Inserate
Top-News Gesundheit und Kosmetik
Vergiftung und Impotenz auf den europäischen Färöer-Inseln durch kontaminiertes Walfleisch
Patientenquittung würde Behandlungskosten transparent machen
Monopol des Hausärzteverbandes brechen
Rückrufaktion von Gerli – Reaktion auf katastrophale Testergebnisse
ÖKO-TEST Spezial Gesundheit & Fitness – Wellness
Wenn Pflege zu Hause eskaliert: Freiheitsberaubung oder "smarte" Fürsorge?
Kaum sanfte Medizin auf Rezept
Gesundheitsrisiko Luftmatratzen
Ratgeber Psychotherapie - seriöse Angebote erkennen
ÖKO-TEST Kompakt Kosmetik & Mode – Naturkosmetik
Was das Handy nicht kann, kann der Fisch schon lange!
Warum Nichtrauchen so einfach sein kann!
Wollen Sie auf ihre Magenspiegelung warten?
Hohe Ansprüche an die „zweite Haut“
Männer immer noch Vorsorgemuffel
Cremen, pudern, peelen: „grüner Weg“ für eine umweltschonende Kosmetik?
Gesundheitspolitik: Raus aus den ideologischen Schützengräben
Diabetes bei Heimtieren
Hormone aus der Dose: Bier-, Softdrink- und Energydrink-Dosen enthalten Bisphenol A
Ein H für Haiti – eine Aktion der Welthungerhilfe
Inserate
Umweltjournal.de | Gesundheit und Kosmetik  | Artikel Nr.: 13618

Wirken Bakterien plus Fieber gegen Krebs?

Gießen, 23.01.2008: Sie gehören zu den Mysterien der Medizin: Spontanheilungen bei Krebs. Über die Ursachen hat man lange gerätselt. Immer noch sieht man Fernsehsendungen, die diese Fälle als Wunderheilungen darstellen. Dr. Uwe Hobohm, Professor für Bioinformatik an der FH Gießen-Friedberg, arbeitet seit Jahren an der wissenschaftlichen Erklärung dieses Phänomens. Dazu hat er viele Fallbeschreibungen aus Fachzeitschriften ausgewertet.


Ihm fiel auf, dass diese Spontanremissionen oft in engem zeitlichen Zusammenhang mit einem heftigen fiebrigen Infekt stehen. Seine Beobachtung veröffentlichte er schon 2001 mit einer immunologischen Erklärungshypothese. Wenn dieser Zusammenhang tatsächlich besteht, so seine Folgerung, sollte er auch Krebsvorläuferzellen betreffen, sich also vorbeugend bemerkbar machen. Tatsächlich fand Hobohm dann die Bestätigung in etlichen verstreuten epidemiologischen Studien: eine persönliche Krankengeschichte mit vielen Infekten senkt das Krebsrisiko. Diese "reinigende Wirkung" kann sich auch entfalten, nachdem Krebs entstanden ist: ein Infekt nach einer Krebsoperation kann den Erfolg der Operation deutlich verbessern. Diese Befunde wurden 2005 im renommierten "British Journal of Cancer" zusammenfassend diskutiert. Daraus ergeben sich weitreichende Konsequenzen. Es stellt sich z.B. die Frage, ob man jede Kinderkrankheit wegimpfen und jeden grippalen Infekt mit Antibiotika und fiebersenkenden Mitteln behandeln sollte.

Inzwischen hat man auch eine plausible biochemische Erklärung gefunden: durch bakterielle Produkte, so genannte PAMP (Pathogen Associated Molecular Pattern), findet eine Stimulation des angeborenen Immunsystems statt. Das angeborene Immunsystem war bislang ein Stiefkind in der Krebsimmunologie. Man konzentriert sich bis heute - auch in der Impfstoffforschung - vor allem auf das adaptive Immunsystem, das imstande ist, Antikörper und T-Zellen herzustellen. Jedem Impfstoff sind so genannte Adjuvantien beigefügt, von denen man lange Zeit lediglich wusste, dass sie die Immunantwort um ein Vielfaches verstärken. Erst kürzlich hat man erkannt, dass Adjuvantien in Impfstoffen auf dieselben Proteine im menschlichen Körper wirken wie PAMP-Substanzen: auf die so genannten Toll-Rezeptoren. Das sind essentielle Bestandteile des angeborenen Immunsystems, die zu einer viel stärkeren Immunantwort gegen Krebszellen führen. Fieber verstärkt diese Wirkung wahrscheinlich auf vielfältige Weise. Man weiß beispielsweise, dass Krebszellen oft hitzeempfindlicher sind als normale Körperzellen. Hobohms Hypothese von 2001 gilt inzwischen als weitgehend bestätigt.

Mit den Professoren John Grange und John Stanford aus London hat der Gießener Bioinformatiker nun einen weiteren Artikel in der angesehenen Zeitschrift "Critical Reviews in Immunology" publiziert. Darin wird die derzeitige Anwendung von PAMP in Frage gestellt. Die wenigen vorliegenden klinischen Studien zu PAMP waren bislang nicht sehr erfolgreich, nach Ansicht des Autorentrios eine Folge falscher Anwendung. Anstatt einzelne PAMP über kurze Zeiträume bei austherapierten Patienten zu testen, so die Verfasser, sollte man einen Cocktail von PAMP über längere Zeit an nicht entsprechend vorbehandelten Patienten unter Fieber anwenden. Nur dann könne das volle Potential von PAMP gefunden werden. Über Hobohms Hypothesen hat der "New Scientist" im Januar 2008 berichtet. Auch der "American Scientist" hat Interesse an einem Übersichtsartikel angemeldet - beides populärwissenschaftliche Zeitschriften mit einem Millionenpublikum.

In einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit der Universität Gießen soll nun an Mäusen geprüft werden, ob die Verabreichung von PAMP-Substanzen unter gezielter Fiebererzeugung tatsächlich die Wirkung dieser Krebstherapie verbessern kann.

Autor: Fachhochschule Gießen-Friedberg

Weiterführende Informationen:


Die letzten 10 Meldungen zum Thema "Krebsforschung":
Krebsrisiko aus Grill und PfanneKrebsrisiko aus Grill und Pfanne
Heidelberg, 24.04.2009: Rechtzeitig zum Start der Grillsaison bestätigen Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum die Warnung: Finger weg von scharf angebratenen Steaks und angekohlten Würstchen, denn die beim Grillen oder Braten entstehenden heterozyklischen aromatischen Amine steigern erheblich das Risiko, bestimmte Gewebeveränderungen im Dickdarm zu entwickeln. Diese als Adenome ...
Unbekannte Viren im Fleisch!Unbekannte Viren im Fleisch!
Frankfurt, 13.12.2008: Da bislang unbekannte Viren an der Entstehung von Tumoren im Dickdarm beteiligt sein könnten, hat der Medizinnobelpreisträger Harald zur Hausen vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg vor dem Verzehr von zu kurz gebratenem oder rohem Rindfleisch gewarnt.
Überraschender Fund in der KrebsforschungÜberraschender Fund in der Krebsforschung
FRANKFURT, 27.11.2008: Zu den Charakteristika von Krebszellen gehört es, dass sie den programmierten Zelltod (Apoptose), mit dem der Körper sich vor der Vermehrung defekter Zellen schützt, gezielt verhindern. Dazu exprimieren sie vermehrt so genannte Apoptose-Inhibitoren (IAPs). Diese sind das Ziel vieler Krebs-Medikamente: Denn reduziert man die Zahl der IAPs, werden Tumorzellen durch den Selbstschutzmechanismus des Körpers zerstört.
Schoko-Zigaretten verbieten!Schoko-Zigaretten verbieten!
Heidelberg, 05.11.2008: Ein gesetzliches Verbot von Zigaretten aus Schokolade und anderen Süßwaren fordern das Deutsche Krebsforschungszentrum und der Verbraucherzentrale Bundesverband. Dies sei zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor den Gefahren des Rauchens notwendig. Krebsforscher und Verbraucherschützer erklären gemeinsam, dass die in Supermärkten, Kiosken und anderen Läden ohne Einschränkungen erhältlichen ...
Hand in HandHand in Hand
Bonn, 02.11.2008: Carmen Nebel moderiert am 2. November 2008 um 20.15 Uhr live erstmals die Fernsehgala "Hand in Hand" aus der Friedrich-Ebert-Halle Ludwigshafen zu Gunsten der Deutschen Krebshilfe. Bewegende Schicksale von Krebs-Patienten und Gespräche mit Ärzten und Helfern zeigen, wo die Krebsmedizin heute steht: Mehr als die Hälfte aller Betroffenen kann bisher geheilt werden. Daher müssen sowohl die Krebsforschung intensiviert als auch ...
Leichter Einstieg - schwerer AusstiegLeichter Einstieg - schwerer Ausstieg
Heidelberg, 27.05.2008: Noch immer rauchen in Deutschland über 1,3 Millionen Kinder und Jugendliche, und jeden Tag sterben über 350 Menschen an den Folgen des Zigarettenkonsums. Grund genug für das Deutsche Krebsforschungszentrum, zum diesjährigen Weltnichtrauchertag, der unter dem Motto "Tabakfreie Jugend" stattfindet, die Publikation "Rauchende Kinder und Jugendliche in Deutschland - leichter ...
Rasterfahndung in der KräuterapothekeRasterfahndung in der Kräuterapotheke
Heidelberg, 15.02.2008: Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum analysieren systematisch die Inhaltsstoffe aus Heilpflanzen der traditionellen chinesischen Medizin, um neue Wirkstoffe gegen Krebs zu entdecken. Krebs heilen mit Naturprodukten - ein Fall für Schamanen und Kräuterweibchen? Keineswegs, denn viele der in der Schulmedizin verwendeten Chemotherapien gegen Krebs sind Naturprodukte oder ...
"Rauchfrei 2008 - 10.000 € zu gewinnen"
Köln, 07.02.2008: Zum fünften Mal rufen das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zu Deutschlands größter Rauchstopp-Aktion auf. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt ist Schirmherrin der Aktion. Ziel von "Rauchfrei 2008" ist es, möglichst viele Raucherinnen und Raucher in Deutschland zu motivieren, vier Wochen lang, ab ...
Erhöhtes Krebsrisiko durch NachtarbeitErhöhtes Krebsrisiko durch Nachtarbeit
Frankfurt a.M., 28.01.2008: Wechselnde Schichten mit Nachtarbeit gelten – ebenso wie UV-Strahlen oder polychlorierte Biphenyle (PCB) – als "wahrscheinlich krebserregend", hat das Internationale Krebsforschungszentrum (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärt. Die Risikobewertung beruht vorrangig auf der Untersuchung von Frauen, die nachts arbeiten.
Wirken Bakterien plus Fieber gegen Krebs?Wirken Bakterien plus Fieber gegen Krebs?
Gießen, 23.01.2008: Sie gehören zu den Mysterien der Medizin: Spontanheilungen bei Krebs. Über die Ursachen hat man lange gerätselt. Immer noch sieht man Fernsehsendungen, die diese Fälle als Wunderheilungen darstellen. Dr. Uwe Hobohm, Professor für Bioinformatik an der FH Gießen-Friedberg, arbeitet seit Jahren an ...

Stand: 23. Januar 2008
Erstellt: 23. Januar 2008