Umweltjournal.de | Ernaehrung und Landwirtschaft  | Artikel Nr.: 13589

Internationale Grüne Woche: Mehr Klimaschutz auf Acker, Ladentheke und Küchentisch





Berlin, 17.01.2008: Zum Auftakt der Internationalen Grünen Woche fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) mehr Einsatz der deutschen Land- und Ernährungswirtschaft beim Klimaschutz. "Was wir heute essen und wie es produziert wird, entscheidet über das Klima von morgen", so Vorstand Gerd Billen. "Landwirtschaft und Ernährungswirtschaft können einen maßgeblichen Beitrag leisten und ihre Treibhausgase drastisch reduzieren."


Förder- und Anreizprogramme müssten auf ihre Kosten und Klima-Effektivität hin überprüft werden. "Unsere Ernährungsmuster und Ernährungsgewohnheiten gehören auf den Klimaprüfstand." Die Treibhausgas-Emissionen, die durch Anbau, Verarbeitung und Zubereitung unserer Ernährung entstehen, haben einen Anteil von 16 bis 20 Prozent an dem von Menschen verursachten Treibhauseffekt. Doch während Kraftwerke und Autos Höchstwerte und Neubauten Standards einhalten müssen, bleibt der Agrarsektor bislang außen vor.

"Es ist weder nachvollziehbar noch akzeptabel, dass die Landwirtschaft im Klimaprogramm der Bundesregierung mit keinem Wort auftaucht", moniert Billen. Der Dachverband der deutschen Verbraucherorganisationen fordert die Bundesregierung und die deutsche Land- und Ernährungswirtschaft auf, ein verbindliches Maßnahmenpaket zur Reduktion von Treibhausgasen in der Agrar- und Ernährungsbranche zu entwerfen. Gleichzeitig müsse ermittelt werden, welchen Beitrag Land- und Forstwirtschaft zur Bindung von Kohlendioxid leisten können.

Landwirtschaft - weniger Dünger, mehr Öko
Hauptproblem der deutschen Landwirtschaft ist nach Dr. Dietrich Schulz vom Umweltbundesamt der Einsatz von Stickstoffdünger und die dadurch verursachte Freisetzung von Lachgas - mit etwa zwei Dritteln Ursache des durch die Landwirtschaft verantworteten Klimawandels. "Weniger Düngemittel und vor allem ein effizienterer Einsatz ist daher oberstes Gebot." Zudem betont er die Bedeutung des Bodenschutzes im Kampf gegen den Klimawandel. "Die Entwässerung und der Umbruch von Niedermoorgrünland haben den gleichen Effekt wie die Rodung von Wäldern - sie vernichten Kohlenstoffspeicher." Moore, Wälder und Grünland müssten erhalten und wieder angelegt werden. Aber auch durch Umstellung auf Minimalbodenbearbeitung oder Ökolandbau werde Humus im Boden angereichert und dadurch der Atmosphäre CO2 entzogen. Gerd Billen: "Eine Stärkung der zweiten Säule der EU-Agrarpolitik, der Agrar-Umweltprogramme und die Wiedereinführung und Aufstockung von Umstellungshilfen für den Ökolandbau, leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz".

Biomasse so effizient wie möglich einsetzen
Als Maßnahme zum Klimaschutz fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband eine Neuausrichtung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG). "Mit dem eingesetzten Geld muss eine größtmögliche Einsparung von Treibhausgasen erreicht werden", so Billen. Die Pflicht zur Beimischung von Biodiesel zu Treibstoffen sei ineffizient. Die Energie aus Biomasse müsse dort eingesetzt werden, wo sie am effektivsten sei, nämlich als dezentrale Energiequelle zur Strom- und Wärmegewinnung. "Den zu hohen Treibstoffbedarf im Verkehr durch Biomasse zu decken, ist eine klimapolitische Sackgasse." Die Beimischungsquote vermindere den Druck auf die Industriestaaten, die Verkehrssysteme auf öffentliche Transportmittel und effiziente Kraftfahrzeuge umzusteuern.

Brot vor Energie
Falsche Anreize setzt das EEG nach Ansicht des Bundesverbandes auch bei der Förderung von Bioenergie. "Es kann nicht sein, dass Landwirte mehr verdienen, wenn sie Getreide zur Energieerzeugung verbrennen, statt in die Lebensmittelproduktion einzubringen", kritisiert Billen. Die zunehmende Flächenkonkurrenz geht erheblich zu Lasten der Lebensmittel- und Futtergetreideproduktion. "Angesichts einer sich weltweit abzeichnenden Lebensmittelknappheit und steigender Lebensmittelpreise muss die Nahrungsmittelversorgung oberste Prämisse sein", so Billen. "Die Herstellung von Nahrung ist die Hauptaufgabe der Landwirtschaft, erst danach kommen Strom, Wärme und Kraftstoffe für Autos."

Essen eine Klimasünde?
Billen rief auch die Verbraucher auf, mit ihrem Ernährungsverhalten einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten: "Weniger Fleisch, mehr Obst und Gemüse, mehr saisonale, regionale und ökologisch erzeugte Lebensmittel. Das ist nicht nur gesünder, sondern schützt auch das Klima." Die Klima-Bilanz eines Lebensmittels müsse zum zusätzlichen Entscheidungskriterium werden. Zum Beispiel sind die Treibhausgas-Emissionen für ein Kilogramm Rindfleisch vier Mal so hoch wie für ein Kilogramm Schweine- oder Geflügelfleisch. Ein höherer Fettgehalt eines Milchproduktes geht automatisch mit höheren Emissionen einher und Gemüse aus der Tiefkühltruhe belastet das Klima dreimal mehr als Frischgemüse. "Unsere Ernährung trägt in gleicher Größenordnung zum Treibhauseffekt bei wie unsere Mobilität und gehört daher bei der politischen Diskussion um den Klimaschutz mit auf die Tagesordnung", so Dr. Ulrike Eberle vom Öko-Institut. "Verbraucher können durch eine bewusste Ernährung ihre persönliche Klimabilanz verbessern." Ebenso notwendig seien aber auch energieeffiziente Haushaltsgeräte, denn die Lagerung und Zubereitung von Lebensmitteln verursacht fast die Hälfte der ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen.

Klima-Label für Lebensmittel
Voraussetzung, damit Verbraucher Lebensmittel an der Ladentheke einem Klimacheck unterziehen können, sind glaubwürdige Kennzeichnungssysteme für klimafreundliche Produkte. "Hier müssen die Lebensmittelwirtschaft und der Lebensmittelhandel ihre Kunden mit den relevanten Informationen versorgen", so Billen. Zudem müsse die Herkunftskennzeichnung für regionale Produkte verbessert werden. Ähnlich wie in Großbritannien sollten sich Lebensmittelwirtschaft und -handel konkrete Klimaschutzziele setzen. Emissionen in Produktion, Lagerung, Logistik und Verpackung können beispielsweise durch eine verbesserte Energieeffizienz, die Wahl klimafreundlicher Transportmittel oder die Minimierung von Verpackungsmaterial reduziert werden.
Autor: Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.
2551 Aufrufe
Stand: 17. Jänner 2008
Erstellt: 17. Jänner 2008

Weiterführende Informationen:

Weitere Meldungen zum Thema "Klimaschutz":

Achtung: Umweltjournal.de übernimmt keine Haftung für veröffentlichtes Textmaterial der Autoren. Die Artikel unterliegen dem Urheberrecht der Autoren und sind nur nach ausdrücklicher Genehmigung frei zum weiterverarbeiten!

Webmaster: André Sepeur
© 1999 - by André Sepeur Medienberatung
plan-verde.de



Social Bookmarks
Newsletter bestellen
Seien Sie immer bestens informiert! Hier können Sie den Tagesrückblick bestellen >
Folgen Sie uns nach Facebook


Inserate
Top-News Ernährung und Landwirtschaft
Trinkwasser: Note "sehr gut" für deutsches TrinkwasserTrinkwasser: Note "sehr gut" für deutsches Trinkwasser
Trinkwasser: Note "sehr gut" für deutsches Trinkwasser
Bonn, 02.02.2012 (aid): In Deutschland hat das Trinkwasser eine sehr gute Qualität. Das hat ein aktueller Bericht des Bundesministeriums für Gesundheit und des Umweltbundesamts bestätigt.
Weiterlesen
Josef Ackermann bricht sein Versprechen: Keine Entscheidung über den Ausstieg aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln Josef Ackermann bricht sein Versprechen: Keine Entscheidung über den Ausstieg aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln
Josef Ackermann bricht sein Versprechen: Keine Entscheidung über den Ausstieg aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln
Berlin, 31.01.2012: Entgegen ihrer Ankündigung entscheidet die Deutsche Bank nicht bis Ende Januar über den Ausstieg aus der Nahrungsmittel-Spekulation.
Weiterlesen
Legehennen: Kommission greift durchLegehennen: Kommission greift durch
Legehennen: Kommission greift durch
Die Europäische Kommission greift bei der mangelnden Umsetzung des Käfigverbots für Legehennen durch.
Weiterlesen
Trügerische Landidylle bei Teekanne & CoTrügerische Landidylle bei Teekanne & Co
Trügerische Landidylle bei Teekanne & Co
Berlin, 27.01.2012: Land-Bockwurst, Land-Gurken und Landlust-Tee: Immer mehr Produkte werden als "Land"-Lebensmittel beworben. Tatsächlich steckt dahinter in der Regel nur Standard-Industrieware aus billigen Zutaten und Aromastoffen.
Weiterlesen
Fischen ohne Grenzen: Ein Drittel der Weltmeere durch Fischerei geschädigtFischen ohne Grenzen: Ein Drittel der Weltmeere durch Fischerei geschädigt
Fischen ohne Grenzen: Ein Drittel der Weltmeere durch Fischerei geschädigt
Hamburg, 25.01.2012: Die Fangflotten der Weltfischerei breiten sich über den gesamten Globus aus und hinterlassen dabei Spuren. Seit 1950 haben sie ihren zerstörerischen Aktionsradius verzehnfacht: 100 Millionen Quadratkilometer werden so intensiv befischt, dass die Ökosysteme bereits stark geschädigt sind. Das entspricht einem Drittel der Oberfläche des gesamten Weltmeeres.
Weiterlesen
Demonstration „Wir haben es satt!“ – 23000 verlangen von Merkel Neuausrichtung der AgrarpolitikDemonstration „Wir haben es satt!“ – 23000 verlangen von Merkel Neuausrichtung der Agrarpolitik
Demonstration „Wir haben es satt!“ – 23000 verlangen von Merkel Neuausrichtung der Agrarpolitik
Berlin, 22.01.2012: 23000 Menschen haben heute in Berlin gegen Lebensmittelskandale, Gentechnik im Essen und Tierquälerei in Megaställen und für eine bäuerliche, ökologische und zukunftsfähige Landwirtschaft demonstriert.
Weiterlesen
Grüne Gentechnik und Grüne Woche: Regierung fördert mit 400 Millionen EuroGrüne Gentechnik und Grüne Woche: Regierung fördert mit 400 Millionen Euro
Grüne Gentechnik und Grüne Woche: Regierung fördert mit 400 Millionen Euro
Berlin, 21.01.2012: Zum Start der „Grünen Woche“ und der geplanten Großdemonstration unter dem Motto „Wir haben es satt!“ am Samstag in Berlin, kritisiert der WWF die Förderpolitik der Bundesregierung.
Weiterlesen
Gentechnik-Industrie will umstrittenen "Goldenen Reis" ohne ausreichende Prüfung der Risiken einführenGentechnik-Industrie will umstrittenen "Goldenen Reis" ohne ausreichende Prüfung der Risiken einführen
Gentechnik-Industrie will umstrittenen "Goldenen Reis" ohne ausreichende Prüfung der Risiken einführen
Berlon, 19.01.2012: Das Vorzeigeprojekt der Gentechnik-Industrie, der umstrittene "Goldene Reis", soll nach mehr als zehn Jahren der Produktentwicklung 2013 auf den Markt kommen.
Weiterlesen
Sonntagsbraten für die MülltonneSonntagsbraten für die Mülltonne
Sonntagsbraten für die Mülltonne
Berlin, 18.01.2012: WWF-Expertin: „Als würden wir die Ernte eines Ackers von der Größe Mecklenburg-Vorpommerns einfach wegwerfen.“ Pro Person und Jahr landen in Deutschland rund 80 Kilogramm Nahrungsmittel auf dem Müll.
Weiterlesen
Landesregierung NRW startet Datenbank für Einsatz von Antibiotika in der Hähnchenmast – Kritik an Bundesministerin AignerLandesregierung NRW startet Datenbank für Einsatz von Antibiotika in der Hähnchenmast – Kritik an Bundesministerin Aigner
Landesregierung NRW startet Datenbank für Einsatz von Antibiotika in der Hähnchenmast – Kritik an Bundesministerin Aigner
Düsseldorf, 12.01.2012: Nordrhein-Westfalen zieht weitere Konsequenzen aus den Ergebnissen der Antibiotika-Studie. Als erstes Bundesland hat NRW heute die deutschlandweit erste Datenbank zum Einsatz von antimikrobiellen Substanzen in der Hähnchenmast gestartet.
Weiterlesen
Inserate
Inserate
Jobbörse