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Klimaschutz mit Messer und Gabel

Baden-Baden, 19.12.2009: Das Thema wurde auf dem Klimagipfel in Kopenhagen ausgeklammert, ja geradezu tabuisiert: Unser täglicher Fleischkonsum! Das weltweit zunehmende Fleischessen und die dafür notwendige Tierzucht verursachen schon heute mehr Treibhausgase als alle Autos dieser Welt zusammen. Schon der heilige Benedikt von Nursia warnte vor 1.500 Jahren vor zu viel Fleischgenuss. Übertriebener Fleischkonsum mache aus jeder Gesellschaft ein Massenkrankenhaus.


Heute ist etwa die Hälfte unserer Krankheiten auf falsche, zu fette Ernährung zurückzuführen. Ein deutscher Mensch verspeist im Laufe seines Lebens durchschnittlich 22 Schweine, sieben Rinder, 20 Schafe, 600 Hühner sowie zusätzlich Wildtiere und Fische. Unser Fleischhunger ist so grenzenlos wie unsere Respektlosigkeit gegenüber den Tieren in der Massentierhaltung.

Noch vor 50 Jahren war es für Katholiken selbstverständlich, am Freitag kein Fleisch zu essen. Doch in der Zwischenzeit gilt die tägliche Fleischportion als Wohlstandsymbol.

Doch wie so oft beginnt das Umdenken nicht in der Politik, sondern von unten: Die Zahl der Vegetarier hat sich in Deutschland seit dem Jahr 2.000 beinahe verdoppelt.

Oder: in der belgischen Stadt Gent verzichten Zehntausende Bürger einmal die Woche auf Fleisch. Und das kam so: Der Vorsitzende des Weltklimarats Rajenda Pachauri hielt vor 600 Bürgern in Gent einen Vortrag über Fleischkonsum und Klimabelastung.

18% aller Treibhausgase entstehen durch die Tierzucht, erfuhren die erschrockenen Bürger. Der indische Friedensnobelpreisträger rechnete vor, dass schon ein einmaliger Fleischverzicht pro Woche 170 Kilogramm CO2 pro Jahr einspare.

Das heißt: Wenn alle 240.000 Bürger von Gent sich nur an einem Tag in der Woche vegetarisch ernähren, könnte man die Emissionen von 18.000 Autos wettmachen.


Beginnt Klimaschutz also bei Messer und Gabel?

In Gent rief die Stadtverwaltung den „Vegetarischen Donnerstag“ aus. Hundert Gastwirte bieten am Donnerstag nur fleischlose Gerichte an. Alle kommunalen Küchen machen es ebenso. Dem “Donderdag veggiedag“ haben sich inzwischen zwei weitere Großstädte angeschlossen, aber auch die 10-Millionen-Metropole Sao Paulo in Brasilien.

Hunderte Journalisten aus der ganzen Welt haben über die neue vegetarische Bewegung berichtet. Motto: Weniger Fleisch – weniger Treibhausgase.

Wenn Gent Schule macht, bedeutet dies: Weniger Futteranbau, weniger Rodung des Urwalds, weniger Kohlendioxid.


Bild: © Thorsten Freyer, PIXELIO

Autor: Franz Alt

Weiterführende Informationen:


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Stand: 19. Dezember 2009
Erstellt: 19. Dezember 2009