Umweltjournal.de | Ernaehrung und Landwirtschaft  | Artikel Nr.: 527

Naturland zertifiziert die weltweit ersten Öko-Shrimps





Gräfelfing – Shrimps mit Chloramphenicol – allen Fans der köstlichen Salzkrebse liegt die Warnung des nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministeriums vor verseuchten konventionellen Shrimps aus China noch schwer im Magen.

Naturland stellt die Alternative vor: Öko-Shrimps, aufgezogen nach ökologischen Richtlinien. Der gemeinnützige Verband, ein international tätiger Öko-Zertifizierer mit 22.000 Mitgliedern, hat weltweit einmalig Richtlinien für die ökologische Shrimpszucht erstellt. Eine Erfolgsgeschichte, die Naturland jetzt ganz neu mit eindrucksvollen Zahlen belegt.

Die öffentliche Warnung aus Düsseldorf vor vermutlich 20 Tonnen Garnelen aus konventioneller Mast ist nicht der einzige Shrimps-Alarm. Immer wieder haben in der Vergangenheit Verbraucherschutzorganisationen und Umweltschützer davor gewarnt, dass die intensive Mast von Shrimps die Umwelt schädigen, Wasser verschmutzen, Mangrovenwälder zerstören und die menschliche Gesundheit bedrohen kann. Problematisch ist unter anderem der Einsatz von Medikamenten, die den Ausbruch von Krankheiten bei den auf engstem Raum gehaltenen Tieren verhindern soll. Unverantwortlicher Gebrauch von Antibiotika und Chemotherapeutika lässt die Gefahr der Entstehung resistenter Krankheitserreger steigen.

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Verbotenes Antibiotikum
Das Antibiotikum Chloramphenicol, das jetzt in chinesischen Shrimps gefunden wurde, ist seit 1994 in der gesamten EU als Tierarzneimittel verboten. Nach Aussagen des Bundesinstitutes für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) kann jede Konzentration im Lebensmittel eine Gefahr für die Gesundheit darstellen. Deshalb werden für diesen Stoff in Lebensmitteln keine Grenzwerte festgelegt.

Shrimps nach Öko-Richtlinien
In der Ökologischen Aquakultur – der Haltung und Zucht wasserlebender Tierarten nach ökologischen Richtlinien – ist vorbeugender Medikamenteneinsatz nicht gestattet. Antibiotika sowie der Einsatz der Gentechnologie sind in der Aquakultur verboten. Grundsatz ist, dass Aquafarming nachhaltig betrieben wird. Das heißt: Die Umwelt darf keinen Schaden nehmen, der Wasserverbrauch muss in Grenzen gehalten werden, die Lebensgrundlagen der Menschen dürfen weder jetzt noch für die Zukunft beeinträchtigt werden. Ziel der Projekte ist es auch, neben den ökologischen Aspekten soziale Kriterien für die Menschen einzubeziehen, die auf Shrimpsfarmen arbeiten.

Die ersten Öko-Shrimps in Europa
Naturland hat als erster deutscher Öko-Verband Richtlinien für die Aquakultur entwickelt. Bei dieser langwierigen Arbeit waren internationale Experten – unter anderem von der deutschen GTZ – und Shrimpsfarmer beteiligt. Wie wichtig diese Entwicklung für Südamerika ist, wird u.a. dadurch belegt, dass es an südamerikanischen Universitäten heute bereits Vortragsveranstaltungen gibt, die sich mit der ökologischen Shrimpszucht befassen. Von der ersten von Naturland zertifizierten Öko-Shrimpsfarm in Ecuador (Bahía de Caraquéz/Prov. Manabí) wurden bereits 10 Container (à jeweils 20 Tonnen) mit Öko-Shrimps nach England verschifft.

Boom für Öko-Shrimps
Weitere fünf Farmen stehen in Ecuador vor der Erstinspektion, darunter auch ein reiner Zuchtbetrieb, der die Larven für die Öko-Shrimps züchtet. In Nordperu gibt es weitere Interessenten, eine Farm steht auch hier bereits vor der Erstinspektion. Der Boom für Öko-Shrimps findet nicht nur in Südamerika statt. Auch in Südostasien verläuft die Entwicklung rasant: In Südvietnam stehen 1.500 Hektar Shrimpsteiche vor der Zertifizierung durch Naturland. Besonders interessant ist ein Projekt, an dem 1.000 vietnamesische Kleinbauern beteiligt sind. Interessierte Abnehmer sind die Schweiz und England. Auf Java steht ein vergleichbares Projekt mit ca. 700 Kleinbauern ebenfalls vor der Erstinspektion. Diese Öko-Shrimps sollen nach Schweden und Japan gehen.
In Deutschland sollen Öko-Shrimps ebenfalls in absehbarer Zeit im Handel zu haben sein. Erste Proben sind schon importiert, der Handel kann jetzt einsteigen. Dann hat der Verbraucher endlich auch hier die Wahl, sich für ein Öko-Produkt zu entscheiden. Möglicherweise steht den köstlichen Garnelen dann hier eine ähnliche Erfolgsgeschichte bevor, wie sie schon der von Naturland zertifizierte Öko-Lachs erlebt hat.
Autor: Naturland
2122 Aufrufe
Stand: 24. März 2003
Erstellt: 6. September 2001
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