Umweltjournal.de | Ernaehrung und Landwirtschaft  | Artikel Nr.: 13621

Keine "artgerechte Tierhaltung" bei Weihenstephan






Berlin, 23.01.2008: Auf der Verpackung ihrer "Alpenmilch" versprach die Molkerei Weihenstephan, die Kühe würden artgerecht gehalten. foodwatch wollte es genauer wissen und fragte nach, mehrmals. Doch der Beleg für diese These blieb aus. Seit Anfang 2008 verzichtet Weihenstephan nun auf diese Behauptung.


Auf der "Grünen Woche" jubiliert die Agrarindustrie über gute Preise und lobt stolz die angeblich so hohe Qualität ihrer Produkte. Doch bei Lebensmitteln können Hersteller das Blaue vom Himmel versprechen - ohne es beweisen zu müssen. So wirbt die Milchwirtschaft gerne damit, die Milchkühe würden artgerecht gehalten.

Mit artgerechter Tierhaltung auf den Milchpackungen hat bisher auch die "Staatliche Molkerei Weihenstephan GmbH und Co. KG" geworben. Diese hat übrigens mit dem bayerischen Staat nicht mehr viel zu tun, denn sie gehört dem Milchkonzern Müller-Milch. "Unsere Milchbauern legen Wert darauf, dass den Milchkühen ausreichender und geeigneter Liege- und Bewegungsraum, natürliches Licht, frische Luft ... zur Verfügung stehen ..." schrieb das Unternehmen am 27. April 2007 an foodwatch und hielt fest, dass "die von uns bezogene Milch von Zulieferhöfen kommt, die ihre Milchkühe nach den Kriterien der artgerechten Tierhaltung halten".

Tierschützer belegen: Anbindehaltung auf engem Raum
foodwatch wollte es genauer wissen und fragte nach - mehrmals. Doch der Beleg für diese These blieb aus. Ein Gespräch mit foodwatch wollte die Molkerei nur führen, wenn foodwatch sich gegen eine Vertragsstrafe verpflichtet, über solch ein Treffen absolutes Stillschweigen zu bewahren, auch darüber, dass ein solches Treffen überhaupt stattgefunden hat. Ende Oktober 2007 legte der Deutsche Tierschutzbund eine Dokumentation vor, die belegt, dass Weihenstephan-Milchkühe "in ganzjähriger Anbindehaltung auf sehr beengtem Raum gehalten werden" (Pressemeldung vom 23.11.2007). Artgerechte Tierhaltung sieht anders aus. Weihenstephan hat seinen Kunden offenbar Märchen erzählt.

Weihenstephan ändert Werbung
Nunmehr, im Januar 2008, hat das Unternehmen sämtliche Werbung, die artgerechte Tierhaltung verspricht, eingestellt. Das Beispiel zeigt: Mit erfundenen Qualitätsbehauptungen benachteiligen renommierte Lebensmittelunternehmen ihre Konkurrenten, die ehrliche Qualität abliefern. Der Staat und die Politik schauen zu. Den Verbrauchern bleibt nichts anderes übrig, als sich selbst zu wehren. Im Fall Weihenstephan gelang das mit Erfolg.
Autor: foodwatch e.V.
3869 Aufrufe
Stand: 23. Jänner 2008
Erstellt: 23. Jänner 2008

Weiterführende Informationen:

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