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Osterschmaus: Bedrohte Schildkröten

Frankfurt a. M., 04.04.2007: Jedes Jahr sterben während der Karwoche tausende lateinamerikanische Meeresschildkröten. Schuld ist das Ammenmärchen, die bedrohten Reptilien seien wegen ihres weißen Fleisches den Fischen zuzuordnen und damit eine in der Fastenzeit erlaubte Speise. "Diese Praxis muss endlich ein Ende haben", fordert WWF-Experte Stefan Ziegler.



„Meeresschildkröten sind ohnehin durch Meeresverschmutzung, Souvenirjagd, Beifang und Nestplünderei vom Aussterben bedroht.“ Obwohl ihr Fang entlang der amerikanischen Pazifikküste streng verboten ist, landen nach WWF-Schätzungen in der Woche vor Ostern allein in Mexiko 10.000 Meeresschildkröten in den Töpfen.

Alle sieben Meeresschildkrötenarten stehen auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten. Weltweit sind in den vergangenen zehn Jahren viele Schildkrötenbestände um mehr als 80 Prozent geschrumpft. „Die Meisten wissen einfach nicht, was sie mit einem Schildkröten-Bissen anrichten – oder wollen es nicht wissen“, sagt WWF-Experte Ziegler. Vor allem in Mexiko gelten Schildkröten als kulinarische Spezialität, für die in Restaurants zwischen zehn und 18 Euro bezahlt werden. Fischern bringt das Fleisch für Schildkrötensuppe oder -steak nach WWF-Recherchen bis zu 260 Euro pro Tier ein.

Die Fastengebote der katholischen Kirche untersagen seit fast 1.500 Jahren den Genuss von Fleisch. Um den Speiseplan aufzupeppen, war es auch in Deutschland bis ins 18. Jahrhundert Sitte, in der Fastenzeit die einheimische Europäische Schildkröte zu essen. Auch Fischotter, Biber, Seehunde, Walrosse und Sumpfhühner erklärte man zu diesem Zweck kurzerhand zu Fischen.

Autor: WWF Deutschland

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Stand: 4. April 2007
Erstellt: 4. April 2007