Umweltjournal.de | Ernaehrung und Landwirtschaft  | Artikel Nr.: 14196

Fruchtzucker-Unverträglichkeit: Strikter Verzicht auf Obst häufig unnötig





Bonn, 30.05.2008: Etwa drei von zehn Deutschen leiden unter einer Fruktosemalabsorption und vertragen Fruchtzucker nur eingeschränkt. Warum diese Krankheit häufig unterschätzt und falsch behandelt wird, erläuterte die Ernährungsberaterin Christiane Schäfer, Hamburg, auf der Frühjahrstagung des Verbandes für Unabhängige Gesundheitsberatung (UGB) Mitte Mai 2008 in Gießen. Fruchtzucker kommt nicht nur in Früchten vor, sondern auch in Haushaltszucker, Honig und anderen Süßungsmitteln.


Die Lebensmittelindustrie setzt seit einiger Zeit vermehrt solche fruktosereichen Süßungsmittel ein, beispielsweise in Diabetikerlebensmitteln, Wellnessgetränken oder Ketchup. Auch in Produkten mit der Aufschrift "zuckerfrei" darf Fruchtzucker enthalten sein oder der Zuckeraustauschstoff Sorbit. Auf diesen sollten Menschen mit Fruktosemalabsorption möglichst ganz verzichten.

Viele Patienten meinen es jedoch zu gut und streichen auch den Fruchtzucker komplett aus ihrer Ernährung, berichtete Schäfer aus ihrer Beratungspraxis. Das führt zu einem unnötig geringen Obstverzehr und kann die Magen-Darm-Beschwerden sogar verschlimmern. Bei der Fruktosemalabsorption bildet die Dünndarmschleimhaut zu wenig von einem spezifischen Transporteiweiß für Fruchtzucker. Dieses befördert die Fruktose aus dem Speisebrei in die Darmzelle und damit ins Blut.

Sobald die Nahrung jedoch keinen Fruchtzucker mehr enthält, stellt der Dünndarm die Produktion des Transporteiweißes ganz ein. Häufiger Grund für den strikten Verzicht auf Fruchtzucker ist eine Verwechslung mit der ähnlich klingenden Fruktoseintoleranz.

Bei dieser seltenen, angeborenen Stoffwechselstörung fehlt den Betroffenen ein Leberenzym, so dass sie sich lebenslang streng fruchtzuckerfrei ernähren müssen. Menschen, die an der sehr viel harmloseren Fruktosemalabsorption leiden, stoßen bei eigenen Internetrecherchen häufig auf die Ernährungsvorschriften bei Fruktoseintoleranz und begehen so Diätfehler, warnte Schäfer.

Nach der Diagnose Fruchtzuckerunverträglichkeit empfiehlt die Expertin einen schrittweisen Kostaufbau in drei Phasen: In den ersten zwei Wochen ernähren sich die Patienten deutlich fruktose- und sorbitreduziert. Zudem verzichten sie auf Lebensmittel, die häufig schwer bekömmlich sind und führen ein Ernährungs- und Symptomtagebuch.

In der anschließenden Testphase finden die Betroffenen gemeinsam mit einer Ernährungsfachkraft heraus, wie viel Fruktose sie individuell vertragen. Daraus erarbeiten sie Regeln für den dritten Schritt, eine langfristige Ernährungsumstellung mit möglichst geringen Einschränkungen im Alltag.

Monika Heinis
Autor: AID Infodienst
5147 Aufrufe
Stand: 30. Mai 2008
Erstellt: 30. Mai 2008

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