Umweltjournal.de | Gesundheit und Kosmetik  | Artikel Nr.: 14978

Feinstaubskandal: Merkwürdiger Verkehrsunfall an Messstation





Leipzig, 29.11.2008: Am 26.11.2008 ist nach einem Verkehrsunfall die Feinstaubmessstation Leipzig-Mitte ausgefallen. Diese hatte bereits 34 Grenzwertüberschreitungen in diesem Jahr registriert. Nur 35 Tage sind im Jahr laut EUVerordnung und BISchG erlaubt. "Wissenschaftler halten die Belastungen durch Feinstaub inzwischen für das stärkste Problem der Luftreinhaltung" so Alexander John vom Ökolöwen – Umweltbund Leipzig e.V.



Feinstaub gelangt über die Luftröhre direkt in die Bronchien und Lungenbläschen und kann damit in den Blutkreislauf und schließlich in die Zellen gelangen. „Je kleiner die Schwebpartikel sind, desto stärker belasten sie den Körper“ so John weiter.

Die kleinsten Schwebpartikel können die Entstehung von Atemwegs- u. Krebserkrankungen sowie Herz-Kreislauf-Störungen verursachen, dass hängt damit zusammen, dass sich andere Schadstoffe wie Kohlenwasserstoffe, Schwefel- oder Stickstoffverbindungen an den Staubteilchen anlagern können und deren Wirkung verstärken.

Laut Bundesumweltamt können bereits 10 g/m³ eine Lebenszeitverkürzung von einem halben Jahr bedeuten. Eine Grenzwertüberschreitung wird aber erst bei 50 g/m³ erreicht. Somit ist jeder Tag an dem eine
Grenzwertüberschreitung eintritt, ein Überschreitungstag zu viel. Gerade im Dezember sind sehr viele Grenzwertüberschreitungen zu erwarten, da
in den kalten Wintermonaten die Emissionen durch Inversionswetterlagen in der Stadt gehalten werden.

Das gerade jetzt, bevor die 35 Tage-Schwelle bevorsteht, die Messstation wegen eines Verkehrsunfalls ausfällt, ist hoffentlich nur ein ungünstiger Zufall. Die Station ist jedenfalls von außen beschädigt (siehe Foto). Verwunderlicher ist jedoch, dass die einzige mobile Feinstaubmessstation vom Landesamt für Umwelt und Geologie ebenfalls stark beschädigt und für die nächsten Wochen nicht einsetzbar ist.

Im Endeffekt heißt das, dass bis auf weiteres keine Feinstaubmessungen aus dem Zentrum der Stadt vorgenommen werden können. „Das ist dahingehend nicht tragbar, weil die Jahresgrenzwertüberschreitungen verfälscht werden“ so Marco Böhme vom Ökolöwen – Umweltbund Leipzig e.V. und weiter: „damit kann die Stadt von sich behaupten, genügend gegen die krebserregenden Emissionen getan zu haben, obwohl die Werte in Wirklichkeit viel zu hoch sind!“

Ab dem Jahr 2010 darf Leipzig nur noch an sieben Tagen im Jahr die Grenzwerte für Feinstaub überschreiten. Das dies bisher nicht annähernd
der Fall ist, ist beschämend und erschreckend. Ab dem Jahr 2011 kommen auf die Stadt Leipzig erhebliche Strafzahlungen zu, wenn sie die Grenzwerte bis dahin immer noch nicht einhält. Der Ökolöwe – Umweltbund Leipzig e. V. fordert schon seit 2005 eine Verbesserung des aktuellen Luftreinhalte- und Aktionsplans.

"Der Stadt fehlt der Mut und auch der Wille, die Vorherrschaft des Autos zu beenden. Leipzig muss begreifen, dass durch Straßenausbau keiner
motiviert wird mit der Straßenbahn oder dem Fahrrad zu fahren. Eine andere Herangehensweise ist nötig", so Böhme. "Das heißt: Dem ÖPNV sollte eine absolute Bevorrechtigung an Lichtsignalanlagen eingeräumt, weitere Preiserhöhungen verhindert und Werbekampagnen für die LVB unterstützt werden.

Autofahren muss unattraktiver sein als die Benutzung des ÖPNV. Außerdem muss das Radverkehrsnetz in Leipzig weiter ausgebaut, mehr Fahrradparkmöglichkeiten eingerichtet und intensive Werbemaßnahmen eingeführt werden. In Leipzig gibt es ein Straßennetz von über 1668 km (ohne Autobahn) Länge, dieser gewaltigen Zahl stehen nur 296
km Radfahrstraßen (Quelle: Tiefbauamt Leipzig) gegenüber. Die Stadt muss dafür sorgen, dass mehr Menschen mit dem Rad und/oder dem ÖPNV fahren. Leipzig bietet dafür ideale Vorraussetzungen.

Um den Hauptverursacher von Feinstaub, dem dieselbetriebenen PKW und LKW-Verkehr, zu reduzieren und Anreize für eine Modernisierung der Fahrzeuge zu bieten, muss es endlich eine (gesamtstädtische) Umweltzone in Leipzig geben. Außerdem kann es nicht sein, das man in Leipzig für 0,50 € pro Stunde parken kann. Die Bürger und Gäste dieser Stadt werden
regelrecht animiert mit dem Auto in die Stadt zu fahren."

Wir fordern die Stadt Leipzig auf, umgehend und alles nötige zu unternehmen, dass die Feinstaubmessstation Leipzig-Mitte wieder funktionstüchtig wird. Für die Zeit des Ausfalls muss unbedingt eine Ersatzmessstation beschafft werden. Des Weiteren fordern wir konsequenter gegen Feinstaubquellen vorzugehen und nicht nur kosmetische Maßnahmen zu betreiben.

Marco Böhme


Bild: © Hartmut910
Autor: Ökolöwe - Umweltbund Leipzig e.V.
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Stand: 29. November 2008
Erstellt: 29. November 2008

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