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Bundesamt schützt Pestizidproduzenten

Hamburg/Köln, 03.09.2003: Es ist giftig, schwer abbaubar und kommt fast überall vor: in Äpfeln, Butter, Wurst, Schokolade und Muttermilch. Die Rede ist von Nonylphenol. Greenpeace und unabhängige Wissenschaftler vermuten, dass durch den Einsatz von Spritzmittel die Gifte, die Nonylphenol (NP) oder Nonylphenolethoxylate (NPE) enthalten, in zahlreiche Lebensmittel gelangen.

Der Skandal dabei: Das Bundesamt für Verbaucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) weigert sich seit April 2002 die Namen der von ihm zugelassenen Pestizide mit NP und NPE zu nennen. Deshalb reichte Greenpeace am Dienstag beim Verwaltungsgericht in Köln Klage gegen das Bundesamt ein.

"Das Amt gehört zum Bundesministerium für Verbraucherschutz, aber es schützt nicht Verbraucher und Landwirte vor Dauergiften, sondern die Gift-Geheimnisse der Pestizid-Produzenten vor der Öffentlichkeit", so Manfred Krautter, Chemie-Experte von Greenpeace. "Wir klagen für die Verbraucher, um die Namen der Spritzmittel zu erfahren."

Im April 2002 war Nonylphenol erstmals bei Rückstandsuntersuchungen in Lebensmitteln und in Muttermilch nachgewiesen worden. Das BVL in Braunschweig weigert sich seitdem, das Dauergift zu verbieten. Nonylphenol ist das Abbauprodukt von NPE. Das Dauergift NP selbst ist nur schwer abbaubar. Es kann das menschliche Immunsystem schädigen, das Hormonsystem stören und sich in der Muttermilch anreichern.

Jährlich produziert die chemische Industrie weltweit 700.000 Tonnen Nonylphenol. Sechs Prozent davon finden Verwendung in Pestiziden. Allein in Deutschland werden so jährlich 500 Tonnen NPEs in der Landwirtschaft direkt auf Obst, Gemüse und Getreidepflanzen gespritzt und gelangen umgewandelt zu Nonylphenol in die Lebensmittel.

Nonylphenolethoxylate können heute schon ersetzt werden. Doch die Pestizidproduzenten wollen sich damit bis mindestens 2005 Zeit lassen. Solange kann der Stoff weiterhin ins Essen und in die Umwelt gelangen. Besonders gefährdet sind Schwangere, Babys und Kleinkinder. Krautter: "Wir brauchen endlich ein neues EU-Chemikalienrecht, mit dem solche Dauergifte grundsätzlich vom Markt verbannt werden." Greenpeace tritt grundsätzlich für eine Landwirtschaft ohne Pestizide ein.


Engagierte Verbraucher haben die Möglichkeit, sich über das Greenpeace-EinkaufsNetz für gesunde Lebensmittel ohne Rückstände einzusetzen. Bislang unterstützen 30.000 Menschen das Netz und beteiligen sich an bundesweiten Aktionen für mehr Qualität in Lebensmitteln.

Autor: Greenpeace e.V.

Weiterführende Informationen:



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Stand: 3. September 2003
Erstellt: 3. September 2003