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Umweltjournal.de | Artikel Nr.: 78

Bundestag beschließt die Ökosteuer

Bonn - Der Bundestag hat die erste Stufe der ökologischen Steuerreform beschlossen. Zum 1. April werden demnach Benzin und Dieselkraftstoff um sechs Pfennig je Liter teurer.
Bonn - Der Bundestag hat die erste Stufe der ökologischen Steuerreform beschlossen. Zum 1. April werden demnach Benzin und Dieselkraftstoff um sechs Pfennig je Liter teurer. Strom kostet dann zwei Pfennig pro Kilowattstunde mehr. Höher besteuert werden auch Heizöl und Gas. 332 Abgeordnete stimmten für das Gesetz. 299 waren dagegen. Enthaltungen gab es nicht.

Vorausgegangen war eine hitzige Debatte zwischen Regierung und Opposition.

Finanzminister Lafontaine nannte die Reform ein zentrales Projekt der Moderne und warf der Opposition "unsachliche Polemik" vor. In Verantwortung für die kommende Generation sei es eine wichtige Aufgabe, die Arbeit zu entlasten und den Umweltverbrauch zu belasten. CDU/CSU, FDP und PDS bestritten jegliche Umweltschutzwirkung dieser Reform.

Mit dem Ökosteueraufkommen 1999 von 8,4 Milliarden Mark für dieses Jahr sollen die Rentenbeiträge um 0,8 Punkte auf 19,5 Prozent gesenkt werden. Alle drei Stufen sollen die gesetzlichen Sozialbeiträge von jetzt 42,3 Prozent um 2,4 Punkte auf unter 40 Prozent drücken. Das Gesetz sieht aber Ausnahmen vor: So soll die Belastung des produzierenden Gewerbes und der landwirtschaftlichen Unterglasbetriebe mit Steuersätzen von 20 Prozent gemildert werden. Beim Strom sinkt der Steuersatz auf 50 Prozent oder einen Pfennig für Nachtspeicherheizungen und Bahnen im Nah- und Fernverkehr.

Die CDU warf der rot-grünen Regierung vor, sie kämpfe auf der falschen Ebene. Die "chaotischen Gesetzesvorhaben" würden weder dem Wirtschaftsstandort Deutschland helfen noch profitierten die Bürger davon, sagte CDU-Generalsekretärin Angela Merkel. Die Energiebesteuerung müsse auf europäischer Ebene geregelt werden, nicht im Alleingang. Die Bundesregierung hätte in ihrer Ratspräsidentschaft die besten Chancen gehabt, hier eine Harmonisierung voranzubringen.

Merkel bestritt, daß die Reform ökologische Lenkungseffekte zeigen werde. Diese Meinung werde von vielen Sachverständigen geteilt. Dies zeige auch die Tatsache, daß es keine Ausnahmeregelung für den öffentlichen Personennahverkehr gebe. "Was ist das für ein Signal für die, die von der Senkung der Lohnnebenkosten nicht profitieren?" Zu ihnen zählten gerade Rentner und Sozialhilfeempfänger, die öffentliche Verkehrsmittel besonders stark nutzten. Der umweltpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Reinhard Loske, sicherte diesen Gruppen zu, daß in den Stufen zwei und drei eine Entlastung vereinbart werden müsse.

PDS-Fraktionschef Gregor Gysi sagte, die Ökosteuerreform habe diesen Namen nicht verdient. Die Koalition stelle sich selbst eine Falle: "Wenn wirklich weniger Energie verbraucht wird, woher nehmen Sie dann das Geld für die Rentenversicherung", fragte er. "Dann müssen Sie dazu aufrufen, mehr Energie zu verbrauchen." Der FDP-Finanzpolitiker Carl-Ludwig Thiele bezichtigte die Koalition eines eklatanten Vertrauensbruchs gegenüber der Wirtschaft. Alle Betriebe würden belastet, auch diejenigen, die aufgrund freiwilliger Selbstverpflichtungen ihren Energieverbrauch bereits deutlich verringert hätten.

Scharfe Kritik aus der Wirtschaft

Vor der Debatte kritisierten erneut führende Vertreter der deutschen Wirtschaft und die Steuerpläne der rot-grünen Bonner Koalition. Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel, sagte der "Bild"-Zeitung, alle Unternehmen sowie alle in-und ausländischen Investoren seien der Meinung, die Steuerbeschlüsse kosteten "massiv" Arbeitsplätze. Das sei jetzt allen klar, nur Finanzminister Lafontaine mit seinen Beratern nicht.
Autor: André Sepeur

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Stand: 25. Maerz 2003
Erstellt: 22. August 2000