich die Erdgassteuer erhoben. Es lag also eine Doppelbesteuerung vor. Insofern ist die kommende Regelung aus Ökosteuer-Sicht zu begrüßen. Allerdings gibt es auch Befürchtungen, ein Zubau von GuD-Kraftwerken könnte Kraft-Wärme-Kopplungs(KWK)-Anlagen, die mit 80-90% Wirkungsgrad wesentlich effizienter sind, vom Markt drängen. KWK-Anlagen sind durch die Überkapazitäten auf dem Strommarkt und die Dumpingangebote der ehemaligen Monopolisten stark unter Druck geraten. Daher fordert der BUND eine stetig steigende Quote für den Absatz von Strom aus effizienten KWK-Anlagen.

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Details zum Gesetz zur Fortführung der ökologischen Steuerreform
Am 04.11. hatten sich die Koalitionsspitzen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen über die letzten strittigen Details im Gesetz zur Fortführung der ökologischen Steuerreform geeinigt.

    Die Steuererhöhungen der vier Stufen jeweils am 1. Januar 2000 bis 2003:
  • Benzin: viermal 6 Pfennige/Liter
  • Strom: viermal 0,5 Pfennige/Liter
  • Senkung des Rentenversicherungsbeitrag bis 2003 um weitere ca. 0,6 - 1,0 Prozentpunkte.


    Die Detailregelungen:
  • Hocheffiziente Gas- und Dampfturbinen(GuD)-Kraftwerke mit einem Wirkungsgrad über 57,5% werden von der Mineralölsteuer für das eingesetzte Erdgas befreit.
  • Die bestehende Mineralöl- und Stromsteuerbefreiung für Kraft-Wärme-Kopplungs(KWK)-Anlagen mit einer Leistung bis 700 Kilowatt wird auf Anlagen bis 2000 Kilowatt erweitert.
  • Große KWK-Anlagen über 2000 kW werden von der Mineralölsteuer befreit, sofern der Nutzungsgrad in einem Monat über 70% liegt. Davon sollen Anlagen profitieren, die nur in den Wintermonaten durch den Absatz von Fernwärme einen hohen Wirkungsgrad erreichen.
  • Behindertenwerkstätten und die Teichwirtschaft erhalten die gleichen Ermäßigungen wie das produzierende Gewerbe und die Landwirtschaft.
  • Die zusätzliche Mineralölsteuer auf Diesel bei der Bahn und bei Bussen im öffentlichen Nahverkehr wird um 50% ermäßigt.
    Zunächst nicht geändert wurden folgende Regelungen:
  • Die Landwirtschaftspolitiker/innen der Koalition fordern eine geringere Ökosteuer-Belastung für die Landwirtschaft. Hierzu wurde zunächst nur ein Prüfauftrag erteilt.
  • Die von der Koalition geplante und vom BUND geforderte Ökosteuer-Befreiung für Strom aus erneuerbaren Energien wurde nicht umgesetzt - dies soll mit Inkrafttreten der dritten Stufe nachgeholt werden.
  • Die Ermäßigungen für das produzierende Gewerbe sollen überarbeitet und mit dem EU-Beihilferecht in Einklang gebracht werden. Der BUND fordert, dass dies ebenfalls spätestens bis zum 1. Januar 2001 geschieht.


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Neuerscheinung: Ökosteuer-Buch von Carsten Krebs und Danyel Reiche

Die beiden Sozialwissenschaftler und Mitglieder im BUND-Arbeitskreis Wirtschaft und Finanzen Dr. Danyel Reiche und Dr. Carsten Krebs stellten am 11. November in Berlin ihr neues Buch "Der Einstieg in die Ökologische Steuerreform" vor. Darin wird die 20jährige Geschichte der Ökologischen Steuerreform nachgezeichnet und speziell der gesetzliche Aushandlungsprozeß der rot-grünen Bundesregierung unter Berücksichtigung der Einflußnahmen von Verbandsvertretern analysiert. Das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Forschungsprojekt ist im Verlag Peter Lang erschienen. Die Autoren haben bereits 1998 unter der Herausgeberschaft von BUND, DNR und NABU ein Buch über die Ökologische Steuerreform verfaßt.
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Kontakt:
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)
Referat Wirtschafts- und Finanzpolitik
Matthias Seiche, Im Rheingarten 7, 53225 Bonn
mail:redaktion@oeko-steuer.de
Autor: Uschi Latz
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Stand: 25. März 2003
Erstellt: 22. August 2000

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