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Chance auf Reform der EU-Chemikalienpolitik vertan! - WWF: Neue Chemikalienpolitik ignoriert weiterhin Gesundheit und Umwelt

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Bremen/Brüssel, 16.11.2001 - Das Europäische Parlament hat gestern in Brüssel das Weißbuch für eine neue Ausrichtung der Chemikalienpolitik verabschiedet, die den Schutz von Gesundheit und Umwelt nicht berücksichtigt.

Gefährliche Chemikalien, die sich im menschliche Körper anreichern, dürfen weiterhin verwendet werden, auch hormonell wirksame Stoffe sollen keiner strengen Kontrolle unterliegen. „Wir sind entsetzt über die Entscheidung des Parlaments. Es ist ein Skandal, dass die kurzfristigen Interessen der chemischen Industrie höher bewertet werden als der Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt“, kritisierte WWF-Chemieexpertin Patricia Cameron. „Damit sind die Parlamentarier ihrer Verpflichtung, sich für den Schutz der Bevölkerung einzusetzen, nicht nachgekommen.“ Der WWF und auch der Europarat hatten gefordert, dass Chemikalien nur noch dann verwendet werden dürfen, wenn sie nachweislich weder die menschliche Gesundheit noch die Umwelt schädigen. Alle Chemikalien, die derzeit im Umlauf sind, sollten auf ihre Wirkung überprüft werden. Gefährliche Stoffe, für die es noch keine Alternative gibt und die gesellschaftlich unverzichtbar sind, müssen einer strengen Zulassungspflicht unterliegen. Alle diese Forderungen sollen nun auch künftig nicht berücksichtigt werden. 30 000 Chemikalien sind zur Zeit auf dem Markt, ohne dass vorher untersucht
wurde, ob sie schädliche Auswirkungen haben. Selbst Giftstoffe wie Organozinnverbindungen (z.B. TBT), Weichmacher oder bromierte Flammschutzmittel,die das Hormonsystem schädigen können, werden in Gebrauchsgegenständen wie Kinderspielzeug, Computer oder PVC-Bodenbelägen eingesetzt, obwohl sie mit einer zunehmenden Anzahl von Prostatakrebs und abnehmenden Spermienzahlen in Verbindung gebracht werden. Hormonell wirksame Chemikalien können bereits in geringsten Konzentrationen in das Hormonsystem von Ungeborenen und Kleinkindern eingreifen. Dort können sie die Fortpflanzungsfähigkeit schädigen sowie das Zentralnervensystems stören und dadurch zu späteren Verhaltensveränderungen und Intelligenzverminderung führen. Besonders gefährlich ist die gleichzeitige Einwirkung eines ganzen „Hormoncocktails“ auf Natur und Mensch, dessen Einzeleffekte sich addieren und somit trotz einzelner geringer Konzentrationen zu einer gefährlichen Gesamtmenge führen können.
Autor: WWF Deutschland
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Stand: 3. Jänner 2002
Erstellt: 20. November 2001

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