Umweltjournal.de | Ernaehrung und Landwirtschaft  | Artikel Nr.: 15181

Grüne Woche: Von wegen Grün





Berlin, 16.01.2008: Mit einer überdimensionierten Kuh hat der WWF zum Auftakt der Grünen Woche ein klimafreundliches Umsteuern in der Agrarpolitik gefordert. Als Früchte und Gemüse verkleidete WWF-Aktivisten verteilten vor dem Eingang Luftballons mit der Aufschrift "Landwirtschaft klimafreundlich machen!" Hintergrund der Aktion: Der Anteil der Landwirtschaft an den klimaschädlichen Treibhausgasen liegt weltweit bei mindestens 14 Prozent – und damit genauso hoch wie in den Bereichen Transport und Industrie.


"Trotzdem stellen sich die Landwirtschaftsverbände gerne als grün und umweltfreundlich dar. Aber auch von ihnen brauchen wir ein klares Bekenntnis zum Klimaschutz und einen Plan, wie die Landwirtschaft die selbst verursachten Klimagase zurückfahren will“, sagt WWF-Agrarexperte Matthias Meißner. Die Politik müsse die Bauern dabei finanziell unterstützen und wo nötig mit Gesetzen Verbesserungen erzwingen.

Die Landwirtschaft emittiert die drei Treibhausgase Kohlendioxid, Methan und Lachgas. Besonders problematisch sind Methan und Lachgas. Sie sind um ein Vielfaches klimaschädlicher als CO2: Eine Tonne Methan entspricht in ihrer klimaschädlichen Wirkung 21 Tonnen Kohlendioxid, Lachgas ist sogar 310mal so klimawirksam. Lachgas entsteht unter anderem in Böden, die mit stickstoffhaltigen Düngern behandelt wurden, Methan in der Viehhaltung durch Wiederkäuer wie Rinder und Schafe.

„Wenn die Landwirtschaft konsequent klimafreundlich arbeitet, kann sie viel zum Schutz des Weltklimas beitragen, und zwar schon mit relativ einfachen Maßnahmen“, sagt WWF-Experte Meißner. So lasse sich der Ausstoß von Lachgas und Methan drastisch reduzieren, indem Mist und Gülle in geschlossenen Behältern gelagert würden. Beides müsse zudem in großem Umfang in dezentralen Biogasanlagen verarbeitet werden. Aus Sicht des WWF muss außerdem die Düngungspraxis viel effizienter werden. Um übermäßiges Düngen einzudämmen, könnte beispielsweise auch eine Stickstoff-Steuer helfen.

In Europa ist die Landwirtschaft für neun Prozent aller Treibhausgase verantwortlich, in Deutschland für sechs Prozent. Allerdings sind dies nur die direkten Emissionen. WWF-Experte Meißner: „Rechnet man hinzu, wie viele Klimagase etwa durch den Import von Futtermitteln entstehen, ist die Bilanz wesentlich schlechter. Denn oft werden Wälder gerodet und Moore trockengelegt, um Viehfutter zu erzeugen. Bei diesen Landnutzungsänderungen entstehen weltweit noch einmal 18 Prozent aller Klimagase.“


Bild: © Natalia Giza / WWF
Autor: WWF Deutschland
1945 Aufrufe
Stand: 16. Jänner 2009
Erstellt: 16. Jänner 2009

Weiterführende Informationen:

Weitere Meldungen zum Thema "Klimaschutz, Landwirtschaft":

Achtung: Umweltjournal.de übernimmt keine Haftung für veröffentlichtes Textmaterial der Autoren. Die Artikel unterliegen dem Urheberrecht der Autoren und sind nur nach ausdrücklicher Genehmigung frei zum weiterverarbeiten!

Webmaster: André Sepeur
© 1999 - by André Sepeur Medienberatung
plan-verde.de



Social Bookmarks
Newsletter bestellen
Seien Sie immer bestens informiert! Hier können Sie den Tagesrückblick bestellen >
Folgen Sie uns nach Facebook


Inserate
Top-News Ernährung und Landwirtschaft
foodwatch verklagt Unilever - Becel pro.activ mit unklaren Risiken und Nebenwirkungen foodwatch verklagt Unilever - Becel pro.activ mit unklaren Risiken und Nebenwirkungen
foodwatch verklagt Unilever - Becel pro.activ mit unklaren Risiken und Nebenwirkungen
Berlin, 07.02.2012: Die Verbraucherorganisation foodwatch hat beim Landgericht Hamburg Unterlassungsklage gegen den Nahrungsmittelkonzern Unilever eingereicht.
Weiterlesen
Trinkwasser: Note "sehr gut" für deutsches TrinkwasserTrinkwasser: Note "sehr gut" für deutsches Trinkwasser
Trinkwasser: Note "sehr gut" für deutsches Trinkwasser
Bonn, 02.02.2012 (aid): In Deutschland hat das Trinkwasser eine sehr gute Qualität. Das hat ein aktueller Bericht des Bundesministeriums für Gesundheit und des Umweltbundesamts bestätigt.
Weiterlesen
Josef Ackermann bricht sein Versprechen: Keine Entscheidung über den Ausstieg aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln Josef Ackermann bricht sein Versprechen: Keine Entscheidung über den Ausstieg aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln
Josef Ackermann bricht sein Versprechen: Keine Entscheidung über den Ausstieg aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln
Berlin, 31.01.2012: Entgegen ihrer Ankündigung entscheidet die Deutsche Bank nicht bis Ende Januar über den Ausstieg aus der Nahrungsmittel-Spekulation.
Weiterlesen
Legehennen: Kommission greift durchLegehennen: Kommission greift durch
Legehennen: Kommission greift durch
Die Europäische Kommission greift bei der mangelnden Umsetzung des Käfigverbots für Legehennen durch.
Weiterlesen
Trügerische Landidylle bei Teekanne & CoTrügerische Landidylle bei Teekanne & Co
Trügerische Landidylle bei Teekanne & Co
Berlin, 27.01.2012: Land-Bockwurst, Land-Gurken und Landlust-Tee: Immer mehr Produkte werden als "Land"-Lebensmittel beworben. Tatsächlich steckt dahinter in der Regel nur Standard-Industrieware aus billigen Zutaten und Aromastoffen.
Weiterlesen
Fischen ohne Grenzen: Ein Drittel der Weltmeere durch Fischerei geschädigtFischen ohne Grenzen: Ein Drittel der Weltmeere durch Fischerei geschädigt
Fischen ohne Grenzen: Ein Drittel der Weltmeere durch Fischerei geschädigt
Hamburg, 25.01.2012: Die Fangflotten der Weltfischerei breiten sich über den gesamten Globus aus und hinterlassen dabei Spuren. Seit 1950 haben sie ihren zerstörerischen Aktionsradius verzehnfacht: 100 Millionen Quadratkilometer werden so intensiv befischt, dass die Ökosysteme bereits stark geschädigt sind. Das entspricht einem Drittel der Oberfläche des gesamten Weltmeeres.
Weiterlesen
Demonstration „Wir haben es satt!“ – 23000 verlangen von Merkel Neuausrichtung der AgrarpolitikDemonstration „Wir haben es satt!“ – 23000 verlangen von Merkel Neuausrichtung der Agrarpolitik
Demonstration „Wir haben es satt!“ – 23000 verlangen von Merkel Neuausrichtung der Agrarpolitik
Berlin, 22.01.2012: 23000 Menschen haben heute in Berlin gegen Lebensmittelskandale, Gentechnik im Essen und Tierquälerei in Megaställen und für eine bäuerliche, ökologische und zukunftsfähige Landwirtschaft demonstriert.
Weiterlesen
Grüne Gentechnik und Grüne Woche: Regierung fördert mit 400 Millionen EuroGrüne Gentechnik und Grüne Woche: Regierung fördert mit 400 Millionen Euro
Grüne Gentechnik und Grüne Woche: Regierung fördert mit 400 Millionen Euro
Berlin, 21.01.2012: Zum Start der „Grünen Woche“ und der geplanten Großdemonstration unter dem Motto „Wir haben es satt!“ am Samstag in Berlin, kritisiert der WWF die Förderpolitik der Bundesregierung.
Weiterlesen
Gentechnik-Industrie will umstrittenen "Goldenen Reis" ohne ausreichende Prüfung der Risiken einführenGentechnik-Industrie will umstrittenen "Goldenen Reis" ohne ausreichende Prüfung der Risiken einführen
Gentechnik-Industrie will umstrittenen "Goldenen Reis" ohne ausreichende Prüfung der Risiken einführen
Berlon, 19.01.2012: Das Vorzeigeprojekt der Gentechnik-Industrie, der umstrittene "Goldene Reis", soll nach mehr als zehn Jahren der Produktentwicklung 2013 auf den Markt kommen.
Weiterlesen
Sonntagsbraten für die MülltonneSonntagsbraten für die Mülltonne
Sonntagsbraten für die Mülltonne
Berlin, 18.01.2012: WWF-Expertin: „Als würden wir die Ernte eines Ackers von der Größe Mecklenburg-Vorpommerns einfach wegwerfen.“ Pro Person und Jahr landen in Deutschland rund 80 Kilogramm Nahrungsmittel auf dem Müll.
Weiterlesen
Inserate
Inserate
Jobbörse