Umweltjournal.de | Politik und Wirtschaft  | Artikel Nr.: 588

Aug’ um Auge: Da wird die ganze Welt blind





{b1l}1. Krieg im Atomzeitalter
Wenn Krieg geführt wird, ist die Frage nach dem Frieden von existenzieller Bedeutung.


Welche Vision vom Frieden kann jetzt im Angesicht der zerstörten Sicherheits-Utopie in den USA bestehen?
Die geistigen Stahlhelme, die jetzt aufgesetzt werden, der Kulturkampf gegen das Böse, zu dem jetzt geblasen wird, werden sie unsere Ohren gegenüber den Hilferufen der Armen vollends verstopfen?

{b2l}Wir leben im Atomzeitalter! Ein Krieg kann das Ende der Menschheit bedeuten.
Bei bisherigen Kriegen konnten wir immer davon ausgehen, dass die Menschheit als Species überlebt. Diese Erwartung erfüllte sich beim Ersten Weltkrieg bei „nur“ 15 Millionen Toten und beim Zweiten Weltkrieg bei „nur“ 60 Millionen Toten.
Aber: 70.000 Tote in wenigen Stunden in Dresden reichten noch nicht. Und 100.000 Tote in Hiroshima in wenigen Minuten sowie 80.000 Tote in Nagasaki reichten immer noch nicht.
Danach begann erst richtig das Wettrüsten mit ABC-Waffen. Heute haben wir weit mehr Sprengstoff als Nahrungsmittel auf unserer geschundenen Erde. Mit den angehäuften Vernichtungswaffen können wir alle Menschen etwa 30mal auslöschen. Auch dieser Krieg gegen den Terrorismus kann und wird eskalieren!

{b3l}Welche Vision vom Frieden kann jetzt im Angesicht der zerstörten Sicherheits-Utopie in den USA bestehen?
In dieser dramatischen Situation nach den furchtbaren Terroranschlägen in New York und Washington braucht ein US-Präsident primär Besonnenheit. Er hat eine einmalige Herausforderung zu meistern.
    Sie heißt:
  • keine Rache, die den Prinzipien der Gerechtigkeit widerspricht;
  • kein Krieg gegen die Zivilbevölkerung;
  • kein Frontkrieg gegen die islamische Welt;
  • UNO und Völkerrecht endlich stärken;
  • humanitäre Hilfe in Afghanistan hat Vorrang.

Schutz vor weiterem Terrorismus und andererseits keine unbedachte Eskalation der Gewalt. Kann George W. Bush diese Aufgabe bewältigen? Schon der erste Militärschlag am letzten Wochenende soll 25 Menschenleben gekostet haben. Vom Präsidenten hängt es jetzt hauptsächlich ab, ob die USA in ihrer Trauer wüten oder in ihrer Wut trauern werden.

Als Gouverneur von Texas hat der 43. US-Präsident die höchste Zahl von Todesstrafen aller US-Bundesstaaten gebilligt. Er befürwortet die Todesstrafe noch heute. Das heißt: Er begrüßt, dass Menschen selber sich zu Herren über Leben und Tod machen. Kann dieser Präsident Racheaktionen hinreichend widerstehen?

Wird er seine verständlichen Rachegefühle so verarbeiten können, dass daraus eine konstruktive Friedenspolitik, ja sogar eine neue Kultur des Friedens erwachsen kann? Eine Chance auch inmitten dieser schrecklichen Krise! Immerhin hat George W. Bush Lernfähigkeit bewiesen. Schon einen Tag, nachdem er das schreckliche Wort „Kreuzzug“ gebraucht hatte, nannte er den Islam eine „Religion des Friedens“.

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Autor: Franz Alt
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Stand: 25. März 2003
Erstellt: 18. Oktober 2001

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