Umweltjournal.de | Ernaehrung und Landwirtschaft  | Artikel Nr.: 16248

Giftige Currywurst





München, 02.11.2009: Greenpeace entdeckt Pestizide in Curry-Gewürz, Paprikapulver und Petersilie - Strafanzeige gegen Metro. Vorsicht ist auch bei Gewürzen geboten, warnt die Umweltorganisation Greenpeace. Die Pestizidbelastung von getrockneten Kräutern und Gewürzen hat sich nach Untersuchungen von Greenpeace im Vergleich zum Vorjahr nicht gebessert: Mehr als ein Viertel der 37 Proben aus konventionellem Anbau musste Greenpeace als "nicht empfehlenswert" (rot-Wertung) einstufen. Besonders stark belastet sind Paprika- und Currypulver sowie getrocknete Petersilie.


So wird in getrockneter Petersilie der Marke TiP, einer Eigenmarke von Metro, die gesetzlich festgelegte Höchstmenge überschritten. Die Probe stammt von Real, einer Supermarktkette der Metro-Handelsgruppe, in Hamburg. Greenpeace hat Strafanzeige gegen Metro erstattet. Frische Kräuter sind im Vergleich zu 2008 nur noch gering belastet.

"Mit einer Prise Paprika oder Curry, wie sie auf der Currywurst landet, streut man sich einen Giftcocktail von bis zu 20 verschiedenen Chemikalien aufs Essen", sagt Manfred Santen, Chemie-Experte von Greenpeace. Darunter befinden sich gesundheitsgefährdende Wirkstoffe wie das als Nervengift wirkende Chlorpyrifos-Ethyl (Wirkung Hemmstoff der Cholinesterase) und das die Fortpflanzung beeinträchtigende Carbendazim. Selbst das in der EU verbotene Pestizid DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) wurde in einer Curry-Probe nachgewiesen.

Betrachtet man nur Paprikapulver, so ist die Hälfte der Proben mit rot zu bewerten ("nicht empfehlenswert"). 2008 waren es 30 Prozent. Von getrockneter Petersilie musste ebenfalls die Hälfte der Proben mit rot bewertet werden. Im Vorjahr waren es sogar 67 Prozent. Mehr als 60 Prozent der frischen Petersilie enthält hingegen keine Pestizide. 2008 gab es keine frische Petersilie ohne Pestizidnachweis. Seit 2007 beobachtet Greenpeace einen Trend hin zu geringeren Rückständen bei Obst und Gemüse - ein Erfolg der Greenpeace Kampagne "Stoppt Gift im Essen". Auf getrocknete Kräuter und Gewürze trifft diese Entwicklung noch nicht zu. "Greifen Sie lieber zu Bioprodukten", sagt Santen, "bei allen bisherigen Tests weisen sie keine oder nur äußerst geringe Pestizidrückstände auf. Sie sind daher die beste Empfehlung für gesundes Essen."

Greenpeace hat bei dem Test einen schweren Mangel im Verbraucherschutz aufgedeckt: Belastungen bei Gewürzmischungen wie Currypulver sind ähnlich hoch wie bei Gewürzen, jedoch gibt es hierfür keine Grenzwerte. Nach einer Einstufung für Gewürze müsste eine Probe Currypulver von Galeria Kaufhof (Metro-Gruppe) mit rot bewertet werden. Greenpeace fordert von der EU-Kommission und Verbraucherministerin Aigner, umgehend gesetzlich bindende Grenzwerte für Pestizide in Gewürzmischungen einzuführen.

Insgesamt wurden 44 Proben Petersilie, Schnittlauch, Curry- und Paprikapulver, davon sieben aus biologischem Anbau, Anfang September 2009 gekauft. Sie stammen aus Filialen der sechs führenden deutschen Supermarktketten und einem Biosupermarkt in Berlin, Hamburg, Köln, München und um Frankfurt am Main.

Bild: Fotolia
Autor: Natur + Kosmos
1833 Aufrufe
Stand: 2. November 2009
Erstellt: 2. November 2009

Weiterführende Informationen:

Weitere Meldungen zum Thema "Pestizide, Gift":

Achtung: Umweltjournal.de übernimmt keine Haftung für veröffentlichtes Textmaterial der Autoren. Die Artikel unterliegen dem Urheberrecht der Autoren und sind nur nach ausdrücklicher Genehmigung frei zum weiterverarbeiten!

Webmaster: André Sepeur
© 1999 - by André Sepeur Medienberatung
plan-verde.de



Social Bookmarks
Newsletter bestellen
Seien Sie immer bestens informiert! Hier können Sie den Tagesrückblick bestellen >
Folgen Sie uns nach Facebook


Inserate
Top-News Ernährung und Landwirtschaft
Trinkwasser: Note Trinkwasser: Note "sehr gut" für deutsches Trinkwasser
Trinkwasser: Note
Bonn, 02.02.2012 (aid): In Deutschland hat das Trinkwasser eine sehr gute Qualität. Das hat ein aktueller Bericht des Bundesministeriums für Gesundheit und des Umweltbundesamts bestätigt.
Weiterlesen
Josef Ackermann bricht sein Versprechen: Keine Entscheidung über den Ausstieg aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln Josef Ackermann bricht sein Versprechen: Keine Entscheidung über den Ausstieg aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln
Josef Ackermann bricht sein Versprechen: Keine Entscheidung über den Ausstieg aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln
Berlin, 31.01.2012: Entgegen ihrer Ankündigung entscheidet die Deutsche Bank nicht bis Ende Januar über den Ausstieg aus der Nahrungsmittel-Spekulation.
Weiterlesen
Legehennen: Kommission greift durchLegehennen: Kommission greift durch
Legehennen: Kommission greift durch
Die Europäische Kommission greift bei der mangelnden Umsetzung des Käfigverbots für Legehennen durch.
Weiterlesen
Trügerische Landidylle bei Teekanne & CoTrügerische Landidylle bei Teekanne & Co
Trügerische Landidylle bei Teekanne & Co
Berlin, 27.01.2012: Land-Bockwurst, Land-Gurken und Landlust-Tee: Immer mehr Produkte werden als "Land"-Lebensmittel beworben. Tatsächlich steckt dahinter in der Regel nur Standard-Industrieware aus billigen Zutaten und Aromastoffen.
Weiterlesen
Fischen ohne Grenzen: Ein Drittel der Weltmeere durch Fischerei geschädigtFischen ohne Grenzen: Ein Drittel der Weltmeere durch Fischerei geschädigt
Fischen ohne Grenzen: Ein Drittel der Weltmeere durch Fischerei geschädigt
Hamburg, 25.01.2012: Die Fangflotten der Weltfischerei breiten sich über den gesamten Globus aus und hinterlassen dabei Spuren. Seit 1950 haben sie ihren zerstörerischen Aktionsradius verzehnfacht: 100 Millionen Quadratkilometer werden so intensiv befischt, dass die Ökosysteme bereits stark geschädigt sind. Das entspricht einem Drittel der Oberfläche des gesamten Weltmeeres.
Weiterlesen
Demonstration „Wir haben es satt!“ – 23000 verlangen von Merkel Neuausrichtung der AgrarpolitikDemonstration „Wir haben es satt!“ – 23000 verlangen von Merkel Neuausrichtung der Agrarpolitik
Demonstration „Wir haben es satt!“ – 23000 verlangen von Merkel Neuausrichtung der Agrarpolitik
Berlin, 22.01.2012: 23000 Menschen haben heute in Berlin gegen Lebensmittelskandale, Gentechnik im Essen und Tierquälerei in Megaställen und für eine bäuerliche, ökologische und zukunftsfähige Landwirtschaft demonstriert.
Weiterlesen
Grüne Gentechnik und Grüne Woche: Regierung fördert mit 400 Millionen EuroGrüne Gentechnik und Grüne Woche: Regierung fördert mit 400 Millionen Euro
Grüne Gentechnik und Grüne Woche: Regierung fördert mit 400 Millionen Euro
Berlin, 21.01.2012: Zum Start der „Grünen Woche“ und der geplanten Großdemonstration unter dem Motto „Wir haben es satt!“ am Samstag in Berlin, kritisiert der WWF die Förderpolitik der Bundesregierung.
Weiterlesen
Gentechnik-Industrie will umstrittenen Gentechnik-Industrie will umstrittenen "Goldenen Reis" ohne ausreichende Prüfung der Risiken einführen
Gentechnik-Industrie will umstrittenen
Berlon, 19.01.2012: Das Vorzeigeprojekt der Gentechnik-Industrie, der umstrittene "Goldene Reis", soll nach mehr als zehn Jahren der Produktentwicklung 2013 auf den Markt kommen.
Weiterlesen
Sonntagsbraten für die MülltonneSonntagsbraten für die Mülltonne
Sonntagsbraten für die Mülltonne
Berlin, 18.01.2012: WWF-Expertin: „Als würden wir die Ernte eines Ackers von der Größe Mecklenburg-Vorpommerns einfach wegwerfen.“ Pro Person und Jahr landen in Deutschland rund 80 Kilogramm Nahrungsmittel auf dem Müll.
Weiterlesen
Landesregierung NRW startet Datenbank für Einsatz von Antibiotika in der Hähnchenmast – Kritik an Bundesministerin AignerLandesregierung NRW startet Datenbank für Einsatz von Antibiotika in der Hähnchenmast – Kritik an Bundesministerin Aigner
Landesregierung NRW startet Datenbank für Einsatz von Antibiotika in der Hähnchenmast – Kritik an Bundesministerin Aigner
Düsseldorf, 12.01.2012: Nordrhein-Westfalen zieht weitere Konsequenzen aus den Ergebnissen der Antibiotika-Studie. Als erstes Bundesland hat NRW heute die deutschlandweit erste Datenbank zum Einsatz von antimikrobiellen Substanzen in der Hähnchenmast gestartet.
Weiterlesen
Inserate
Inserate
Jobbörse