Umweltjournal.de | Ernaehrung und Landwirtschaft  | Artikel Nr.: 7075

Niemnutzung in Kuba






Kooperationsprojekt zur Nutzbarmachung der Rohstoffpotenziale des Niembaums in Kuba

Köln, 11.08.2004: Seit 2001 unterstützt das KATALYSE Institut im Rahmen eines von der EU-Kommission kofinanzierten Kooperationsprojektes den kubanischen Kleinbauernverband ANAP beim Aufbau einer ersten Verarbeitungsanlage für Niemsamen. Praxispartner ist die landwirtschaftliche Kooperative Amistad Cuba-no-Búlgara etwa 60 km südlich von Havanna in der Gemeinde Güines.


Angesichts der Tatsache, dass diese Verarbeitungsanlage kurz vor der Fertigstellung steht, wurde kürzlich in der kubanischen Presse über die Bemühungen berichtet, Niem-Rohstoffe für den biologischen Pflanzenschutz nutzbar zu machen. Diesen an die breite Öffentlichkeit gerichteten Artikel wollen wir hier auch in deutscher Sprache zugänglich machen.

Ein guter Schattenspender

ALDO MADRUGA (Übersetzung Regine M. A. Rehaag)

Alle Bäume sind gut, aber wegen des vielfältigen Nutzens für den Menschen sind einige von besonderer Bedeutung und werden immer unverzichtbarer. Der Niembaum gehört unzweifelhaft zur zweiten Gruppe. Mit dieser botanischen Spezies erzielt man die besten Ergebnisse im Pflanzenschutz gegen Insekten, Milben und Nematoden, die die landwirtschaftliche Produktion weltweit bedrohen.

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Eine Wirksamkeit gegen mehr als 360 Pflanzenschädlinge wurde in internationalen Studien nachgewiesen. Kubanische Forschungen haben in den letzten zehn Jahren zeigen können, dass die auf Niembasis entwickelten Pflanzenschutzmittel eine hervorragende Wirkung gegen 25 Schädlinge haben, die die Geißel unserer Landwirtschaft darstellen. Diese Produkte stehen als effizienzgeprüfte Alternativen im Rahmen des Programms zum integrierten Pflanzenschutz zur Verfügung.

Der Ertrag der Niempflanzungen in Güines reicht nicht aus, um die Verarbeitungsanlage auszulasten, deshalb werden Rohstoffe aus anderen Regionen des Landes dazu genommen.

Mit den aus dieser botanischen Spezies hergestellten Biopräparaten können die Kohlschädlinge landesweit in Schach gehalten werden, aber auch die weiße Fliege, Tomaten-, Reis-, Tabak- und Gurken-Schädlinge, Blattläuse und Würmer verschiedener Spezies und auch Flöhe, Läuse, Zecken und andere Ektoparasiten die Rinder, Geflügel, Schafe oder Kaninchen befallen.

Die Verbreitung der agro-ökologischen Nutzung von Niem in Kuba wurde vom Institut für Grundlagenforschung der Tropischen Landwirtschaft (Instituto de Investigaciones Fundamentales en Agricultura Tropical - INIFAT) befördert. Zwischen 1904 und 1909 hat die ehemalige Landwirtschaftliche Forschungsstation Santiago de las Vegas, die dort lag, wo sich heute das besagte wissenschaftliche Zentrum befindet, drei Niembäume eingeführt, die 1990 als Basis dienten, um diese Art landesweit zu vervielfältigen, auf schätzungsweise anderthalb Millionen Bäume im nächsten Jahr.

Die erste Verarbeitungsanlage

In der Kooperative Amistad Cubano-Búlgara (Gemeinde Güines) wird gerade eine Verarbeitungsanlage fertig gestellt, die über eine Kapazität für 3.000 t Niemsamen jährlich verfügt, aber auch aus den Niemblättern phytosanitäre Produkte und 400 Tonnen verschiedener Aufbereitungen herstellen kann.
Wie Pedro Perera Gómez, Präsident der betreffenden Kooperative der Granma mitgeteilt hat, ist die erste Anlage mit industrieller Verarbeitungskapazität des Landes schon zu mehr als 90 Prozent fertig gestellt, mit der Hilfe von zwei Nichtregierungsorganisationen aus Europa, eine davon mit Sitz in Spanien, die andere in Deutschland.
Perera erläutert weiterhin, dass sie Rohstoffe aus dem Rest des Landes erhalten, speziell aus Pinar del Rio und Holguin – Provinzen mit beachtlichen Niemvorkommen, da die Niem-Pflanzungen der Kooperative nicht ausreichen, um die Anlage mit Rohstoffen zu versorgen.
Seit Oktober 1997 verfügt die Kooperative über eine Baumschule zur Vermehrung von Niem, die jetzt auch zur Obstbaumvermehrung benutzt wird. Im Juli und im August (die beiden Erntemonate) findet die erste Ernte der Früchte statt.
Der Setzling bleibt drei Monate in der Baumschule, danach wird er ausgesetzt, ab dem vierten Jahr können die Früchte geerntet werden. Pro Baum lassen sich rund 25 kg jährlich ernten, eine Ausbeute die sich auf den 42 Hektar, die die Kooperative 1998 angepflanzt hat, noch nicht erzielen ließ, da die Pflanzungen noch sehr jung sind.
Die Verarbeitung von Niemsamen ist der Kaffeeaufbereitung sehr ähnlich: das Fruchtfleisch wird entfernt, der Samen getrocknet, geschält, je nach angestrebtem Produkt gemahlen und bestimmte Komponenten extrahiert. Die Verarbeitungsanlage kann auch Soja und Sonnenblume verarbeiten und ihr Öl extrahieren, sowie Gewürzkonzentrate herstellen.
Der Baum, der ein wertvolles Holz gibt, braucht keine hochwertigen Böden und erfordert, außer im ersten Jahr, auch keine aufwendige Betreuung. Laut Einschätzung von Experten sollte jede Gemeinde des Landes wenigstens auf einen Hektar dieser Spezies zählen.

Originaltext: Granma
Autor: KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung
3064 Aufrufe
Stand: 23. März 2005
Erstellt: 11. August 2004

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