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Umweltjournal.de | Gesundheit und Kosmetik  | Artikel Nr.: 16119

Schwarzer Hautkrebs heilbar?

Berlin, 29.09.2009: Die Behandlung des fortgeschrittenen schwarzen Hautkrebs könnte in Zukunft deutlich einfacher werden. Paul Chapman, Arzt in der Abteilung für Melanome und Sarkome am Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York (USA), hat auf Europas größtem Krebskongress ECCO 15 - ESMO 34 in Berlin eine neue Studie vorgestellt. Sie zählte zu den meist diskutierten Studien der Tagung.


Knapp 15.000 Experten aus 120 Ländern waren dazu nach Berlin gekommen, wo der ECCO 15 - ESMO 34 am gestrigen Donnerstag (24.September) endete.

Paul Chapman und sein Team hatten in ihrer Hautkrebs-Studie herausgefunden, dass der Tumor bei jenen Patienten geschrumpft ist, die mit 960mg PLX4032 zweimal täglich behandelt worden waren. Das neue Präparat blockiert die Aktivität der kanzerogenen Mutation des BRAF-Gens. Das BRAF-Gen ist an der Ausbildung von rund 50% der Melanome und 5% der kolorektalen Karzinome beteiligt. Der schwarze Hautkrebs gilt bislang als besonders schwierig zu behandeln, wenn er sich im Körper bereits ausgebreitet hat.

Die Frage, ob und wie neue Behandlungen und Medikamente die Lebensqualität der Patienten verbessern könnten, war das zentrale Thema der meisten Präsentationen, die auf dem ECCO 15 - ESMO 34 vorgestellt und diskutiert worden waren. Insgesamt waren in mehr als 2000 Veranstaltungen neue Forschungsergebnisse diskutiert worden.

Gesamtes Spektrum der Krebsmedizin
Prof. Dr. Dr. h.c. Peter M. Schlag, Direktor des Charité Comprehensive Cancer Center in Berlin, hat als Vorsitzender des Nationalen Organisationskomitees den Kongress mitorganisiert. Er spricht von einem Paradigmenwechsel in der Krebsmedizin: "Früher war das Überleben der fast ausschließliche Zielparameter in der Krebsbehandlung; heute gilt es zusätzlich, den Behandlungsplan so aufzubauen, dass sich der Patient auch nach der Therapie über eine gute Lebensqualität freuen kann." ECCO 15 - ESMO 34 ist der einzige europäische Kongress, der das gesamte Spektrum der Krebsmedizin abdeckt. Er umfasst sowohl die Grundlagenforschung, die Translationale Forschung, Prävention, Diagnose, Behandlung, Nachsorge und Pflege als auch weitere Themen, wie die psychologische Unterstützung für Krebspatienten und deren Angehörige.

So gab es auch aus anderen Forschungsfeldern beeindruckende Studienergebnisse: Vorgestellt wurden beispielsweise die Ergebnisse der bislang größten und umfassendsten Studie zur Hormontherapie von Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom. Studienleiterin Mieke Van Hemelrijck, Krebsepidemiologin am King's College in London, hatte in einer Studie herausgefunden, dass je nach Art der Therapie das Risiko für verschiedene Herzkrankheiten unterschiedlich hoch ausfällt. "Präparate, die die Bindung des Testosterons an die Prostatazellen blockieren, bergen das geringste Risiko für eine Herzerkrankung. Jene Behandlungen, die die Testosteronproduktion drosseln, werden mit einem höheren Risiko assoziiert. Diese Erkenntnis kann Auswirkungen auf die Wahl der Therapie haben", sagte die Forscherin.

Medikamenten-Wechsel bei Brustkrebs
Brustkrebs ist weltweit die bei Frauen am häufigsten auftretende Krebserkrankung. Alljährlich werden weltweit 1,29 Millionen neue Mammakarzinome diagnostiziert. Professor Charles Coombes, Leiter der Onkologie am Imperial College in London, legte beim ECCO 15 - ESMO 34 neue Forschungsergebnisse vor. Demnach erhöht sich die Chance, ohne Krebs weiter zu leben, wenn postmenopausale Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium zunächst Tamoxifen erhalten, dann aber nach zwei oder drei Jahren auf Exemestan (Aromasin) umgestellt werden. Außerdem reduziert diese Therapie, anstelle der fünfjährigen Behandlung mit Tamoxifen, das Mortalitätsrisiko zumindest für die nächsten sechs Jahre. "Wir konnten feststellen, dass die Frauen, die Exemestan erhielten, sechs Jahre nach der Behandlungsumstellung mit einer um 18% höheren Wahrscheinlichkeit krebsfrei waren und dass ihr Mortalitätsrisiko um 14% geringer ausfiel als bei Patientinnen, die weiter Tamoxifen erhalten hatten", sagte Coombes.

Ganzhirnbestrahlung nicht immer angemessen
Die Frage, wann welche Behandlung angemessen ist und wann nicht, wurde unter anderem auch in der bislang umfangreichsten Studie zur Bestrahlung bei Hirntumor diskutiert. Demnach sollte Ganzhirnbestrahlung nicht routinemäßig bei allen Patienten, deren Krebs sich ins Gehirn ausgebreitet hat, angewendet werden. Die internationale Forschergruppe um Dr. Riccardo Soffietti, Professor für Neuro-Onkologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Turin (Italien) stellte fest, dass die Ganzhirnbestrahlung nach einer Operation bzw. Radiochirurgie das Leben jener Patienten, die eine beschränkte Anzahl von Hirnmetastasen und stabilem Krebs im übrigen Körper vorweisen, nicht verlängerte bzw. nicht dazu beitrug, dass die Patienten länger selbstständig leben konnten. "Der präventive Einsatz nach einer konventionellen Operation oder Radiochirurgie bei Patienten mit einer beschränkten Anzahl von Hirnmetastasen und stabilem Krebs im übrigen Körper ist umstritten. Sie kann die Ausdehnung des Krebs ins Gehirn bremsen, kann allerdings auch kognitive Funktionen schädigen und so manchmal auch bei lange überlebenden Patienten zu Demenz führen," sagte Soffietti.

Ultraschall bei der Tumordiagnose
Nicht nur genauere Kenntnisse für eine verbesserte Behandlung, sondern auch neue Erkenntnisse zu einer genaueren Diagnostik lassen die Krebsexperten hoffnungsvoll in die Zukunft blicken. So konnte beispielsweise die Forschergruppe um PD Dr. Christiane Voit, Dermatologin und Leiterin der Tumordiagnostik am Hauttumorcentrum des Charité Comprehensive Cancer Center Berlin, erstmals nachweisen, dass mit typischen Ultraschallmustern vorhergesagt werden kann, ob und inwieweit der Krebs von Melanompatienten begonnen hat, sich im ersten Lymphknoten (Sentinel Node) auszubreiten. Diese Entdeckung hilft den Ärzten zu entscheiden, ob eine Operation notwendig ist und die Überlebenschancen des Patienten abzuschätzen. Dr. Christiane Voit erklärte dazu: "Wir haben zwei Ultraschallmuster von Lymphknotenmetastasen bei Melanompatienten identifiziert, die die Ausdehnung des Tumorzellbefalls in den Wächterlymphknoten in
75 - 90% aller Fälle korrekt angeben, bevor diese entnommen werden."

Des Weiteren waren besonders Erkenntnisse zu neuen Diagnosemethoden gastrointestinaler Krebserkrankungen, zur chirurgische Entfernung des Primärtumors bei metastasiertem Mammakarzinom, zur Schutzfunktion von Aspirin bei Darmkrebs sowie Erkenntnisse zum Einsatz von Ultraschall bei der Hautkrebs-Diagnose besonders diskutiert worden. ECCO 15 - ESMO 34 war in Berlin gemeinsam von den beiden Non-Profit-Organisationen ECCO ("European CanCer Organisation") und ESMO ("European Society of Medical Oncology") organisiert worden. ECCO ist aus der früheren "Federation of European Cancer Societies" hervorgegangen und vertritt heute mehr als 20 verschiedene europäische Vereinigungen in der Krebsmedizin mit rund 50.000 Mitgliedern.


Bild: Marika, pixelio

Autor: Berliner Krebsgesellschaft e.V.

Weiterführende Informationen:


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Erstellt: 29. September 2009