Vorratsdatenspeicherung: Bundesverfassungsgericht verhandelt Massenklage

Murnau a. Staffelsee: 17.12.2009: Bundesbürger unter Generalverdacht - Vorratsdatenspeicherung grundgesetzwidrig? Przyklenk und Brückner raten zur Prophylaxe: "Seien Sie geizig mit Ihren persönlichen Daten". Seit gestern geht es in Karlsruhe um die umstrittene Speicherpflicht für Telefon- und Internetverbindungsdaten.
Rund 60 Verfahren muss der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts verhandeln. Mehr als 34.000 Menschen haben sich zu der bisher größten Massenklage in der Geschichte des Gerichts gemeldet. Unter den Klägern befinden sich auch Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und der ehemalige Innenminister Gerhart Baum.
Die Kläger wenden sich dagegen, dass sensible Kommunikationsdaten gänzlich unverdächtiger Bürger für sechs Monate gespeichert werden und für Polizei und Geheimdienste abrufbar sind, zum Beispiel zur Verfolgung schwerer Straftaten, aber auch zur Gefahrenabwehr, was immer man darunter zu verstehen hat.
Obwohl die Inhalte der Gespräche nicht aufgezeichnet werden, halten die Kläger schon alleine die Speicher haben die Aufgabe, vorübergehend ein Gut, eine Energie oder Informationen so lange vorzuhalten, bis eine Nutzung möglich ist, also einen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage herzustellen. Speicherung der Verbindungsdaten für unzumutbar, denn damit seien Bewegungsprofile und sogar Persönlichkeitsprofile zu erstellen. Bei der gestrigen Anhörung in Karlsruhe machten Professoren, der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar, aber auch der Chaos C. (bzw. allgemein Mikroelektronik) sind in Sachen Umwelt Helfer und Sünder zugleich. Computer Club ihre Bedenken geltend. Außerdem, so Peter Schaar, speicherten die Netzbetreiber mehr als nötig. So würde beispielsweise bei den Smartphones, die fast ständig im Netz seien, alle 15 Minuten der Standort des Nutzers gespeichert. Das ergebe ein lückenloses Bewegungsprofil.
Für die Terrorismus- und Verbrechensbekämpfung sei die Speicher haben die Aufgabe, vorübergehend ein Gut, eine Energie oder Informationen so lange vorzuhalten, bis eine Nutzung möglich ist, also einen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage herzustellen. Speicherung der Verbindungsdaten von PC und siehe Stichwort "Mobilfunk"Handy nicht sehr tauglich, meinen die Experten, denn es gebe genügend Kommunikationskanäle, die nicht überwacht würden. Man müsse nur an ein normales Münztelefon gehen. Polizeibehörden und Staatsanwaltschaften sind naturgemäß anderer Meinung.
Peter Schaar sagte im MDR, die Richter stünden vor einem ganz komplizierten Abwägungsprozess. Die Vorratsdatenspeicherung geht nämlich auf eine EU-Richtlinie zurück, die vom Europäischen Gerichtshof gebilligt wurde. Europarecht geht vor deutschem Recht. Andererseits müssen die Regeln mit dem Grundgesetz vereinbar sein. Schaar sagte weiter, er halte das gesamte System für unverhältnismäßig.
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Die letzten 10 Meldungen zum Thema "Datenschutz":
Facebook missachtet DatenschutzBerlin, 07.04.2010: Unterstützung bei ihrer Kritik an Facebook erhält Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner durch den Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Der vzbv wirft dem weltgrößten Online-Netzwerk vor, wiederholt und wissentlich datenschutzrechtliche Bestimmungen zu missachten.
Vorratsdatenspeicherung: Staat muss Vorbild seinBerlin, 03.03.2010: Informationelle Selbstbestimmung ist Schlüssel für souveränes Handeln - "Klares Signal aus Karlsruhe". Zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Vorratsdatenspeicherung erklärt Gerd Billen, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv): "Die Richter in Karlsruhe haben ein klares Signal gegeben:
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Skandalwelle im Datenschutz rollt - „Kursbuch Datenschutz“Murnau, 26.11.2009: Kursbuch Datenschutz mit Information und zahlreichen Tipps zum Schutz vor Datenklau. Obwohl die neue Regierung einige Verfehlungen der Datenschutzgesetzgebung korrigieren möchte, reißen die Datenschutzpannen nicht ab. Mittlerweile kann nahezu jeder Bürger davon ausgehen, dass er irgendwann Opfer einer solchen Panne wird. Und dabei handelt es sich beileibe nicht immer um die kriminelle Tat eines Einzelnen wie jüngst im Falle des Netzwerks SchülerVZ.
Datenskandal - Postbank hält Zusage nicht einBerlin, 02.11.2009: Freie Handelsvertreter haben weiter Zugriff auf Girokontodaten von Millionen Postbank-Kunden. Bereits am Dienstag hatte Postbank-Sprecher Joachim Strunk erklärt, dass die Datenbanken dicht seien.
Vom gläsernen Menschen zum mündigen BürgerMurnau, 01.10.2009: Fast wäre es im Sommerloch aus Politskandälchen und Dauerkrise übersehen worden: Die Europäische Union plant, US-amerikanischen Terrorfahndern den Zugriff auf sensible Bankverbindungsdaten aus dem europäischen Finanzraum zu ermöglichen. Mit dem Anschlag auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 wurde eine neue Zeitrechnung in der Terrorbekämpfung und der staatlichen Datensammelwut eingeläutet.
Datenerhebung außer KontrolleKarlsruhe, 04.09.2009: Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der Universität Regensburg haben Dienste im Internet analysiert und massive Defizite aufgedeckt. Ihr Ergebnis: Zwar existieren meist hinreichende Datenschutzgesetze, doch niemand kümmert sich darum, dass sie eingehalten werden.
Soziale Netzwerke mit mangelndem Fair-Play?Berlin, 15.07.2009: Der Verbraucherzentrale Bundesverband nimmt die Anbieter Sozialer Netzwerke ins Visier. Gegen die Plattformen MySpace, Facebook, lokalisten.de, wer-kennt-wen.de und Xing leitete der Verband Unterlassungsverfahren ein. "Die Bedeutung Sozialer Netzwerke nimmt stetig zu. Jetzt müssen die Betreiber ihre Hausaufgaben in Sachen Verbraucherschutz machen", so Vorstand Gerd Billen.
Der gläserne Mensch - Zwischen Forschung und SchwarzmarktBonn, 04.04.2009: Die neueste Ausgabe der GESIS-Reihe "Recherche Spezial" beschäftigt sich mit der Problematik personenbezogener Daten im Spannungsverhältnis von informationeller Selbstbestimmung und Informationsfreiheit, in dessen Mitte sich der Datenschutz bewegt.
Google Street View ist rechtswidrigKiel, 04.10.2008: Seit einigen Tagen werden immer wieder PKWs mit einem Kameraaufbau in Schleswig-Holstein gesichtet. Die Fa. Google erfasst damit Bildersequenzen von öffentlichen Straßen im Land, um diese Bilder über den Dienst "Google Street View" im Internet bereitzustellen. Das Thema wurde in dieser Woche im Innen- und Rechtsausschuss des Schleswig-Holsteinischen Landtags behandelt.
Stand: 17. Dezember 2009
Erstellt: 17. Dezember 2009
Erstellt: 17. Dezember 2009




















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