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Zu früh für Entwarnung bei BSE

Bonn, 25.11.2004: "Auch wenn in Deutsch-land und der gesamten Europäischen Gemeinschaft umfangreiche Schutzmaß-nahmen gegen BSE in Kraft sind, ist frühestens im kommenden Jahr mit einem Rückgang der BSE-Fälle in Deutschland als Folge der Vorsorgemaßnahmen zu rechnen." Darauf wies der Staatssekretär im Bundesverbraucherministerium, Alexander Müller, anlässlich des morgigen vierten Jahrestages des ersten BSE-Falles in Deutschland hin.

Die Bovine Spongiforme Enzephalopathie (BSE) ist eine langsam voranschreitende und schließlich zum Tode führende Erkrankung des zentralen Nervensystems bei erwachsenen Rindern, die erstmals Ende 1986 im Vereinigten Königreich nachgewiesen wurde und inzwischen bis auf Schweden in allen alten Mitgliedstaaten der EU sowie in Polen, Slowenien, der Slowakei und der Tschechischen Republik, aber auch z.B. in Kanada und Japan aufgetreten ist.

Seit Bestätigung des ersten BSE-Falls eines in Deutschland geborenen Rindes am 26. November 2000 wurden in Deutschland mehr als zehn Millionen BSE-Schnelltests durchgeführt. Die meisten der bisherigen BSE-Fälle wurden durch ein spezielles Überwachungsprogramm bei Tieren gefunden, die verendet waren, not- oder krankgeschlachtet wurden oder klinische Erscheinungen aufwiesen. Insgesamt wurden mit Stand 09.11.2004 in Deutschland 350 BSE-Fälle festgestellt (2000 = 7, 2001 = 125, 2002 = 106, 2003 = 54, 2004: bislang 58). In allen Bundesländern, mit Ausnahme von Hamburg, Bremen und Berlin, traten bisher BSE-Fälle auf.

Zur Minimierung des Risikos wurden in allen Bereichen von Haltung, Schlachtung und Verarbeitung von Wiederkäuern umfangreiche Schutzmaßnahmen getroffen. „Diese Schutz- und Überwachungsmaßnahmen ergänzen sich und gewährleisten nach dem derzeitigen Stand des Wissens den größtmöglichen gesundheitlichen Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher“, erklärte der Staatssekretär.

Im einzelnen stützen sich Maßnahmen auf folgende Regelungen:

Nach Ansicht der Experten werde sich wegen der langen Inkubationszeit von BSE erst ab dem kommenden Jahren zeigen, wie schnell die BSE-Schutzmaßnahmen, die ab dem Jahr 2000 eingeführt worden sind, nun greifen. „Aus diesem Grund lehnt das Bundesverbraucherministerium zum jetzigen Zeitpunkt alle Versuche, die Schutzmaßnahmen zu lockern, als verfrüht ab“, unterstrich Müller. So habe der Bundesrat wiederholt gefordert, das Testalter für Schlachtrinder von 24 auf 30 Monate anzuheben. Auf EU-Ebene wurde vorgeschlagen, Fischmehl wieder zur Verfütterung an Rinder zuzulassen, was nach Ansicht der Bundesregierung die Kontrollierbarkeit des Verfütterungsverbotes für Tiermehl verschlechtere.

"Ein Verfütterungsverbot für tierisches Eiweiß an Rinder muss unabhängig von der weiteren Entwicklung der Krankheit dauerhaft bestehen bleiben. Der vorsorgende Verbraucherschutz muss hier absoluten Vorrang haben. Erst wenn die eingeleiteten Maßnahmen Wirkung zeigen, kann darüber gesprochen werden, ob jedes Rind ab 24 Monaten gestestet werden muss“, erklärte Staatssekretär Müller, „Hier besteht noch sehr viel Forschungsbedarf.“ So werde im rahmen des TSE-Forschungskonzepts intensiv nach den Ursachen, den Übertragungswegen und Bekämpfungsmöglichkeiten geforscht. Am Friedrich-Löffler-Institut für Tiergesundheit wurde das Institut für neue und neuartige Tierseuchenerreger errichtet, das im Dezember 2001 seine Arbeit aufnahm.

Damit wurde das bisherige Referenzlabor für BSE- und Scrapie-Diagnostik zu einem nationalen TSE-Forschungszentrum ausgebaut. Nach umfangreichen Umbauten zur Errichtung eines Sicherheitsstalles werden auf der Insel Riems erstmals in Deutschland BSE-Infektionsversuche an Rindern durchgeführt. Von ihnen verspricht man sich neue Erkenntnisse über die Entstehung und Ausbreitung der Krankheit im Körper. Darüber hinaus dient der Versuch der Gewinnung von Proben aus der Inkubationsphase der Krankheit, die für die Entwicklung von Testmethoden, auch Lebendtests, von essentieller Bedeutung und anderweitig nicht verfügbar sind.

Autor: Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, Bonn

Weiterführende Informationen:



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Stand: 25. November 2004
Erstellt: 25. November 2004