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Umweltjournal.de | Gesundheit und Kosmetik  | Artikel Nr.: 14562

Schlankheitspille ohne Rezept


Frankfurt a.M., 27.08.2008: Interview mit Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz, Pharmazeutischer Chemiker an der Uni Frankfurt. Professor Manfred Schubert-Zsilavecz berät ÖKO-TEST in allen Fragen rund um Arzneimittel. ÖKO-TEST: Was steckt Neues in der Arzneimittelpipeline?



Prof. Schubert-Zsilavecz: Aufgrund positiver Ergebnisse aus den USA hat der Pharmakonzern GlaxoSmithKline auch in Europa die Zulassung eines rezeptfreien Orlistat-Präparats beantragt. Bislang ist der Wirkstoff in doppelter Dosierung nur rezeptpflichtig erhältlich (Xenical). Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat ein solches Präparat bereits im vergangenen Jahr für übergewichtige Erwachsene in Kombination mit einer fett- und kalorienreduzierten Diät und Bewegungsprogrammen zugelassen.


ÖKO-TEST: Welche Möglichkeiten gibt es bislang?

Prof. Schubert-Zsilavecz: Letztlich nimmt nur ab, wer mehr Kalorien verbrennt, als er zu sich nimmt. Sättigungspräparate können unter Umständen dabei helfen, weniger zu essen, langfristige Erfolge sind in Studien aber nicht belegt. Als rezeptpflichtige Arzneimittel sind neben Orlistat hierzulande noch Sibutramin (Reductil) und Rimonabant (Acomplia) im Verkehr. Deren Nebenwirkungen sind aber erheblich: Sie reichen von erhöhtem Blutdruck bis hin zu psychiatrischen Störungen.


ÖKO-TEST: Wie wirkt Orlistat?

Prof. Schubert-Zsilavecz: Der Wirkstoff hemmt die Spaltung eines Teils der mit der Nahrung aufgenommenen Fette (Triglyceride) im Dünndarm, sodass der Körper weniger Fett und Kalorien aufnimmt.


ÖKO-TEST: Was haben Studien ergeben?

Prof. Schubert-Zsilavecz: In einer 16-wöchigen Studie nahmen leicht bis mäßig übergewichtige Teilnehmer bei kalorienreduzierter Diät unter dreimal täglich 60 mg Orlistat 3,1 kg gegenüber 1,9 kg unter Placebo ab. Nebenwirkungen wie Blähungen oder Durchfall treten vor allem bei zu fetthaltiger Ernährung auf.


Unsere Bewertung Arzneimittel, die das Abnehmen unterstützen sollen, können immer nur Teil eines Therapiekonzeptes bleiben. Gesundes Abnehmen basiert vor allem auf einer Umstellung der Ernährung und ausreichender körperlicher Aktivität. Es ist auch fraglich, ob man für ein bis zwei Kilo weniger tatsächlich bereit ist, die nicht unerheblichen Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen. Zudem ist bis heute nicht belegt, ob mit der Einnahme von Orlistat auch die Rate von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sinkt. An die Anwendung sind daher strenge Bedingungen zu stellen: BMI über 30, keine Gewichtsreduktion trotz veränderter Lebensgewohnheiten.


Bild 1: © Claudia Hautumm, PIXELIO
Bild 2: Professor Manfred Schubert-Zsilavecz
Bild 3: findrxonline.com

Autor: ÖKO-TEST Verlag

Weiterführende Informationen:


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Erstellt: 27. August 2008