Umweltjournal.de | Ernaehrung und Landwirtschaft  | Artikel Nr.: 14336

Zwei Weltstars mit Doppelleben





München, 29.06.2008: Beide führen ein zweites Leben jenseits von Bühne und Filmset: Joe Cocker züchtet in Colorado Tomaten und Rinder, Gérard Depardieu lässt in seinen Pariser Restaurants mit Bio-Lebensmitteln kochen und baut Landwein an. Was für eine Begrüßung! "Joe", ruft sein Manager entzückt, "guck mal, wer hier ist." Joe guckt, eilt begeistert quer durch die Halle des Hotel Meurice in Paris.


Erstickt meine Proteste in einer gewaltigen Schraubzwingen-Umarmung. Dann aber plötzlich - große Verlegenheit. Betretenes Schweigen. Ein Irrtum war's. Eine Verwechslung. Es gibt eine Doppelgängerin! Nur wer sie ist, und was mit ihr war, verschweigen mir die beiden.

Joe - das ist Joe Cocker, die große Rock-Legende, der größte weiße Blues-Sänger aller Zeiten, der Mann mit der unverkennbaren wilden, rostig-röhrenden Stimme. Ein Urgestein. Mit viel Bauch und wenig Haar, einem zerlebten Gesicht und hinreißendem Blick. Ein bisschen ironisch, sehr melancholisch und im Moment ganz furchtbar gierig. Joe hat Kuchen entdeckt. Berge von Kuchen. Schokoladen-, Creme-, Zitronenschnitten. Er umkreist das Buffett, stöhnt, lacht schräg mit diesem satten Schuss Gosse.

Kuchen mache ihn ganz verrückt, sagt er. Diese Gier auf Süßes und dieser Bauch - verschämt zeigt er auf die nette Wölbung unter seinem pinkfarbenen T-Shirt - das sei die Rache seines Körpers, weil er ihn all die Jahre so heruntergewirtschaftet habe. Diese Jahre, über die er eigentlich nicht mehr sprechen mag. Die Siebziger, in denen er volltrunken und vollgekifft von der Bühne fiel, von der Polizei in L.A. von der Straße gesammelt und eingelocht wurde, ihm das Geld in der Kehle zerrann und er üppige Schecks zerriss, ins Klo spülte und einfach total von der Rolle war.

Seit vier Jahren ist er clean, raucht und trinkt nicht und ist verdammt stolz, dass er diesen Ausstieg allein geschafft hat. Ohne Klinik, ohne Psychiater - und ohne Rückfall wie bei früheren Versuchen. Gestützt hat ihn seine Frau Pam, von der er viel und liebevoll spricht. Einmal hat sie ihm diesen vernichtenden Satz entgegengeschleudert: "Du hast dir dein Gehirn weggesoffen." Das hat ihn hart getroffen.

Pam verdankt er auch einen ganz anderen, bewussteren Blick auf die Natur. Vor mehr als zehn Jahren entdeckte sie ihr Herz für eine mehr als 160 Hektar große, ziemlich heruntergewirtschaftete Farm in der Nähe von Crawford in Colorado. Zwei Jahre dauerte es, bis sie daraus einen Farmbetrieb gemacht hatten, der auch Erträge abwirft. Auf der sie Watussi Rinder züchten. Und Joe sich an seltenen Tomatenarten versucht. Im Treibhaus gezogen und für den Verzehr bestens geeignet.

Wo immer er auftritt, besorgt er sich Samen. Zwanzig verschiedene Tomatensorten sind so zusammen gekommen. Nur die Black Krim - lilabraun mit großen Früchten - hat er noch nicht im Griff. Ja, sagt er, wenn man sich von dem ganzen Zirkus fernhält, fällt es gar nicht so schwer, ungesunde Gewohnheiten über Bord zu werfen. Er versucht es. Sechs Monate im Jahr zumindest. Auf der Mad Dogs Ranch, nach seinem frühen Erfolgsalbum "Mad Dogs and Englishmen" genannt, lebt er gesund. Kümmert sich darum, was er isst und woher es kommt. Und auch deshalb ist er beim Festival "Rock for Nature" in Schwäbisch Hall gegen genmanipuliertes Saatgut dabei. (...)

HEIKE GÄTJEN

(Weiter lesen können Sie in der Juli-Ausgabe von natur+kosmos.)
Autor: Natur + Kosmos
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Stand: 29. Juni 2008
Erstellt: 29. Juni 2008

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