Umweltjournal.de | Ernaehrung und Landwirtschaft  | Artikel Nr.: 3047

Euronatur: Gentechnikfleisch wird Alltagskost

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Stuttgart, 06.05.2002: Umweltstiftung Euronatur kritisiert Industrialisierung der Nahrungsmittelproduktion und unzureichende Kennzeichnungsregelung der EU. Studie “Futter fürs Volk” als Taschenbuch erschienen.

Der Sonntagsbraten aus Gentechnikfleisch droht zur Alltagskost zu werden. Darauf hat jetzt die Umweltstiftung Euronatur bei der Vorstellung der Taschenbuchausgabe des Buch-Reports “Futter fürs Volk” hingewiesen. Derzeit werde in Brüssel der Weg für einen großflächigen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in der Landwirtschaft geebnet. Verbraucheraspekte würden dabei in weiten Teilen den Interessen der Gentechnikindustrie geopfert, beklagt die internationale Umweltstiftung.

Die EU Kommission plane derzeit, das bestehende Moratorium für die Ausbringung von gentechnischen Pflanzen aufzuheben und damit die Gentechnik in der Landwirtschaft zuzulassen. Um den großen Vorbehalten der Verbraucher gegenüber der Gentechnik zu begegnen, soll gleichzeitig eine Kennzeichnungsregelung dafür sorgen, dass der Konsument zwischen gentechnisch veränderten und gentechnischfreien Produkten unterscheiden kann. Was sich auf den ersten Blick gut anhört, hat nach Angaben der Stiftung einen ganz gewaltigen Haken. Denn die Kennzeichnungspflicht soll zwar auch für die Futtermittel gelten, welche die Bauern verfüttern. Doch am Futtertrog soll dann die Klarheit enden. Denn alle tierischen Produkte, das Fleisch, die Milch oder die Eier sogar von Tieren, die zu 100% mit gentechnisch verändertem Futtermittel gefüttert werden, brauchen nicht gekennzeichnet zu werden. „Damit werden die Verbraucher irregeführt und zu willenlosen Konsumenten gestempelt“, so Euronatur-Präsident Claus Peter Hutter. Dies sei der Kniefall der EU vor dem Wirtschaftsinteresse der immer mächtigeren Gentechnikunternehmen, so Hutter weiter. Diese hätten gar nicht den Bereich der pflanzlichen Lebensmittel im Auge, weil sie wissen, dass die Verbraucher diese Produkte mit großer Mehrheit ablehnen. Folglich wittern sie ihre Chance im Bereich der Futtermittel, ein Markt, der weltweit allein bei Eiweißpflanzen mehr als 55 Milliarden Euro pro Jahr umfasse.

Für Hutter ist der “Sonntagsbraten aus Gentechnikfleisch” nur ein weiterer Baustein bei der zunehmenden Industrialisierung der Nahrungsmittelproduktion. Mehr und mehr gehe die Qualität der Lebensmittel verloren, sie degradieren mehr und mehr zum “Futter fürs Volk”. Der Verbraucher zahle heute vielfach für konventionelle Ware weit höhere Preise als für Bioprodukte. Ein Beispiel hierfür seien Pfanni`s Bratkartoffeln aus der Dose. Der Zentner koste umgerechnet fast 150,- €, während Biokartoffel für 30,- € zu kaufen seien.

Die Zusammenhänge zwischen Verbrauchertäuschung, Nahrungsmittelindustrie und verfehlter europaweiter Agrarpolitik mit einer Zunahme ernährungsbedingter Krankheiten und dem Verschwinden früher weit verbreiteter Tier- und Pflanzenarten sind mit zahlreichen Beispielen im jetzt erschienenen Taschenbuch „Futter fürs Volk – Was die Lebensmittelindustrie uns auftischt“ belegt und zusammengefasst. Auf 400 Seiten geben die Autoren Volker Angres, Claus-Peter Hutter und Lutz Ribbe nicht nur Einblicke in den skandalösen Umgang mit Tieren und Lebensmitteln, sondern auch zahlreiche Tipps für gesunde Ernährung und den mehr denn je notwendigen kritischen Verbraucherblick.

Angres/Hutter/Ribbe
Futter fürs Volk – Was die Lebensmittelindustrie uns auftischt.
Droemer Knaur Verlag, München; Preis: 8,90 €, ISBN 3-426-77613

Besuchen Sie auch die Homepage von www.euronatur.de
Autor: Gabriel Schwaderer
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Stand: 9. Oktober 2002
Erstellt: 5. Mai 2002
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